Lisa Gavrič wurde als Lisa Bechmann in Wien geboren. Aufgewachsen im bürgerlichen Milieu wurde sie Ende der 1920er Jahre Kommunistin, nachdem sie in Paris Milan Gavrič, einen serbischen Kommunisten, kennengelernt und geheiratet hatte. Sie meldete sich 1937, als der Bürgerkrieg in Spanien tobte, freiwillig dorthin und war Krankenschwester in einem republikanischen Frontlazarett in Murcia. Ihre 1930 in Paris geborene Tochter hatte sie zuvor in die Sowjetunion in Obhut bringen lassen.

Obwohl sie lediglich eine Schnellausbildung erhalten hatte, wurde Lisa Gavrič nach einiger Zeit von Genossen gebeten, die Position der Oberschwester einzunehmen, um die Organisation der Arbeit zu kontrollieren. Vor allem aber der Chefarzt, der als ausgezeichneter Chirurg galt, stand in Verdacht, die politisch links stehenden Genossen nicht gleichwertig zu behandeln. Er wurde schließlich abgelöst. Mit dem amerikanischen Nachfolger, Sohn eines aus Deutschland ausgewanderten Juden, verband Lisa Gavrič bald eine innige Beziehung.

Nachdem die republikanischen Kräfte Teruel nicht mehr halten konnten, musste auch das Lazarett in Murcia geräumt werden. Der Rückzug führte unter Fliegerbeschuss und unter katastrophalen Bedingungen nach Katalonien bis nach Mataro, wo ein Kloster zum Spital umfunktioniert wurde. Kurz darauf wurde auch dieses aufgelöst und Lisa Gavrič begleitete Verwundete auf den bereits gestellten Lastwagen Richtung Norden.

Kurz hielt sich Lisa Gavrič nach Ende des Bürgerkrieges in Paris auf, wo sie mit ansehen musste, wie französische Polizisten Spanienkämpfer_innen verschleppten. Nach ihrer Ausweisung aus Paris ging sie in den Süden Frankreichs, nach Arles de Provence, wurde dann jedoch nach Beginn des Zweiten Weltkrieges im französischen Lager Gurs interniert, aus dem sie wieder frei kam. 1941 von ihrer Partei, der KPÖ, nach Wien zur illegalen Arbeit gerufen, fand sie sich dort als Staatenlose wieder, der die Anerkennung als Einwohnerin des sogenannten „Altreichs“ aberkannt worden war. So kehrte Lisa Gavrič, statt nach Wien, nach Paris zurück.
Dort arbeitete sie illegal für die Résistance, vor allem im Rahmen der Travail Allemand (Deutsche Arbeit), bei der es u. a. um den gefahrvollen politischen Einsatz österreichischer und deutscher Frauen unter den Wehrmachtssoldaten ging.

Sie und ihre Gruppe flogen schließlich nach drei Jahren auf. Die Gestapo verschleppte sie über das Wiener Polizeigefängnis in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück.

Nach der Befreiung fuhr Lisa Gavrič, nach kurzem Aufenthalt in Wien, zu ihrem Mann nach Jugoslawien, erlebte hier den stalinschen Bannspruch gegen Josip Broz Tito – und blieb in Belgrad.

Ihre Erinnerungen schrieb Lisa Gavrič Mitte der 1960er Jahre für ihre in der Sowjetunion gebliebene Tochter nieder, die sie erst nach 10 Jahren Trennung wiedergesehen hatte. Sie wurden erstmals, allerdings gekürzt, 1984 im Verlag Neues Leben, Berlin/DDR, mit einem Nachwort von Ulla Plener unter dem Titel „Lisa Gavrič: Die Straße der Wirklichkeit. Bericht eines Lebens“ veröffentlicht.

Während eines Besuches bei ihrer in der Sowjetunion lebenden Tochter starb Lisa Gavrič am 22. Juni 1974 in Dubna bei Moskau.
Aus ihren Erinnerungen an Ravensbrück, die sie in Briefform an ihre Tochter abfasste, wird hier zitiert.

Literatur

 

 

 

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