Magazin vom 28. Juni 2017 (06/17)

Widerstand gegen den NS-Staat und deutsche Besatzung

Liebe Leserinnen und Leser, 

wir begrüßen Sie zur letzten Ausgabe des LaG-Magazins vor der Sommerpause. Wir beschäftigen uns dieses Mal mit dem Thema „Widerstand gegen den Nationalsozialismus und deutsche Besatzung“. Dies geschieht ausgesprochen ausschnitthaft angesichts der vielfältigen Formen von Widerstand und Verweigerung in den von Deutschen besetzten Ländern und in Deutschland. So fehlt beispielsweise der Bezug auf Formen des jüdischen Widerstands. Diesem Thema haben wir bereits eine gesonderte Ausgabe des LaG-Magazins gewidmet.

Das aktuelle Magazin reiht sich ein in das Jahresthema unseres Kooperationspartners, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. 

Kritische Untersuchungen und gesellschaftliche Auseinandersetzungen in den vergangenen Jahren haben die vielfach heroischen Narrative über Widerstandshandlungen und -organisationen in den ehemals besetzten Ländern hinterfragt. Gleichzeitig werden, vor allem in Mittel- und Osteuropa, alte und neue Geschichtsbilder konstruiert, die auf einer Mythologisierung von eigenem nationalen Widerstand und Leid unter wechselnder deutscher und sowjetischer Besatzung beruhen. Ideologisch instrumentelle Formen des Gebrauchs von Geschichte – wie jüngst geäußert durch die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo, die aus Auschwitz meint die Lehre ziehen zu können, dass Sicherheit und Leben der polnischen Bevölkerung gegen geflüchtete Menschen zu schützen seien – werden zwar immer wieder skandalisiert. Gleichzeitig sind deutliche Verschiebungen dessen, was an geschichtsrelativierenden Äußerungen als sagbar gilt, festzustellen. Den Hintergrund liefert ein Geschichtsbild, dass auf einem zugleich selbst viktimisierenden, als auch heroisierendem Nationenmythos beruht. 

Etienne Schinkel zeigt in seiner Untersuchung über die Darstellung der Männer vom 20. Juli 1944 auf, dass deren unterschiedliche Verstrickungen in die NS-Ideologie und ihr Gesellschaftsverständnis in Schulgeschichtsbüchern nicht aufgezeigt werden. 

Wiebke Elias, Gisela Ewe und Ulrike Jensen berichten über ein Radioprojekt zu Widerstand im Nationalsozialismus mit starkem Gegenwartsbezug, das mit Jugendlichen an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme durchgeführt wurde. 

Katrin Reichelt widmet sich der Kollaboration im deutsch besetzten Lettland, zeigt deren Dimension auf. Sie thematisiert auch Akte von Unterstützung und Solidarität seitens der lettischen Mehrheitsbevölkerung gegenüber verfolgten Jüdinnen und Juden, die jedoch zahlenmäßig gering blieben. 

Arthur Osinski schreibt aus einer polnischen Perspektive zur Rolle des polnischen Untergrundstaates und über die aus seiner Sicht beschränkten Möglichkeiten zur Rettung von Jüdinnen und Juden. 

Das nächste LaG-Magazin erscheint in Zusammenarbeit mit der Konferenz für Geschichtsdidaktik am 11. September 2017. Abweichend von unserem üblichen Erscheinungstag ist dies ein Montag.

Die Zweijahrestagung der Konferenz für Geschichtsdidaktik steht unter dem Leitthema "Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert. Eine geschichtsdidaktische Standortbestimmung" und findet vom 28. bis 30. September 2017 in Berlin statt.  

Wir wünschen Ihnen eine schöne Sommerzeit. 

Ihre LaG-Redaktion

  

Beiträge

Zur Diskussion

Etienne Schinkel zeigt in seiner Untersuchung über die Darstellung der Männer vom 20. Juli 1944 auf, dass deren unterschiedliche Verstrickungen in die NS-Ideologie und ihr Gesellschaftsverständnis in Schulgeschichtsbüchern nicht aufgezeigt wird.

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Ein Radioprojekt an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme thematisiert Widerstand im Nationalsozialismus mit einem starkem Gegenwartsbezug.

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Katrin Reichelt widmet sich der Kollaboration im deutsch besetzten Lettland, zeigt deren Dimension auf. Sie thematisiert auch Akte von Unterstützung und Solidarität seitens der lettischen Mehrheitsbevölkerung gegenüber verfolgten Jüdinnen und Juden, die jedoch zahlenmäßig gering blieben.

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Arthur Osinski schreibt aus einer polnischen Perspektive zur Rolle des polnischen Untergrundstaates und über die aus seiner Sicht beschränkten Möglichkeiten zur Rettung von Jüdinnen und Juden.

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