Der Erste Weltkrieg stand gegenüber anderen Themen der spezifisch deutschen Geschichtsschreibung häufig nicht im Zentrum des Interesses. Dies ändert sich mit dem Gedenkjahr anlässlich des Jahres 2014 – vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg. In diesem Zusammenhang finden sich zahlreiche Veröffentlichungen, insbesondere (populär)wissenschaftlicher Art. Der Ausstellungsbetrieb zahlreicher Museen hat sich des Themas ebenfalls angenommen. Da durch Ausstellungen und die darin genutzten (audio)visuellen Elemente ein niedrigschwelliger Zugang ermöglichet werden kann, bieten sich diese als außerschulische Lernorte an.

Deutsches Historisches Museum in Berlin

Vom 29. Mai bis zum 30. November 2014 findet im Deutschen Historischen Museum (DHM) eine Überblicksausstellung zum Ersten Weltkrieg statt. Zwar kann das Prädikat „deutschlandweit einzige“ Überblickausstellung kritisch als Marketingstrategie und Prestigeerhalt hinterfragt werden, doch ist dies etwas den großen Häusern wohl eigenes. In jedem Falle ist zu vermuten, dass sich dort zahlreiche wertvolle und historisch sehr interessante Exponate wiederfinden werden. Das Kriegsgeschehen steht im Fokus der Ausstellung, womit die Herausstellung des Alleinstellungsmerkmals womöglich gerechtfertigt ist. Anhand von Orten des Krieges und der gewaltvollen Eskalation sollen Entwicklungen und Ereignisse nachgezeichnet werden. Ein globaler Blick wird versucht, um eine inhaltlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg zu ermöglichen. Die historischen Auseinandersetzungen im DHM sind häufig geprägt von einer relativierenden Haltung gegenüber deutschen Kriegsverbrechen – siehe hierzu die kritische Intervention „Kolonialismus im Kasten?“ bezüglich der (Nicht)Darstellung von deutscher Kolonialgewalt durch das DHM. Eine entsprechende kritische Haltung beim Besuch der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg könnte hilfreich sein.

Schwules Museum* in Berlin

Eine vom Hauptstadtkulturfonds geförderte Ausstellung setzt sich das Schwule Museum* vom 05.09. bis 30.11.2014 mit dem Ersten Weltkrieg auseinander. In der Ausstellung „Mein Kamerad - Die Diva. Theater an der Front und in Gefangenenlagern des 1. Weltkrieges“ werden Geschlechterbilder und Homosexualität im Zusammenhang von Krieg und Gefangenschaft diskutiert und miteinander in Verbindung gebracht. Insbesondere Travestie-Darstellungen und Damenimitatoren der Zeit spielen in der Ausstellung eine zentrale Rolle.

Bröhan-Museum in Berlin

Das Bröhan-Museum in Berlin Charlottenburg widmet sich dem Jugendstil, dem Art déco und dem Funktionalismus im Zeitraum 1889 bis 1939. Vom 15. Mai bis zum 31. August 2014 widmet sich das Haus in der Schloßstraße dem 100. Jahrestag des Kriegsbeginns 1914 und zeigt eine vom Hauptstadtkulturfonds geförderte Sonderausstellung: „1914 – Das Ende der Belle Époque“. Im Zentrum der Ausstellung steht eine historisch-politische Kontextualisierung der Formensprache der Belle Époque in die Zeit des Ersten Weltkriegs.

Jüdisches Museum in München

Mit der Ausstellung „Krieg! Juden zwischen den Fronten 1914-1918“ gibt das Jüdische Museum in München Einblicke in die Erlebnis- und Erfahrungswelt jüdischer Soldaten und ihrer Familien in den Jahren 1914 bis 1918. In dem Spannungsfeld von einem immer manifester werdenden Antisemitismus in der Gesellschaft und einem stärker werdenden Nationalismus bewegten sich gerade Juden und Jüdinnen der Zeit. Insbesondere anhand von persönlichen historischen Artefakten und Aufzeichnungen wird der Zwiespalt zwischen dem deutschen Patriotismus zahlreicher Juden und dem wachsenden Bewusstsein über die antisemitische Prägung desselben Staates aufgezeigt. Die Ausstellung findet vom 09. Juli 2014 bis zum 22 Februar 2015 statt.

Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart

Einen ungewohnten Blick auf den Ersten Weltkrieg wirft das Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart vom 04. April 2014 bis zum 01. März 2015. In der Ausstellung „'Fastnacht der Hölle' – Der Erste Weltkrieg und die Sinne“ wird auf die Auswirkungen auf und den Zusammenhang zwischen Krieg und Sinneswahrnehmungen eingegangen. Damit wird der Versuch gemacht, den Alltag der Zeit anhand elementarer menschlicher Erfahrungsebenen deutlich zu machen. Der fehlende Geschmack bei Notstand, das tönende Heulen von Sirenen im Gehör, der Geruch, der zur Gefahr werden konnte und Gasmasken erforderte, ist ebenso Teil der Ausstellung wie insbesondere die Kriegsgewalt, die dazu führte, dass Sinnesorgane bleibende Schäden davon trugen.

Informationen

Eine Liste mit zahlreichen Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg in ganz Deutschland findet sich auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung.

Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, www.dhm.de

Schwules Museum, Lützowstraße 73, 10785 Berlin, www.schwulesmuseum.de

Bröhan-Museum, Schloßstraße 1a, 14059 Berlin, www.broehan-museum.de

Jüdisches Museum, Sankt-Jakobs-Platz 16, 80331 München, www.juedisches-museum-muenchen.de

Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Konrad-Adenauer-Straße 16, 70173 Stuttgart, www.hdgbw.de

 

 

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