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"Du bist anders?" – Historisches Lernen mit Methoden des Web 2.0

Von Constanze Jaiser

Die Online-Ausstellung "Du bist anders?" – Eine Online-Ausstellung über Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus ist eine Webseite der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Sie versucht historisches Lernen über den Nationalsozialismus interaktiv und mit Methoden des Web 2.0 mit Fragen der Menschenrechtsbildung heute zu verknüpfen.
33 Jugendliche und Kinder aus ganz Europa werden porträtiert, die in der Zeit des Nationalsozialismus als "anders" ausgegrenzt und verfolgt wurden.

"Du bist anders!" ein vernichtendes Urteil der Nationalsozialisten

"Du bist anders!" war ein Urteil, das die Nationalsozialisten willkürlich über Millionen Menschen fällten. Ein Urteil, das lebensgefährliche Folgen hatte. Vorurteile, Verrat, Verbote und Gehässigkeiten, Krieg und Konzentrationslager prägten mit einem Schlag das Leben der als "anders" Verfolgten. Sie waren gezwungen, mit dieser Ausgrenzung "Du bist anders!", "Du gehörst nicht dazu!" umzugehen.
Die Kinder und Jugendlichen, die auf dieser Seite vorgestellt werden, waren dieser veränderten Situation schonungslos ausgeliefert. Innerhalb kürzester Zeit durften sie nicht mehr zur Schule gehen oder wurden von ihren Klassenkameraden gehänselt. Von den eigenen Nachbarn oder Freunden wurden sie plötzlich ausgegrenzt oder sogar verraten. Manche durften ihre eigene Muttersprache nicht benutzen, andere sich nicht aussuchen, in wen sie sich verliebten.
Und all das, weil sie zum Beispiel mit einer anderen Religion als die Mehrheit aufgewachsen waren, weil sie eine Behinderung hatten oder weil ihre Familie einfach nicht als "deutsch" galt.

"Bist du anders?"

Aber was waren das für Jugendliche, wie waren Sima, Gert, Sophie, Ursula oder Vitka? Was war ihnen wichtig? Wie lebten sie? Auch sie hatten doch Träume, Ängste, Wünsche und Überzeugungen. Was geschah mit ihnen, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen oder später, als der Krieg ausbrach? Und vor allem: Haben sie dem Terror und der Gewalt etwas entgegen gesetzt? Konnten sie sich selbst behaupten? Haben sie überlebt?

In dieser Online-Ausstellung "du bist anders?" kann nach Antworten auf diese und auf eigene Fragen gesucht werden. Über fünf Spots, die auf das Leben dieser Jugendlichen geworfen werden, kann man sich einen Einblick in ihre Geschichte verschaffen.

Ausgrenzung und Diskriminierung als aktuelle Fragen an die Geschichte(n)

Das "Anderssein" oder "anders gemacht werden" begleitet alle Lebensgeschichten. Spielt die Frage "du bist anders?" auch im heutigen Leben Jugendlicher eine Rolle? Wer fühlt sich selbst auch anders? Anders als die Freundin? Anders als man sich selber wünscht zu sein? Anders als andere einen haben wollen?

In der Rubrik "Zeigen was ich denke" ("Mitmachen") ist nicht nur Platz für Kommentare zu den Lebensgeschichten der präsentierten Jugendlichen, sondern auch für die eigenen Erfahrungen und Gedanken zum Thema "Anderssein". Hierfür kann man sich ganz einfach ein eigenes Profil einrichten (auch über den Facebook-Account), erhält einen Zugang zu Referatsfunktion und zur Möglichkeit, Bilder und Dokumente auf der Seite zu sammeln, die dann für ein Referat zur Verfügung stehen. Die Referate können bearbeitet und geteilt oder als PDF ausgedruckt werden.

Vielfalt zeigen

Vor allem aber können persönliche Statements hinterlassen werden, heutige Beispiele von Zivilcourage, die zur Biografie eines der Porträtierten passen, aber auch Projektergebnisse aus internationalen Jugendbegegnungen, in Form von Bildcollagen, Audio- und Videoclips, Digital Storytelling, Graffities u.a.m. Alle Kommentare und Beiträge erscheinen als begleitende Galerie auf den Biographieseiten, vor allem aber auch auf der Startseite, der "Sternengalaxie" aus bunten Pixeln, die aus dem All in unsere Welt hineinzuschweben scheinen.

Am Ende entsteht eine zweite, gegenwartsbezogene Ebene, oder, um im Bild zu bleiben: eine zweite Galaxie mit "Trabanten", die um die jeweilige Fünfer-Gruppe von Symbolbildern und Einstiegssätzen zur historischen Biographie angeordnet sind und die heutige Welt Jugendlicher, ihre Gedanken, Meinungen und Gefühle widerspiegeln.

Einige Biographien gibt es bereits in englischer Sprache. Noch sind sie unveröffentlicht. Es wäre wichtig, dass diese Webseite auch in anderen Sprachen zugänglich gemacht wird, da sie ein sehr brauchbares, schön gestaltetes Arbeitsmittel zu den genannten Themenfeldern ist und sich zum Beispiel ausgezeichnet für die Partnerarbeit in der historisch-politischen Bildungsarbeit eignet.

Kontakt:

Dr. Barbara Köster
Tel. +49(0)30 – 26 39 43 – 36
Fax +49(0)30 – 26 39 43 – 21
E-Mail: besucherservice[at]stiftung-denkmal.de
 

 

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