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Der P.E.N.- Club in der DDR

Von Anne Lepper

Der P.E.N.-Club, eine weltweite Vereinigung von Poet/innen, Essayist/innen und Novellist/innen, stellt seit seiner Gründung in London 1921 eine der wichtigsten Schriftstellervereinigungen der Welt dar. Ziel der Gründerin Catherine Amy Dawson Scott war es, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs durch eine internationale Gemeinschaft den Frieden und die Völkerverständigung zu fördern. Mit Blick auf die vielerorts vorherrschende Verfolgung, Unterdrückung und Zensur von Autor/innen, sollte der Verband auch die Aufgabe übernehmen, für eine weltweite Meinungsfreiheit zu kämpfen und gefährdete Schriftsteller/innen zu unterstützen. Dennoch wurde vom Präsidium des International P.E.N. propagiert, die Politik aus dem Verband und seinen Tätigkeiten auszuklammern. In Anbetracht dessen ist es umso interessanter, den Blick auf die deutsche Geschichte des Verbandes zu lenken.

Der deutsche P.E.N.-Club während der Zeit des Nationalsozialismus

Bereits seit 1923 existierte eine deutsche P.E.N.-Sektion. Nachdem sich diese bereits kurze Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten dem nationalen politischen Konsens freimütig untergeordnet hatte, wurden jüdische und oppositionelle Mitglieder systematisch aus dem Verband ausgeschlossen. Wenig später verließ die deutsche Sektion den internationalen Verband, als Nachfolgeorganisation wurde die „Union Nationaler Schriftsteller“ gegründet. Parallel zu diesen Entwicklungen gründete sich allerdings eine neue deutsche P.E.N.-Sektion, nämlich die der deutschen Schriftsteller/innen im Exil, deren erster Präsident Heinrich Mann wurde.

Die Nachkriegsgeschichte des deutschen P.E.N.-Clubs

Dorothée Bores setzt in ihrem Text bei der Wiedergründung der zunächst gesamtdeutschen P.E.N.-Sektion im Jahre 1948 in Göttingen ein. Diese stellte in den ersten Jahren eine der wenigen gesamtdeutschen Organisationen dar, war jedoch von Beginn an durch die politischen Konflikte der beiden deutschen Staaten geprägt und gleichermaßen belastet. Trotz des Grundsatzes „No politics at all“ verfingen sich die Mitglieder in unauflösbaren Auseinandersetzungen um eine Ausrichtung des Verbandes, was im Jahr 1051 schließlich zu einer Abspaltung mehrerer bundesdeutscher Mitglieder und der Neugründung eines rein bundesdeutschen P.E.N.- Zweigs führte. Fortan existierten also zwei deutsche Sektionen, die auf der Internationalen P.E.N.- Konferenz in Dublin 1953 die Bezeichnungen Deutsches P.E.N.-Zentrum (Bundesrepublik) und Deutsches P.E.N.-Zentrum Ost und West
(Sitz München) erhielten. Wenngleich sich das Zentrum in München zwar weiterhin als Repräsentant der Schriftsteller/innen beider Staaten verstand, verschob sich das interne politische Gewicht schon bald mehr und mehr in Richtung DDR. In den ersten Jahren wirkte noch Bertold Brecht als prominenter Präsident und Brücke zwischen den Mitgliedern aus Ost und West. Spätestens seit der Eröffnung eines Büros in Ostberlin und personeller Veränderungen wurde die Sektion Mitte der 1950er Jahre jedoch mehr und mehr zu einer DDR-Organisation. 1967 wurde der Kurswechsel schließlich auch durch die Umbenennung in P.E.N.- Zentrum DDR öffentlich manifestiert. In den folgenden Jahrzehnten unterhielt das Zentrum hervorragende Beziehung zu staatlichen Organisationen der DDR, was dem Verband starke Kritik von Seiten des bundesdeutschen Zweigs einbrachte und zu langwierigen Auseinandersetzungen im Vorfeld einer Wiedervereinigung nach 1989 führte. Inwiefern die Mitglieder überhaupt die Möglichkeit hatten, sich der staatlichen Kooperation und Kontrolle zu entziehen, versucht die Autorin ansatzweise zu untersuchen, kommt dabei jedoch zu dem klaren Schluss, diese Möglichkeiten seien nicht ausreichend genutzt worden. So wurden wichtige Themen wie der Mauerbau, die Ausbürgerung Biermanns, die allgegenwärtige Zensur und die Verfolgung von Schriftsteller/innen weder intern noch öffentlich durch den Verband thematisiert, was Bores als Beleg für dessen Linientreue versteht.
Erst 1989, als sich die politischen Umstürze bereits abzeichneten, wagten einige P.E.N.-Mitglieder öffentliche politische Äußerungen – was in Anbetracht der Tatsache, dass auch der P.E.N. durchsetzt war von inoffiziellen Mitarbeitern der Staatssicherheit nicht verwunderlich erscheint.

Fazit

Die Autorin bietet in ihrer Arbeit eine überblicksartige Einführung in die Geschichte des P.E.N. in der DDR, die an einigen Stellen jedoch leider etwas zu wenig ausführlich und einseitig wirkt. Trotzdem eignet sich der Text gut, um in die Thematik einzuführen und sich mit der Problematik der Zensur in politischen Systemen auseinander zu setzen. Es empfiehlt sich allerdings, für eine Implementierung in den Unterricht weiterführende Literatur – beispielsweise zum Internationalen P.E.N. – hinzuzuziehen. 

Der Text kann auf der Webseite der Bundesstiftung Aufarbeitung heruntergeladen werden.

 

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