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Vorwort zum LaG-Magazin "Jüdische Museen international"

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Beitrags-Autor: Ingolf Seidel

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Die Politologin und Osteuropahistorikerin Dr. Andrea Despot ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

Von Andrea Despot

Das Verständnis von Museen als Orten der Wissensbewahrung- und vermittlung ist im intensiven Wandel begriffen. Museen sehen sich zunehmend auch als Orte der Begegnung und gesellschaftlichen, auch politischen, Aushandlung, in denen Resonanzräume für unterschiedliche Gruppen und Akteure entstehen. Gleichzeitig birgt der Prozess der Digitalisierung enorme Potentiale und Chancen für einen ortsunabhängigen Zugang zu ihren Artefakten und Beständen. Dies führt dazu, dass Museen ihr Wirken und ihr Selbstverständnis neu vermessen. Durch die aktuellen – zum Teil kontrovers geführten - Debatten zur Restitution von Kulturgütern durch europäische und nordamerikanische Museen oder über die Richtung gesellschaftlicher Entwicklungen erhalten Museen wichtige Impulse zu Themen wie Repräsentation, Vielfalt von Perspektiven, internationaler Austausch und Beteiligung – von Zeitzeug*innen, jungen Menschen und diversen Communities.

In diesen Debatten kommt Jüdischen Museen eine zentrale Rolle zu. Dies gilt international, wie auch in Deutschland. Die Diskussion um das Jüdische Museum Berlin in 2019, die  zu personellen Konsequenzen führte, illustrierte dies in besonderer Weise.

Wie sollten sich Jüdische Museen ausrichten? Welchen Fokus können und sollen diese Museen haben - (eine) jüdische Innenperspektive(n), oder eine Außenansicht auf das Judentum? Welche Bedeutung kommt Jüdischen Museen zu, in Gesellschaften, die einen besorgniserregenden Zuwachs des Antisemitismus verzeichnen? Welche Haltung sollten sie einnehmen in politisch hoch umstrittenen Debatten, wie etwa dem Nahost-Konflikt, und wer legt dies fest? 

Diesen und weiteren Fragen gehen die Beiträge im vorliegenden Band zum „Selbstverständnis Jüdischer Museen in Europa“ nach. Für die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) ist es ein Anliegen, die fachliche und plurale Auseinandersetzung mit diesen Fragen zu fördern – aus der Perspektive der Museen und Fachexpert*innen selbst. Jüdische Museen als zentrale Akteure der historisch-politischen Bildung und tragende Säulen der Erinnerungskultur(en) sind für uns wichtige Partner, mit denen wir Bildungsprojekte zur Jüdischen Geschichte und Judentum heute, sowie zu historischen und gegenwärtigen Formen des Antisemitismus durchführen. Mit dieser Publikation möchte die Stiftung EVZ einen Beitrag zu den gegenwärtigen Debattenleisten und die vorhandene Stimmenvielfalt in der Museumslandschaft hörbar machen.

 

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