Rudolf MichaelisRudolf Michaelis, Pseudonym „Michel“, war ein deutscher Anarchosyndikalist. Er wurde am 31. März 1907 in Leipzig geboren und wuchs in einer Pflegefamilie auf, da seine Mutter unmittelbar nach seiner Geburt starb. 1924 schloss er sich einer anarchistischen Jugendgruppe und bald darauf der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft FAUD an.
 

National Gallery of Australia (NGA), 48816, courtesy of Margaret Michaelis-Sachs

1927 zog er nach Berlin. Dort traf Michaelis die bekannten spanischen Libertären Francisco Ascaso und Buenaventura Durruti und arbeitete als Rekonstrukteur im Museum.

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP verhaftete ihn die Gestapo im Mai 1933. Er kam jedoch wieder frei und floh im Dezember 1933 gemeinsam mit seiner Frau Margarete nach Barcelona.
Dort war das Ehepaar Michaelis Teil der kleinen Exilorganisation Deutsche Anarchosyndikalisten (DAS). Rudolf Michaelis arbeitete im Archäologischen Museum und trat der CNT bei. Am 19. Juli 1936 beteiligte er sich aktiv am Kampf gegen die putschistischen Truppen und am libertären Aufstand.
Nach dem Sieg in den Straßenkämpfen gingen die DAS unter Beteiligung von Michaelis gegen die Auslandsorganisation der NSDAP in Barcelona vor. Den bekanntesten NS-Funktionären gelang die Flucht, doch bei gezielten Durchsuchungen im Deutschen Klub oder dem Büro der Deutschen Arbeitsfront stellten die DAS zahlreiche Unterlagen sicher. 1937 publizierte die Gruppe eine Auswahl dieser Dokumente in einem „Schwarzrotbuch“, mit dessen Hilfe sie unter anderem die vermutete NS-Hilfe für die rechtsradikalen spanischen Generäle im Vorfeld des Putsches beweisen wollte.

Im Sommer 1937 schloss sich Rudolf Michaelis als einer der ersten deutschen Spanienkämpfer der Grupo Erich Mühsam an, einer Einheit der Kolonne Ascaso, und wurde deren Delegierter. Bis Herbst 1936 kämpfte Michaelis an der Aragón-Front und kehrte dann nach Barcelona zurück. Dort engagierte sich Rudolf Michaelis auch gegen den zunehmenden kommunistischen Einfluss. Nach den Maiereignissen 1937 in Barcelona geriet Michaelis deshalb in Gefangenschaft.
Wieder auf freien Fuß gesetzt trat er in die neu geschaffene Volksarmee ein und kämpfte bis zur Niederlage der Republik in Spanien.

Von seinem Pariser Exil aus kehrte er in den frühen 1940er Jahren nach Spanien zurück, wurde verhaftet und zu 30 Jahren Haft verurteilt.
Auch diesmal kam er bald wieder aus dem Gefängnis frei und kehrte 1946 nach Deutschland zurück: nach Ostberlin, denn Michaelis teilte mit vielen Antifaschist_innen die Hoffnung auf ein anderes, neues Deutschland. Michaelis trat trotz seiner anarchistischen Überzeugungen der SED bei, die ihn allerdings 1951 wieder ausschloss. Er arbeite und lebte dennoch weiter in der DDR.

Rudolf Michaelis starb am 28. November 1990 in Berlin.

Literatur

  • Werner Abel, Enrico Hilbert (Hrsg.), „Sie werden nicht durchkommen!“ Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution, 2 Bde., Lich 2015.

  • Nelles, Dieter/Linse, Ulrich/Piotrowski, Harald/García, Carlos, Deutsche AntifaschistInnen in Barcelona (1933-1939). Die Gruppe „Deutsche Anarchosyndikalisten” (DAS), Heidelberg 2013.

 

 

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