Online-Modul: Spanischer Bürgerkrieg

3.3.2 Die politische Arbeit der Mujeres Libres

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Bereits im April 1936 gründeten Lucía Sánchez Saornil (1895–1970), Mercedes Comaposado Guillén (1900–1994) und Amparo Poch y Gascón (1902–1968) in Madrid die Gruppe Mujeres Libres, die in kürzester Zeit 20.000 bis 30.000 Mitglieder umfasste. Sie hatte eine eigene Fahne und eine eigene Hymne. Und sie gab eine eigene Zeitschrift heraus, für die auch die ungarische Fotografin Kati Horna ihre fotografischen Werke zur Verfügung stellte. Darin wurde „Cultura y documentación social“ als zentrales Thema der Mujeres Libres genannt. Das Ziel der Zeitschrift war mit dem der Bewegung identisch: einerseits Erweiterung des Bewusstseins der Frauen und dadurch Befähigung zur Selbstbefreiung aus den Verhältnissen, andererseits Hinwendung zur anarchistischen Bewegung (vgl. Vera Bianchi, S. 55ff.).

Die zahlreichen regionalen Gruppen der Mujeres Libres waren vielfältig engagiert: Sie errichteten Zentren für Frauen, führten sexuelle Aufklärungskampagnen durch, boten Alphabetisierungs- und Berufskurse an, darunter auch für Kleinmechanik, Technik, Landwirtschaft und Geflügelzucht. Kinderkrippen und Volksspeiseräume dienten der Entlastung der Arbeiterinnen, Ausbildungskurse für angehende Lehrkräfte der frühzeitigen Schulung eines neuen Erziehungs- und Frauenbildes.
Während des Bürgerkrieges kämpften viele in den Milizen und waren beim Sanitätsdienst aktiv.

Ihre Hymne, verfasst von Lucía Sánchez Saornil und die folgenden Auszüge aus ihren Broschüren geben etwas von ihrem Kampfgeist und ihren Zielen wieder.

Titelseite_Mai_1936 Titelseite5

Titelseiten verschiedener Ausgaben der eigenen Zeitschrift der Mujeres Libres
(vgl. Vera Bianchi S. 136)

1. Die Ziele der Mujeres Libres:

I. Emanzipation der Frau von ihrer dreifachen Versklavung, der sie im allgemeinen unterworfen war und bleibt: der Sklaverei durch Unwissenheit, der Sklaverei als Frau und der Sklaverei als Produzentin.

II. Aus unserer Organisation eine bewusste und verantwortliche feministische Kraft zu machen, die eine Avantgarde innerhalb der revolutionären Bewegung bildet.

III. Die Unwissenheit bekämpfen, indem wir die Genossinnen kulturell und sozial schulen. Dabei können Mittel eingesetzt werden wie Grundkurse, Konferenzen, Gespräche, kommentierte Lektüre, Filmaufführungen usw.

IV. Einen gegenseitigen Austausch mit den Gewerkschaften, Ateneos und der libertären Jugend einrichten, um zu einer Zusammenarbeit zu gelangen, die unsere revolutionäre Bewegung stärkt. Z. B. eine Gewerkschaft schickt eine Genossin zu der Gruppe, bei der sie eine Grundschulung und soziales Bewusstsein im Umgang mit anderen Genossinnen erhält, die schon länger dabei und erfahrener sind. Einmal so vorbereitet kann diese Genossin in einem Ateneo oder in die libertäre Jugend eintreten und ist dabei in der Lage, eine wirkungsvolle Arbeit zu leisten.

V. Zu einem echten Zusammentreffen zwischen Genossen und Genossinnen zu gelangen: zusammen leben, zusammen arbeiten und sich nicht ausschließen. Energie für die gemeinsame Aufgabe investieren.
VI. Einen starken Beitrag der Frauen für die konstruktive revolutionäre Aufgabe vorbereiten, indem dieser Bewegung Krankenschwestern, Lehrerinnen, Ärztinnen, Künstlerinnen, Kindergärtnerinnen, Chemikerinnen, intelligente Arbeiterinnen zugeführt werden. Das ist wirkungsvoller als nur guter Wille, gepaart mit Unwissenheit.

Literatur

Auszug aus der Broschüre „Tierra y Libertad“ vom 27. März 1937
Übersetzung nach: www.die-gruppe-md.de (21.06.2016)

 

2. „Wie Du eine Mujeres-Libres-Gruppe organisieren kannst“

Titelblatt Broschüre

"Wie Du eine Mujeres-Libres-Gruppe organisieren kannst" [Cómo organizar una agrupación], hrsg. Vom Comité Nacional de Mujeres Libres, o.O., 1937 (Centro Documental de la Memoria Histórica).

 

 

 

  

Weiterführendes 

De toda la vida 
Dokumentarfilm über die Organisation Mujeres Libres
von Lisa Berger y Carol Mazer, 1986
(spanisch, mit englischen Untertiteln, 54:16 Min.):
 

 

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