Oral History und Zeitzeugnisse in der Bildungsarbeit

Liebe Leserinnen und Leser,

das LaG-Magazin widmet sich in der vorliegenden Ausgabe der Oral History und dem Einsatz der Methode im historisch-politischen Lernen. Für die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus gilt es, sich dem „Ende des Zeitalters der Zeugenschaft“ zu stellen und –damit einhergehend – zeitgemäße Konzepte für die schulische und außerschulische Bildung zu erarbeiten. Es liegt auf der Hand, dass die Arbeit mit literarischen oder künstlerischen Zeugnissen andere didaktische Fragen aufwirft als das Gespräch mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Dasselbe gilt auch für videografierte und andere digital gespeicherte Zeugnisse, die ebenfalls veränderter didaktisch-methodischer Herangehensweisen bedürfen.

Mit der Seminarreihe „Entdecken und Verstehen“ hat die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ hierzu bereits einen wichtigen Weg bereitet. Die Seminarreihe wird am 6. und 7. Mai diesen Jahres anlässlich der Ausstellung "Der Prozess - Adolf Eichmann vor Gericht" mit einer Veranstaltung zu "Quellen aus NS-Prozessen" fortgesetzt. Das Seminar wird in Verbindung mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der Stiftung Topographie des Terrors und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz durchgeführt. Der genaue Programmablauf wird demnächst veröffentlicht.

Wir möchten uns bei den Autorinnen und Autoren bedanken, die uns für diese Ausgabe ihre Beiträge zur Verfügung gestellt haben.

Birgit Wenzel diskutiert in ihrem Essay die Chancen, aber auch die Probleme persönlicher erzählter Geschichte. Darüber hinaus formuliert sie praxisnahe Hinweise für Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen , die nicht nur in Bezug auf das Lernen zum Nationalsozialismus Gültigkeit beanspruchen können.

Sonja Niehaus weist in ihrem Text auf mögliche intergenerationelle Verstrickungen mit der Geschichte hin und beschreibt die Arbeit mit Zeitzeugnissen als Möglichkeit, gegen Erinnerungsabwehr zu arbeiten.

Jens Birkmeyer skizziert didaktische Überlegungen zum Einsatz literarischer Zeugnisse im Schulunterricht und plädiert dafür, dieser Textgattung auch als Literatur Geltung zu verschaffen.

Daniel Baranowski, Lennart Bohne und Daniel Hübner beschreiben die Reaktionen von Besucher/inne/n auf das öffentliche Videoarchiv am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Dorothee Wein schreibt über das Projekt „Zeugen der Shoah“ mit lebensgeschichtlichen Video-Interviews für den Schul- und Projektunterricht.

Werner Imhof stellt mit „Geschichte verbindet“ ein ambitioniertes deutsch-tschechisches Zeitzeugen-Projekt der Brücke/Most-Stiftung vor.

Ein Hinweis in eigener Sache

„Lernen aus der Geschichte“ hat Online-Module zur jüdischen Zeitgeschichte unter dem Titel „Jüdisches Leben nach 1945“ konzipiert. Die Module sind für den Einsatz in Projekten der schulischen und außerschulischen historisch-politischen Bildungsarbeit geeignet. Sie finden sie im Bereich „Online lernen“ auf unserem Portal. Zum Einsatz der Module bieten wir zukünftig Weiterbildungen für Lehrkräfte und Pädago/inne/n der außerschulischen Bildung an. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an die Redaktion.

Für diese Ausgabe wünschen wir Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

Die nächste Ausgabe des LaG-Magazin zu „Geschichte im Geschichtsbuch“ erscheint am 16. März.

Ihre LaG-Redaktion

 

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