Online-Modul: Spanischer Bürgerkrieg

6.4.2 Geschichtsbücher in BRD und DDR

Aus „Zeiten und Menschen“, einem in der BRD verwendeten Geschichtsbuch von 1966

„Der spanische Bürgerkrieg, der im Juli 1936 ausbrach, ließ die Spannungen zwischen Italien und den Westmächten fortdauern; zugleich führte er zu einer weiteren Annäherung zwischen Hitler und Mussolini.

1931 war die spanische Monarchie gestürzt worden. Das Land wurde seitdem von einer Koalition regiert, die sowohl bürgerliche Demokraten als auch Sozialisten umfasste, in sich aber wenig einig war. Die sozialen Missstände führten zu einem Anwachsen des kommunistischen Einflusses. Die Armee sowie monarchistische Kreise wagten in dieser Situation unter der Führung des Generals Franco eine Gegenrevolution. Sie stützten sich dabei vor allem auf die in Nordafrika stehenden Truppen.

Hitler mischte sich sofort ein; deutsche Flugzeuge brachten Francos Truppen ins Mutterland, da die republiktreue spanische Marine den Seeweg sperrte. Mussolini, der eine Gelegenheit sah, seine Mittelmeerstellung durch ein von ihm abhängiges Spanien weiter auszubauen, schickte „Freiwilligen“-Verbände. Mit dieser Hilfe konnten die Aufständischen im Laufe des Jahres etwa die Hälfte des Mutterlandes besetzen, Madrid und die wichtigsten Industriegebiete blieben aber noch in der Hand der republikanischen Regierung.

Großbritanniens Sympathien gehörten zwar der rechtmäßigen Regierung, trotzdem verkündete es den Grundsatz der „Nichteinmischung“. Es wollte verhindern, daß der Bürgerkrieg sich zu einem Kampf der Großmächte ausweitete. Der Grundsatz wurde von allen Großmächten anerkannt, aber Italien, die Sowjetunion und Deutschland schickten trotzdem Material und Truppen nach Spanien. In beschränktem Umfang half auch Frankreich den Republikanern. Durch die sowjetische Unterstützung geriet die republikanische Regierung immer mehr unter kommunistische Kontrolle; so konnten Hitler und Mussolini behaupten, dass sie durch die Unterstützung Francos eine Ausbreitung des Bolschewismus verhinderten. Bis zum Sieg Francos vergingen beinahe drei Jahre. Der beiderseits mit großer Grausamkeit geführte Krieg brachte dem Land hohe Menschenverluste und furchtbare Verwüstungen. Für die ausländischen Mächte wurde Spanien zum Erprobungsfeld ihrer Waffen.“ 

Aus „Geschichte“, einem in der DDR verwendeten Geschichtsbuch von 1976

„Die faschistische Intervention in Spanien. Der Kampf der KPD als fester Bestandteil der internationalen Solidarität mit dem spanischen Volk.

Der Wahlerfolg der spanischen Volksfront im Februar 1936 war ein schwerer Schlag gegen die Pläne der spanischen Reaktion, auf legale Weise die Macht erobern zu können. Deshalb wurde ein faschistischer Militärputsch gegen das spanische Volk organisiert. Er begann am 18. Juli 1936 und wurde von Francisco Franco geleitet.

Geführt von der Kommunistischen Partei Spaniens und anderen Parteien der Volksfront, erhoben sich die Volksmassen unter der Losung „No pasarán“ („Sie kommen nicht durch“) zur Verteidigung der Demokratie und schlugen die ersten Angriffe der Faschisten zurück. Durch den Sturm auf Kasernen bewaffneten sich die Arbeiter. Die spanischen Matrosen verhafteten ihre reaktionären Offiziere und sicherten so einen großen Teil der spanischen Kriegsflotte für das republikanische Spanien. Nach kurzer Zeit brachte die Volksfrontregierung die Franco-Putschisten an den Rand der Niederlage.

Davor bewahrte sie jedoch die militärische und wirtschaftliche Hilfe des deutschen und italienischen Faschismus. Von 1936 bis 1939 kämpften etwa 50000 deutsche und 300000 italienische Soldaten und Offiziere, ausgerüstet mit großen Mengen modernsten Kriegsmaterials, an der Seite der spanischen Faschisten.

Ein faschistisches Spanien sollte Hitler ein zuverlässiger Verbündeter im Rücken Volksfrontfrankreichs sein und ihm günstige strategische Ausgangspositionen schaffen. […]

Durch diesen Krieg war es den deutschen Militaristen ferner möglich, die neu entwickelten Waffen und Kriegsgeräte zu erproben. Dass dabei Zehntausende unschuldiger Menschen ihr Leben lassen mussten, interessierte sie nur insofern, als daran die Wirksamkeit der neuen Waffen gemessen werden konnte. Jedes dieser Teilziele, das die deutschen Faschisten in Spanien verfolgten, diente so der umfassenden Vorbereitung eines faschistischen Raubkrieges.

Die reaktionärsten imperialistischen Kräfte in Frankreich und Großbritannien verfolgten mit Unbehagen die Erfolge der Volksfront in Spanien. Unter dem Druck ihrer Völker waren sie jedoch nicht in der Lage, die Franco-Putschisten offen zu unterstützen. Sie verfielen deshalb auf das demagogische Manöver eine Politik der Nichteinmischung. Unter dem Vorwand der „Nichteinmischung“ verhinderten Frankreich und England die Lieferungen von Waffen, Lebensmitteln usw. an das republikanische Spanien.

Nur der erste sozialistische Friedensstaat, die Sowjetunion, vertrat von Beginn an die Interessen des spanischen Volkes. Die UdSSR entlarvte die faschistische Intervention und erklärte am 23. Oktober 1936, dass sie sich nicht mehr an die Vereinbarungen über die Nichteinmischung gebunden fühle, wenn andere Staaten wie Deutschland und Italien ihre Unterstützung der spanischen Faschisten fortsetzen. […]

Überall in der Welt entwickelte sich die solidarische Hilfe für das revolutionäre Spanien. […] Etwa 30 000 Antifaschisten aller Parteien und Richtungen, ihnen voran die Kommunisten, kamen der spanischen Republik aus 53 Ländern zu Hilfe. […] Aus den Reihen dieser Kämpfer formierten sich die Internationalen Brigaden. Die antifaschistischen Freiwilligen gaben ein leuchtendes Beispiel für den proletarischen Internationalismus.

[…] Mit einem Appell des Zentralkomitees der KPD vom 7. August 1936 an alle militärisch ausgebildeten deutschen Antifaschisten wurde dazu aufgerufen, dem spanischen Volk jede Hilfe zu erweisen und sich der spanischen Volksfront als Soldaten zur Verfügung zu stellen.

Die diesem Appell folgenden deutschen Antifaschisten schlossen sich in den Bataillonen Edgar André, Hans Beimler, Ernst Thälmann und weiteren Einheiten zusammen. Bei der Verteidigung von Madrid und in anderen Schlachten erwarben sich diese Einheiten großen Ruhm. An ihrer Spitze kämpften hervorragende Kommunisten wie Artur Becker, Hans Beimler [und] Franz Dahlem […]. Auch zahlreiche Geistesschaffende nahmen an diesen Kämpfen teil, so Willi Bredel, Ernst Busch [und] Ludwig Renn […].

[...]

Trotz des heldenhaften Kampfes erlag jedoch das republikanische Spanien schließlich der faschistischen Übermacht. Der Abwehrkampf des spanischen Volkes und der Internationalen Brigaden gegen die faschistische Aggression in den Jahren 1936 bis 1939 bleibt dennoch für immer ein Hohelied des antifaschistischen Kampfes und der internationalen proletarischen Solidarität.“

Literatur

  • Walther L. Bernecker, Der Spanische Bürgerkrieg. Materialien und Quellen, Frankfurt a. M. ²1986, S. 202 ff. 

 

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