LaG-Magazin vom 16. Mai 2012 (05/12)

"Euthanasie" im Nationalsozialismus

Liebe Leserinnen und Leser,

die aktuelle Ausgabe unseres LaG-Magazins liegt Ihnen vor. Der Schwerpunkt der „Euthanasie“-Morde im Nationalsozialismus greift eine Thematik auf, die sowohl erinnerungskulturell als auch in der historisch-politischen Bildung eher randständig behandelt wird. Das ist aus vielerlei Gründen ein Manko. Für den Bildungsbereich lassen sich an den relativ breiten Protesten und dem Widerstand gegen die Morde an Kranken und sogenannten Behinderten aufzeigen, dass und welche Handlungsspielräume Einzelnen im Nationalsozialismus blieben. Umgekehrt flossen die Erfahrungen der Täter/innen der T4-Mordaktion in die Vernichtung der europäischen Juden und anderer Opfergruppen ein und viele an den „Euthanasie“-Morden Beteiligte wurden zu Mördern oder Mordgehilfen in den Vernichtungslagern der „Aktion Reinhard“. Wir möchten mit dieser Ausgabe zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit der Thematik in Bildungsprozessen beitragen und Denkanstöße liefern. 

Das Zustandekommen dieser Ausgabe wurde durch die Mitwirkung der externen Autor/innen ermöglicht, die uns ihre Essays zur Verfügung gestellt haben. Ihnen gebührt unser Dank. 

Jan Effinger zeigt am Beispiel eines „Euthanasie“-Opfers auf, dass der Status eines Kriegsgrabes dem Gedenken von Opfern des Nationalsozialismus zugute kommt und gibt einen Einblick in Bildungsprojekte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. 

Das Thema von Christian Kuchler sind der Widerstand einzelner Vertreter der katholischen Kirche gegen die NS-„Euthanasie“ am Beispiel des Münsteraner Bischofs von Galen und der Protest gegen den Spielfilm „Ich klage an“, in dem sich die massenmediale Propaganda des Regimes manifestierte. 

Regine Gabriel reflektiert die Möglichkeiten theaterpädagogischer Arbeit in der Gedenkstätte Hadamar. Darin sieht sie eine Chance, sich mit dem historischen Geschehen nicht allein kognitiv auseinanderzusetzen und begreift Theaterspiel als eine Form von Erinnerungsarbeit, mit der sie gute Erfahrungen sammeln konnte. 

Sophie Wagenhofer gibt uns einen Einblick in die Geschichte des österreichischen Lern- und Gedenkortes Schloss Hartheim, in dem über 18.000 Menschen ermordet wurden. Darüber hinaus umreißt die Autorin die Diskussionen des Trägervereins um Gegenwartsbezüge in den Bereichen Bioethik und Eugenik. 

Robert Parzer bringt uns die Entstehung und den Aufbau des virtuellen „gedenkortes t4“ näher und widmet sich den Debatten, die sich um die Konzeption dieses Erinnerungsangebots im WWW im Zuge seines Aufbaus rankten. 

Daniel Ziemer widmet sich in seinem Aufsatz anhand von drei Beispielen der Bildungsarbeit in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein. Dabei betont er die Sicht auf die Gedenkstätte als Funktion für das kollektive Gedächtnis.

Wir danken besonders Violetta Rudolf für ihre Besprechung des Kinder- und Jugendbuches "Anton oder die Zeit des unwerten Lebens".

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Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre. Das nächste Magazin trägt die Überschrift „Punks, Hippies und Skinheads – Subkulturen und Jugendbewegungen in Ost und West“ und erscheint am 13. Juni.

Ihre LaG-Redaktion

Beiträge

Zur Diskussion

Jan Effinger zeigt am Beispiel eines „Euthanasie“-Opfers auf, dass der Status eines Kriegsgrabes dem Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus zugute kommt.

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Zur Diskussion

Welche Erfahrungsräume und Möglichkeiten der Begegnung mit Geschichte durch theaterpädagogische Zugänge in der Gedenkstättenarbeit möglich sind, skizziert Regine Gabriel.

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Zur Diskussion

Sophie Wagenhofer greift die NS-Geschichte von Schloss Hartheim auf und zeigt, mit welchen Fragestellungen aktuell die Arbeit am historischen Ort konfrontiert ist. 

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Zur Diskussion

Daniel Ziemer widmet sich in seinem Aufsatz anhand von drei Beispielen der Bildungsarbeit in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein.

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Zur Diskussion

Robert Parzer thematisiert den Aufbau und das Zustandekommen eines virtuellen Gedenkortes an die sogenannte Aktion T4.

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Zur Diskussion

 Christian Kuchler thematisiert den katholischen Widerstand gegen die „Euthanasie“-Morde im Nationalsozialismus.

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Empfehlung Fachbuch

Die vollständig überarbeitete Neuauflage von Ernst Klees Standardwerk über die NS-„Euthanasie“ zeigt bisher wenig oder gar erforschte Aspekte der Ermordung von Kranken und im Sinne der NS-Ideologie „lebensunwerten“ Menschen auf.

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Empfehlung Fachbuch

Das Berufsbild der Pfleger/innen im Nationalsozialismus und deren Rolle in den „Euthanasie“-Verbrechen zeigt Ulrike Gaida anhand von vielen Quellen auf und gibt gleichzeitig Vorschläge zur kreativen Unterrichtsgestaltung mit dem Material.

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Empfehlung Fachbuch

Die Publikation zur gleichnamigen Ausstellung widerspiegelt die Kinder-„Euthanasie“ unter den Nationalsozialisten anhand wissenschaftlicher Texte und abgedruckter Ausstellungsinhalte.

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Empfehlung Kinderbuch-/Jugendbuch

In ihrem Kinder- und Jugendbuch Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens schildert Elisabeth Zöller wie Familie Brocke versucht, ihren behinderten Sohn Anton vor den Maßnahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms zu bewahren.

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Empfehlung Lebensbericht

Lebensgeschichten von Opfern der nationalsozialistischen „Euthanasie“

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Neu eingetroffen

Der Sammelband zeigt wie unterschiedliche Formen von Klebemarken als Massenmedium in der antisemitischen Propaganda dienten.

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Empfehlung Unterrichtsmaterial

Für die Vor- und Nachbereitung eines Gedenkstättenbesuchs in Hadamar und für die Unterrichtsvorbereitung zu „Euthanasie“ im Nationalsozialismus bietet diese Publikation eine Fülle Quellen an.

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Empfehlung Unterrichtsmaterial

Materialien der Gedenkstätten Grafeneck und Bernburg zur Verwendung in der Bildungsarbeit zur NS-“Euthanasie“

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Bildungsträger

Es werden sechs Gedenkstätten vorgestellt, die sich heute um die Bewahrung der Orte und die Aufrechterhaltung der Erinnerung an die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen bemühen.

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Lernort

In Form von zwei grauen Bussen aus Beton wird in Weißenau und wechselnden Orten in Deutschland auf die Verwaltungs- und Transportwege, aber auch die Tötungsanstalten der NS-„Euthanasie“ aufmerksam gemacht.

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Eine virtuelle Ausstellung gibt einen umfassenden Einblick in die Medizin im Nationalsozialismus, auch anhand von zahlreichen historischen Dokumenten.

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Neben der Bereitstellung von Informationen über die NS-“Euthanasie“ begleitet die Internetseite den Prozess der Entstehung eines realen Gedenkortes in der Tiergartenstraße 4.

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Ein umfangreiches Wiki erinnert an über 1.000 Pflegepersonen, die während des Nationalsozialismus andere Menschen gepflegt haben.

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Ein materialreicher Blog ermöglicht die Beschäftigung mit der NS-“Euthanasie“ an einem Einzelfall.

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Podcast

Herwig Czech ist Historiker am Dokumentationsarchiv des östereichischen Widerstandes (DÖW) und arbeitet zu NS-Biopolitik.Mehr

Podcast

Radio Bremen eins erinnert an die Wirkung der Predigt des Kardinals von Galen 1941 in Münster.

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