LaG-Magazin vom 7. Dezember 2011 (11/11)

Geschichtslernen in heterogenen Gruppen

Liebe Leserinnen und Leser,

wir begrüßen Sie zur letzten Ausgabe des LaG-Magazins in diesem Jahr.

Als Redaktion eines Magazins zum historischen Lernen nehmen wir üblicherweise zu tagesaktuellen Fragen nicht Stellung. Die Morde und Ereignisse im Zusammenhang mit der rechtsterroristischen Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) erfordern allerdings aus unserer Sicht eine Positionierung.

An erster Stelle gilt unser Mitgefühl denen, die um die Ermordeten trauern sowie denen, die durch diese neonationalsozialistische Gruppe verletzt wurden. Unsere Solidarität gilt den Angehörigen und allen, die durch Neonazis und Rechtsextreme bedroht und diffamiert werden.

Trotz vollmundiger Bekundungen seitens der politisch Verantwortlichen wurde die Bekämpfung des Rechtsextremismus bei weitem nicht so energisch betrieben wie es notwendig gewesen wäre und ist. Stattdessen wurden zivilgesellschaftliche Projekte gegen Rechts einem Generalverdacht ausgesetzt und über das Instrument von umstrittenen Extremismustheorien beurteilt, die sie fälschlich in den Ruch von Verfassungsfeindlichkeit bringen.

Gleichzeitig ist mit Sorge zu betrachten, dass die Bundeszentrale für politische Bildung einschneidende Kürzungen in ihrem Etat hinnehmen muss, während in den Bundesländern die Landesämter für Verfassungsschutz vermehrt Aufgaben der politischen Bildung übernehmen sollen. Nicht erst angesichts des jetzt bekannt gewordenen Versagens des Verfassungsschutzes erscheint es absurd, wenn diese Behörde eine präventive und qualifizierte pädagogische Arbeit gegen Rechtsextremismus leisten soll.

Rechtsextremismus und seine ideologischen Bestandteile wie Rassismus, Antisemitismus und Homophobie sind auch ein Problem der Mitte der Gesellschaft; sie existieren nicht nur in den Köpfen bekennender Rechtsextremer. Deren Bekämpfung durch Bildung, Aufklärung, partizipative Projekte u.a. ist die Aufgabe einer pluralen Zivilgesellschaft, die auf eine entsprechende finanzielle Förderung und Verstetigung dieser Arbeit angewiesen ist.

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Das vorliegende Magazin hat das Geschichtslernen in heterogenen Gruppen zum Thema. Damit wird eigentlich eine Selbstverständlichkeit behandelt, da Lerngruppen sich schon immer aus Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Lernniveaus, sozialen Hintergründen und Migrationshintergründen zusammensetzen. Die Anerkennung von Heterogenität in der Gesellschaft und in Bildungs- und Lernprozessen ist also eine Anpassung an eine immer schon vorhandene Wirklichkeit und die daraus resultierende Inklusionspädagogik kann das Lernen – ausreichende ökonomische Mittel vorausgesetzt – individualisieren und demokratisieren.

Birgit Wenzel thematisiert in ihrem Aufsatz was Heterogenität und Inklusion ausmacht. Darüber hinaus formuliert sie Maßstäbe für ein inklusives Geschichtslernen im Unterricht.

Ayşe Almila Akca beschreibt die Herausforderungen von Heterogenität an Lehrende und Lernende. Im Mittelpunkt ihrer Betrachtung stehen Hinweise für notwendige Prozesse der Selbstreflexion von Lehrkräften.

Die Erfahrungen bei der Konzeption und Erstellung des Online-Handbuches „Inklusion als Menschenrecht“ reflektiert Meike Günther in ihrem Beitrag.

Ebenfalls praxisorientiert beschäftigt sich Uta George mit einem Projekt an der Gedenkstätte Hadamar. Dort wurde ein inklusives Konzept für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt, um NS-Gedenkstätten für diese Gruppe zu öffnen.

Der Schwerpunkt des Beitrags von Franziska Ehricht und Ingolf Seidel liegt auf dem Resümee von Projekttagen und der Arbeit mit jungen Erwachsenen in der historisch-politischen Bildung. Sie konstatieren u.a. ein anhaltendes Fehlen von multiperspektivisch ausgerichteten Lehrmaterialien. 

Jutta Weduwen stellt das Projekt der „Neuköllner Stadtteilmütter“ vor. Sie skizziert die Herausforderungen und Chancen des zivilgesellschaftlichen Projekts.

Vielen Dank an die externen Autorinnen und Autoren, die für dieses Magazin Aufsätze verfasst haben. 

Das nächste LaG-Magazin erscheint am 21. Januar 2012. Der Themenschwerpunkt wird in den Chancen und Aufgaben liegen, die ein „Wandel der Erinnerung- und in der Geschichtskultur“ mit sich bringt,

Ihre LaG-Redaktion.

Beiträge

Zur Diskussion

Birgit Wenzel thematisiert Anforderungen an ein inklusives Geschichtslernen.

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Ayşe Almila Akca beschreibt die Herausforderungen von Heterogenität an Lehrende und Lernende. Im Mittelpunkt ihrer Betrachtung stehen Hinweise für notwenige Prozesse der Selbstreflexion von Lehrkräften.

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Franziska Ehricht und Ingolf Seidel resümieren die Arbeit aus Projekttagen und die Arbeit mit jungen Erwachsenen in heterogenen Gruppen.

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In ihrem Aufsatz stellt Jutta Weduwen das Projekt der "Stadtteilmütter vor und hinterfragt die Ein- und Ausschlussmechanismen einer Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus zugrundeliegen können.

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Uta George beschreibt das Konzept zur Öffnung der Gedenkstätte Hadamar für Menschen mit Lernschwierigkeiten.

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Zur Diskussion

Meike Günther reflektiert die Entstehungsgeschichte des Onlinehandbuches "Inklusion als Menschenrecht".

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