Projekt

Morphing History. Geschichte begegnen – Zeit gestalten.

Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft setzte sich in dem Projekt „Morphing History“ das Ziel, Schülerinnen und Schülern aus Polen, Tschechien und Deutschland einen Zugang zur nationalsozialistischen Geschichte über die künstlerische Beschäftigung zu ermöglichen.

Über die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft ist eine Stiftung im Verbund der Montag Stiftungen. Ein Schwerpunkt der Stiftungsarbeit ist die Unterstützung und Bündelung von Initiativen in Bildung und Erziehung, die sich einer inklusiven Pädagogik verpflichtet fühlen. Die Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, Vielfalt und Teilhabe als Grundlagen der gesellschaftlichen Gemeinschaft zu etablieren. Neben inklusiven Bildungsprojekten für Lernende bietet sie auch Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrende zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen im kreativen und pädagogischen Bereich.

Das Projekt „Morphing History“

Im Rahmen des hier vorgestellten Projektes „Morphing History“ haben sich Schülerinnen und Schüler aus Polen, Tschechien und Deutschland auf dem Wege künstlerischer Ausdrucksformen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandergesetzt. Die Projektleiterin Kerstin Huven identifiziert als Ziel, ein „ganzheitliches Verstehen von Abschnitten europäischer Geschichte [zu] ermöglichen, indem Jugendliche das Damals mit dem Heute über ästhetische Herangehensweisen verweben“. Geschichte wird dabei als ein lebendiger, vielschichtiger Prozess verstanden, von dem man sich ein eigenes Bild machen und diesen mit eigenen Lebenswelten abgleichen kann.

Kunst sollte dabei als Schlüssel dienen um Geschehenes verstehbar zu machen und eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schaffen. Die internationale Ausrichtung des Projektes sollte die Vielschichtigkeit von Erinnerungsformen, Zugängen und Methoden deutlich machen und dazu beitragen, unterschiedliche Sichtweisen zu verstehen und Verbindendes im Sinne einer europäischen Erinnerungskultur zu suchen.  

Die drei Teilprojekte

Über 80 Jugendliche aus verschiedenen Schulformen und unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, Pädagoginnen und Pädagogen, Künstlerinnen und Künstler haben sich in drei Teilprojekten über dreieinhalb Jahre hinweg mit der Frage beschäftigt, wie ein Miteinander von Pädagogik und Kunst die Beschäftigung mit Geschichte und die Verbindung zur Gegenwart ermöglichen kann. Die Teilnehmenden waren zwischen 14 und 18 Jahren alt und kamen aus einem Gymnasium in Opole, einer Mittelschule und einem Gymnasium in Liberec, einer Hauptschule in Berlin und einem Gymnasium in Köln.

Das erste Projekt war ein Theaterprojekt unter dem Titel „Dreiländertheater“. Die Frage nach der eigenen Heimat sowie das Sammeln von Familiengeschichten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges waren Ausgangspunkt für die Entstehung eines so genannten autobiographischen Theaters, das individuelles Erleben und emotionale Wahrnehmungen in den Mittelpunkt stellt.

In dem zweiten Teilprojekt „Friedenssteine“ haben die Schülerinnen und Schüler in ihren jeweiligen Heimatorten Werke aus Stein erstellt. Inhaltlicher Hintergrund war die Suche nach Symbolen für die Geschichte der tschechischen Gemeinden Lidice und Ležáky, die im Juni 1942 von Nationalsozialisten vernichtet wurden. Die gewählten Zeichen wurden dann in Sandstein umgesetzt.

Im dritten Projekt hat eine Künstlerin zusammen mit Kölner Schülerinnen und Schülern einen Baumkreis aus 20 jungen Buchen gepflanzt, der an die Schicksale ermordeter Kinder der nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen erinnert. Die Lernenden hatten sich zuvor im Unterricht mit dem inhaltlichen Hintergrund beschäftigt. Der „Garten der Zukunft“ wurde nach einer gemeinsamen Suche nach einem geeigneten Ort in Nähe der Schule in einem öffentlichen Park angelegt.

Die Dokumentation

Eine umfangreiche gedruckte Publikation dokumentiert das Gesamtprojekt, stellt die Anfangsreflexionen zur Verbindung von Geschichte, Pädagogik und Kunst dar und verdeutlicht Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen der Einzelprojekte. Jedes der drei Projekte ist umfangreich dokumentiert, grafisch ansprechend verbunden entstand so eine Collage aus Projektbericht, Zitaten der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, Fotodokumentation und Ergebnisprotokoll. Die Broschüre bietet somit zahlreiche Anregungen zur Reflexion über künstlerische Beschäftigungen mit nationalsozialistischer Geschichte in einem europäischen Rahmen.

Die dreisprachige Broschüre kann auf der Homepage der Stiftung heruntergeladen oder als Druckexemplar bestellt werden.

Weitere Projekte

Einen ähnlichen Ansatz der Verbindung von Kunst und Geschichte in der Bildungsarbeit verfolgt das Team von Cojc. Im Sinne des Kunstwortes Čojč als Verbindung von Tschechisch (Česky = Č) und Deutsch (eutsch = OJČ) realisiert das Netzwerk von Initiativen aus dem böhmisch-bayerischen Grenzland Projekte verschiedenen Inhalts mit Jugendlichen zwischen 15 und 23 Jahren. Die Projekte verfolgen jeweils den Schwerpunkt Sprache oder Geschichte und sollen die Begegnung mit dem Nachbarn über künstlerische Arbeit ermöglichen.

 

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