Online-Modul: Spanischer Bürgerkrieg

2.1.1 Die spanische Rechte und der Weg zum Putsch

In den Jahren 1923 bis 1930 regierte Miguel Primo de Rivera Spanien diktatorisch. Er war der Vater von José Antonio Primo de Rivera, der wiederum in den 1930er Jahren Führer der spanischen Faschist_innen war. Zwar war Miguel Primo de Rivera kein Faschist, doch bereitete sein Regime den Nährboden für das Entstehen des spanischen Faschismus. Im Zuge des Kolonialkrieges in Marokko (1907 – 1927) hatten sich viele Offiziere politisiert und sahen sich dazu berufen, die Einheit des Landes und das „wahrhafte“ Spanien zu verteidigen. Sie waren durch das katalanische Autonomiestatut von 1932 erbost. Aus den Offizieren der Kolonialarmee rekrutierten sich viele der Putschisten von 1936, darunter Emilio Mola und Francisco Franco. Der Linksrepublikaner Manuel Azaña, Ministerpräsident der ersten republikanischen Regierung ab 1931 und zugleich Kriegsminister, versuchte mit einer Militärreform, das aufgeblähte Offizierskorps ebenso zu reduzieren wie die Truppenstärke des Afrikaheers. Diese Maßnahmen brachte viele Offiziere gegen die Madrider Regierung auf. Im August 1932 putschte General José Sanjurjo erfolglos gegen die Regierung. 

Generell war die spanische Rechte zersplittert. Die wichtigste Partei bildete die katholische CEDA (Confederación Española de Derechas Autónomas = Spanischer Bund Autonomer Rechsparteien). Sie wurde 1933 gegründet und richtete sich gegen Autonomiebestrebungen im Baskenland und Katalonien. Nicht zu unterschätzen ist ebenfalls der Einfluss, den monarchistische Parteien und Gruppen auf die späteren Putschist_innen hatten. Ihre gesellschaftliche Basis bildete die spanische Aristokratie. Insbesondere sind die Carlist_innen zu nennen, die sich seit 1833 auf eine Seitenlinie des Hauses Bourbon beriefen. Sie forderten eine absolutistische, ultraklerikale Monarchie.

José Antonio Primo de Riveras gründete 1933 die faschistische Falange Española (Spanische Phalanx). 1934 fusionierte die Partei mit den nationalen Syndikalisten, den JONS. Sie orientierten sich am italienischen Faschismus Mussolinis. Die Falange verfolgte das Konzept eines autoritären Führerstaates und lehnte Marxismus, Kapitalismus und Republikanismus ab, betonte allerdings das katholische Bewusstsein als wichtigen Bestandteil des „Nationalen Neubaus“. Sie war bis zum Beginn des Bürgerkrieges unbedeutend. Während des Bürgerkrieges kämpften die Falangisten an der Seite General Francos. Im Jahr 1937 vereinigte Franco die verschiedenen Rechtsparteien unter dem Dach der Falange, die nach dem Bürgerkrieg zur alleinigen Staatspartei in der Franco-Diktatur wurde. .

Schon im Dezember 1934 bildete sich der Nationale Block, in dem der Monarchist José Calvo Sotelo mit anderen Republikfeinden zusammenarbeitete. Ende 1935 zerbrach die Regierung aufgrund von Korruptionsskandalen der mitregierenden rechtsrepublikanischen Partei. Die folgenden Wahlen vom 16. Februar 1936 gewann die Volksfront. Zwar wurde der Wahlsieg von der parlamentarischen Opposition anerkannt, jedoch konspirierten Militärs gegen die Republik. Deren Gegenmaßnahmen blieben halbherzig, indem sie Generäle wie Franco oder Manuel Goded auf scheinbar unwichtige Kommandostellen versetzte. Eine Bewaffnung der Gewerkschaften seitens der Regierung, als Reaktion auf die Generäle, unterblieb.

Ein politischer Mord an dem Oppositionsführer der Monarchisten, José Calvo Sotelo, war letztlich der Auslöser für das Losschlagen einiger Generäle um Emilio Mola und Offizieren der mittleren Ebene. Am 17. Juli 1936 erhob sich das Afrikaheer in Melilla gegen die Republik, am Tag darauf brach der Aufstand auf dem Festland los. Großgrundbesitzer, Kon­servative, Rechtsrepublikaner, Monarchisten unterschiedlicher Couleur, Falangisten und die Kirche unterstützten den Putsch.

Die rechten Offiziere hatten nur einen klassischen Militär­putsch geplant und rechneten nicht mit dem massiven Widerstand, der ihnen von den Arbei­terinnen und Arbeitern entgegen­schlug. Diesen gelang es, den Putsch zusammen mit loya­len Einheiten in Teilen des Landes niederzuschlagen, was erst zum Krieg führte.

Die Ergebnisse der Auseinandersetzungen zwischen dem 17. und dem 20. Juli 1936 waren wi­dersprüchlich. Die Aufständischen konnten die nordafrikanischen Gebiete, die meisten Inseln, Galicien sowie große Teile Altkastili­ens und Aragoniens unter ihre Kontrolle bringen. In den nördlichen Gebieten Asturien, Santander und einem Großteil des Baskenlandes, in Kataloni­en, der Levante, Neukastilien, Andalusien und der Extremadura behielten die republiktreuen Kräfte die Oberhand. Auf den Schiffen meuterten die proletarischen Matrosen, weshalb der größte Teil der Flotte in Händen der Republik verblieb. In der Hauptstadt wurden die Ver­schwörer um General Fanjul beim Sturm auf die Montaña-Kaserne besiegt. Allerdings gelang es den Putschisten durch geschicktes Agieren, Zentren der Arbeiterbewegung wie Sevilla, Za­ragoza und Oviedo unter ihre Kontrolle zu bringen.

                          Francisco Franco (1969) Foto: Unbekannt,
                          Quelle: 
Wikipedia

Da die Flotte den Putschisten nicht zur Verfügung stand, steckte eine zahlenmäßig starke Ar­mee in Spanisch-Marokko fest. Die Forschung ist sich einig, dass die Repu­blik den Auf­stand ohne diese Armee auf dem Festland bald hätte niederringen können. Doch Italien und Deutschland organisierten Ende Juli eine Luftbrücke, mit der die Truppen nach Südspanien gebracht wurden. Der noch junge Bürgerkrieg wurde so umge­hend internatio­nalisiert. Die Intervention der fa­schistischen Staaten sollte sich als kriegsentscheidend erweisen. Die Franquist_innen führten den Krieg mit dem Ziel, die politischen Gegner_innen zu vernichten. Dies beinhaltete deren Ermordung. So trieben Mitte August 1936 Soldaten mehrere tausend Linke in der Stierkampfarena von Badajoz zusammen und erschossen sie. Der Befehlshaber bei diesem Massaker war General Juan Yagüe. Auch Misshandlungen, Morde und Vergewaltigungen waren gängige Praxis.

Der Text basiert auf dem Kapitel Militärputsch, faschistische Vernichtungskampagne und Verteidigung Madrids (Juli 1936-November 1936) in: Alexandre Froidevaux, Gegengeschichte oder Versöhnung. Erinnerungskulturen und Geschichte der spanischen Arbeiterbewegung vom Bürgerkrieg bis zur Transición (1936-1982), Heidelberg, 2015, S. 90f.

Literatur:

 

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