Empfehlung Film

Die Nationale Front – Neonazis in der DDR

Von David Zolldan

Der Angriff auf ein alternatives Konzert in der Ost-Berliner Zionskirche im Jahr 1987 gilt längst als Symbol für neonazistische Strukturen in der ehemaligen DDR. Die Dokumentation im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg aus dem Jahr 2007, in der auch Bernd Wagner als Experte auftritt (siehe dessen Beitrag in dieser Ausgabe), thematisiert diesen ausführlich. Vor allem am Konzert als Organisator/innen, Besucher/innen oder als Angreifende beteiligte Personen leiten neben dem angestrengt wirkenden Sprecher als Zeitzeug/innen durch die Dokumentation und werden durch zeitgenössisches Filmmaterial begleitet. 

In dieser Fokussierung liegt jedoch auch die Gefahr eines zeitlich-verengenden Blicks auf rassistische Ereignisse in der DDR. Beispiele aus den Jahrzehnten vor den 1980er Jahren werden nicht weiter beleuchtet, sondern einzig mit einem kurzen Exkurs zu Umgang und Kultur gegenüber so genannten Vertragsarbeiter/innen behandelt; diese habe „Monokulturalität“ und Alltagsrassismus befördert.

Auch wenn der Zeitzeuge Michael Horschig von „ständigen“ Angriffen auf Punks und alternative Jugendliche durch (rechte) Skinheads spricht, kann die Dokumentation abhängig vom Rezipienten einen entschuldigenden Ton gegenüber Denk- und Handlungsmustern der rassistischen und neonazistischen Täterinnen in der DDR vermitteln. Die untertönig als rein dissident vom politischen System der DDR dargestellten Akteur/innen scheinen mehrmals einer politischen Motivation enthoben. Die Produktion widmet sich daneben rassistischen und neonazistischen Äußerungen und Strukturen in der Fußball-Fankultur der DDR.

Ähnlich der populären These, der streng ritualisierte und instrumentalisierte Antifaschismus-Begriff in der DDR sei Schuld an rassistischen, antisemitischen und neonazistischen Ereignissen und Einstellungsmustern gewesen, wird auch der These Platz eingeräumt, der (antisemitische) Antizionismus im Alltag vieler DDR-Bürger/innen sei nicht unbedingt ein ideologischer Ausdruck, sondern vielmehr ein Gefühl „aus dem Bauch“ heraus gewesen. Thematisiert wird dazu die Entschuldigung für rassistische Ereignisse von Seiten der DDR-Offiziellen, der „westliche Einfluss“ sei für eben jene verantwortlich zu machen. 

Fazit

Abhängig vom zielgruppenorientierten Einsatz der rund 50-minütigen Dokumentation können die Äußerungen der als Zeitzeugen auftretenden Angreifer als Selbstentschuldigung, Legitimation und Entpolitisierung der Taten gelesen werden, weswegen eine Kommentierung der Äußerungen an einigen Stellen wünschenswert und notwendig gewesen wäre. „Die Nationale Front – Neonazis in der DDR“ kann jedoch bei entsprechender pädagogischer Vor- und Nachbereitung als sinnvolle Unterstützung für den Unterricht oder die außerschulische Bildungsarbeit verwendet werden und stellt eines der wenigen hilfreichen Filmmaterialien zum Thema dar.

Die Dokumentation kann kostenlos auf den Videoportalen youtube und vimeo angeschaut beziehungsweise heruntergeladen werden.

 

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