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Politische Bildung, Demokratie und sogenannte politikferne Jugendliche

Johannes Melchert, Politikwissenschaftler, arbeitet seit April 2011 am Göttinger Institut für Demokratieforschung, Georg-August-Universität Göttingen. Seine Hauptthemen sind: Demokratietheorie, wie können Kinder an der Demokratie beteiligt werden und wie sich Demokratie auf lokaler Ebene zeigt.

Das Interview wurde im Rahmen des LaG-Magazins "Politische Bildung mit poltikfernen und bildungsbenachteiligten Jugendlichen" erstellt. Das LaG-Magazin ist in Kooperation mit dem Netzwerk Verstärker der Bundeszentrale für politische Bildung entstanden. Das Gespräch wurde per Telefon geführt. Für die daraus resultierende schlechtere Audioqualität möchten wir uns entschuldigen. Alle Audioclips stehen zu Beginn der Seite zum Download bereit.

Von Birgit Marzinka

Definition „politikferne“ Jugendliche

Politikferne Jugendliche werden gerne in einem Atemzug genannt mit den bildungsfernen Jugendlichen. Empirische Studien zeigen, dass es einen gewissen Zusammenhang gibt. Politikferne Jugendliche interessieren sich im Vergleich mit anderen weniger für politische Themen.

Bedeutung für die Bildungsarbeit

Allgemein ist eine Parteienverdrossenheit zu sehen und „politikferne“ Jugendliche stehen Parteien noch distanzierter als andere Jugendliche. Sie können sich aber trotzdem für politische Themen wie Gerechtigkeitsfragen interessieren. Dies bedeutet, dass in der Bildungsarbeit diese Interessensfragen stärker in den Vordergrund gerückt werden müssen.

Bedeutung für die Politik

Wenn Politik bzw. Demokratie den Anspruch hat, die gesamte Gesellschaft einzubinden, bedeutet dies, dass sich diese an „politikferne“ Jugendliche annähern müssen.

Vorstellung des Göttinger Instituts für Demokratieforschung

Das Institut forscht zum über Demokratie auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene und hat den Anspruch die Ergebnisse der Allgemeinheit zu erklären. Hierfür schreiben sie regelmäßig in einem eigenen Weblog. In der Bildungsarbeit arbeiten die Mitarbeiter/innen u.a. mit Kindern.

Projekt „Kinderdemokratie“

Mit Grundschulkindern führen Mitarbeiter/innen des Instituts ein Planspiel durch, in dem sie einen politischen Prozess simulieren. Mit diesem Planspiel untersuchen sie auch, was für ein Demokratieverständnis Kinder haben.

Erfahrungen mit dem Projekt Kinderdemokratie

Die Kinder gehen zumeist mit sehr viel Herzblut an das Spiel heran und streiten für ihre Positionen.

Kritikpunkte an Partizipation

Es gibt zwei große Richtungen in der Kritik an Partizipation: bürgerschaftliche Partizipation setzt sehr viele Ressourcen voraus, auf die bildungsferne Menschen weniger zugreifen können, als Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss. Dadurch entsteht ein Gefälle in der Verteidigung der eigenen Interessen. Der zweite Kritikpunkt ist, dass im Jugendbereich gerne Partizipation gespielt, sie aber kaum konkret gefüllt wird.

Wie müsste ein Partizipationsprojekt aussehen

Bei einem Partizipationsprojekt mit Jugendlichen müssten reale Möglichkeiten geschaffen werden, damit zumindest ein Teil der Forderungen der Jugendlichen umgesetzt werden können. D.h. es müssten hierfür auch Gelder bzw. Ressourcen zur Verfügung stehen.

Projekt mit „politikfernen“Jugendlichen

Alle Punkte, die für politisch interessierte Jugendliche sind im Prinzip auch für „politikferne“ Jugendliche wichtig. Die Themenwahl sollte sich stärker an den unmittelbaren Interessen der Jugendlichen orientieren.

Präsentation der Weiterbildung Ombud

Die Weiterbildung Ombud hat zum Ziel, dass die Bildungsarbeit mit „politikfernen“ Jugendlichen gefördert wird und mit seinen Besonderheiten stärker in den Fokus gerückt wird. Ein wichtiger Aspekt der Weiterbildung ist die Reflexion der eigenen Haltung der Teamer/innen gegenüber der Zielgruppe.

 

 

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