Zur Vertiefung

Seid ihr stolz, deutsch zu sein?

Ergebnisse einer Forsa-Umfrage in der Jugendzeitschrift Spiesser

SPIESSER Spezial: „Seid ihr stolz, deutsch zu sein?“, Herausgeber: SPIESSER – die Jugendzeitschrift, im Auftrag von Medienkulturhaus e.V., Dresden, Februar 2008.

Die Jugendzeitschrift SPIESSER und die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ veröffentlichten im Februar 2008 eine Beilage mit dem Titel „Bist Du stolz, deutsch zu sein?". Damit sollen junge Leserinnen und Leser zu differenziertem Nachdenken über Identität und Verantwortung angeregt werden. Die jungen Macher der Beilage bekunden offen ihr Bedürfnis, eine positive Einstellung zu diesem Land haben zu wollen.

Eine von der Stiftung in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage bestätigt die Botschaft der Blattmacher: Eine große Mehrheit der Jugendlichen ist „stolz darauf, deutsch zu sein“. So äußern 86 Prozent der 14-18-jährigen, dass sie „etwas“ oder sogar „sehr stolz“ darauf sind, deutsch zu sein.

Auf die Frage nach den Gründen für diesen Stolz fällt es 25 Prozent der Befragten schwer, konkrete Dinge zu benennen. Es scheint eher ein „Grundgefühl“ zu sein, – so die Autorinnen und Autoren der Studie - ein gefühltes Bedürfnis der befragten Jugendlichen, den Stolz auf ihr „Deutsch-Sein“ zu bekunden. Die für die Beilage porträtierten Jugendlichen benennen konkrete Gründe: das System der sozialen Sicherung, Pünktlichkeit, Deutschlands Rolle in der Welt oder die stabile Demokratie.

Als Ursache für ihre positive Einstellung führen in der FORSA-Umfrage 14 Prozent der Jugendlichen als Hauptgrund an, „Deutschland ist ein schönes/ tolles Land“. Mit 13 Prozent der Nennungen folgt der Verweis auf die wirtschaftliche Stärke, Erfolg und den Reichtum des Landes. 12 Prozent der befragten Jugendlichen antworten, sie seien „weniger“ oder „überhaupt nicht“ stolz darauf, deutsch zu sein. Jedem Vierten von ihnen ist die Nationalität egal.

Dass die Frage des Stolzes von wenigen Befragten mit der Abwertung anderer assoziiert wird, zeigt sich, wenn 28% äußern, alle Menschen seien gleich, und deshalb sei die Nationalität egal bzw. der Stolz auf diese abzulehnen.

18 Prozent, die nicht stolz sind, begründen ihre Ablehnung mit der deutschen Geschichte - dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Diesen Zusammenhang greift der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, Dr. Martin Salm auf.

Mit der Förderung dieser Beilage will die Stiftung zu einem differenzierten Nachdenken anregen. „Wir wollen die heikle Diskussion, ob man stolz darauf sein kann und darf, deutsch zu sein, nicht denen überlassen, die so tun, als sei die Antwort einfach mit „ja“ zu beantworten. Wer sich darüber Gedanken macht, muss sich mit der deutschen Vergangenheit beschäftigen.“ Wie viele Jugendliche diese Überzeugung teilen, bleibt vorerst offen.

Nachdenklich stimmt, dass vielen Jugendlichen das Thema „Nationalsozialismus“ zum Halse raushängt, so die kürzlich veröffentlichte Studie [node:7311] von Barbara Schäuble und Albert Scherr. Dies kann mit der pädagogischen Vermittlung des Themas verbunden sein. Über ihren Anteil am Unbehagen der Jugendlichen ist erst jüngst anlässlich der Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München wieder diskutiert worden.

Andererseits ist die Forderung nach einem Ende der Diskussion um den Nationalsozialismus Ausdruck der Abwehr der Auseinandersetzung mit Schuld, Verantwortung sowie dem Umgang mit der Erinnerung an die deutschen Verbrechen und deren Opfer. Diese Abwehr zeigt sich immer mehr bei den Jugendlichen, und sie ist Teil der öffentlichen politischen Debatten seit Gründung der Bundesrepublik.

Die persönliche Erarbeitung einer schwierigen Geschichte, die Auseinandersetzung mit der Frage nach Verantwortung, die Erinnerung an den Holocaust sowie die Entwicklung von Empathiefähigkeit und eigener moralischer Urteilskraft ist anstrengend. Ob diese Anstrengungen im Ergebnis einen Stolz auf Deutschland unmöglich machen oder Jugendliche, die sich mit der Geschichte beschäftigen, die Frage von Stolz und Geschichte entkoppeln - das müsste man sie selbst fragen.

Hier liegt die Nutzungsmöglichkeit der Publikation für die pädagogische Arbeit. Sie kann ein Impuls sein, sich in der Klasse mit „Stolz“ und nationaler Identität auseinander zu setzen. Interessant ist dabei wahrscheinlich vor allem zu diskutieren, welche Gründe für „Stolz auf Deutschland“ gefunden werden, oder auch die Frage, warum wir persönlich oder andere eigentlich stolz auf Deutschland sein wollen? Somit kann sich die Diskussion durchaus Erkenntnis erweiternd dahin entwickeln, die Rolle von Patriotismus und Nationalismus in Geschichte und Gegenwart zu analysieren.

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SPIESSER – Die Jugendzeitschrift, Redaktion
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