Online-Modul: Spanischer Bürgerkrieg

5.20 Lucía Sánchez Saornil

Lucia Sanchez SaornilLucía Sánchez Saornil wurde am 13. September 1895 in Madrid in eine Arbeiterfamilie hinein geboren. Bereits in jungen Jahren musste sie den Tod ihrer Mutter und auch ihres Bruders erleben, und sie wuchs gemeinsam mit ihrer Schwester beim Vater auf. 1916 nahm sie in der Telefonzentrale der Casa del Duque de Alba, wo auch ihr Vater beschäftigt war, eine Arbeit auf.

 

 Lucía Sánchez Saornil auf einer Versammlung der Mujeres Libres in Valencia, 1937, abgedruckt in: Ministerio de Cultura (Hrsg.), Kati Horna. Fotografias de la guerra civil española (1937–1938), Salamanca 1992, S. 95.

Gleichzeitig studierte Lucia Sánchez Saornil Malerei an der Academia de Bellas Artes de San Fernando. Ihre ersten Gedichte erschienen in einer anarchistischen Poesiezeitschrift, Los Quijotes, in der auch die ultraistische Avantgarde publizierte, die dem Modernismus der spanischen Dichtung des 19. Jahrhunderts entgegentreten wollte. Sie wählte ein männliches Pseudonym, Luciano de San-Saor, unter dem sie auch erotische Lyrik veröffentlichten konnte. Ihr poetisches Schaffen, das Anerkennung fand, trat Ende der 1920er Jahre zugunsten eines politischen und zunehmend feministischen Engagements zurück. Sie arbeitet als freie Journalistin für anarchistische Zeitungen und als Redaktionssekretärin von CNT Madrid.

1936 wurde Lucía Sánchez Saornil Mitbegründerin der anarchofeministischen Organisation Mujeres Libres. Viele Texte, darunter auch die Hymne der Organisation, erschienen in der gleichnamigen Zeitschrift der Organisation. Ihr Engagement für die Befreiung und Selbstverwirklichung von Frauen schloss auch mit ein, dass Lucia Sánchez Saornil, unter Hinweis auf ihre eigene Homosexualität, offen die Mutterschaft als einziges gottgewolltes Lebensziel in Frage stellte.
Mit Beginn des Bürgerkrieges umfasste ihre literarische Tätigkeit Gedichte, kämpferische Romanzen und revolutionäre Texte für die an der Front Kämpfenden. Ihre Haltung dazu erläuterte sie 1937:

„Ist dies die Stunde, um zu schreiben? Wir wissen es nicht. Man hat uns diese Pflicht zugewiesen, und wir erfüllen sie unerbittlich, die leichte Feder in der Hand, auch, wenn die Hand sich ballen will, um das Gewehr zu greifen, oder die Pistole [...] Wir müssen weiter Worte weben, Worte, die allen sagen, was ihre Pflicht ist, ihre unabdingbare Pflicht, höher als unser persönliches Schicksal, denn sie ist das Schicksal der gesamten Menschheit“. (Übersetzung Martin Baxmeyer)

Als Mitglied des Consejo General de Solidaridad Internacional Antifascista (SIA) reiste sie bis nach Frankreich, um für die Milizen und für Kindertagesstätten Unterstützung zu sammeln. Mit ihrem Umzug nach Valencia 1937 begann sie, zum Teil anonymisiert bzw. unter Pseudonym, eine Redaktionstätigkeit für die anarchistische Zeitschrift Umbral, und sie lernte América Borroso kennen, die ihre Lebensgefährtin wurde und es bis zu ihrem Tod blieb.

Das Paar floh nach Ende des Spanischen Bürgerkrieges zunächst nach Frankreich, bis nach Paris, nach dem Angriff deutscher Truppen in das südfranzösische Montauban. Von dort überquerten sie schließlich 1941/42 illegal die Grenze zurück nach Spanien, obwohl Luísa Sánchez Saornil als Anarchistin und beide auch als Lesben gefährdet waren. Die nationalsozialistische Besatzung oder auch die Krankheit ihres Vaters könnten Gründe für diesen Schritt gewesen sein.

Es sollte bis 1954 dauern, bis ihr Status legalisiert war, ihre politische Karriere konnte sie jedoch ebenso wenig fortsetzen wie ihre literarische. Doch schrieb sie weiterhin Gedichte.

Lucía Sánchez Saornil starb am 2. Juni 1970. Erst im Jahre 1996 erschien erstmals eine Anthologie ihrer Texte.

Literatur

  • Martin Baxmeyer, „Nun ist mir der Mond vor die Füße gefallen“ – Leben und Werk der anarchafeministischen Dichterin und Aktivistin Lucía Sánchez Saornil (1895–1970).

  • „Es sólo un minuto“, in: Lucía Sanchez Saornil, Horas de Revolutión, Barcelona (Publicación de Mujeres Libres) 1937.

  • Lucía Sánchez Saornil, Poesía, hrsg. und eingeleitet von Rosa María Martín Casamitjana, Valencia 1996.

  • Text von Lucía Sánchez Saornil zur Frage des Feminismus (englisch): (17.05.2016).

 

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