Der Spanische Bürgerkrieg (1936 – 1939) begann als Konflikt mit innerspanischen Ursachen in einem Land voller gesellschaftlicher Widersprüche. Der spanische Staat und seine Krone galten bereits im 19. Jahrhundert als schwach. Die traditionell starke und autoritäre Rolle der katholischen Kirche begann zu bröckeln. Wirtschaftlich war das Land durch eine agrarische Struktur mit rückschrittlichen, extrem ungleichen Eigentumsverhältnissen geprägt, an denen die Kirche einen tragenden Anteil hatte. Industriegebiete gab es vor allem in Katalonien und im Baskenland, die beide nach Autonomie vom spanischen Zentralstaat strebten.

Viele Spanier_innen wandten sich von diesen Verhältnissen ab, oft angetrieben von Hass auf die unterdrückerische Rolle der Kirche im Alltag. Sie orientierten sich hin zu republikanischen Parteien und zur anarchistischen Bewegung, die für eine sofortige libertäre Revolution einstand. Andere suchten in der sozialistischen Bewegung eine Alternative zu den bisherigen Gesellschaftsentwürfen. Im Jahr 1931 stürmten schließlich hunderttausende Spanier_innen die Straßen der spanischen Städte, vertrieben den König ins Exil und riefen die Zweite Republik (1931 – 1939) aus.

Die spanische Rechte lehnte die Republik ab. Sie war geprägt von katholischem Denken und orientierten sich in Teilen am italienischen Faschismus. Rechte Offiziere versuchten bereits in den frühen 1930er Jahren (1931-1933), gegen die Zweite Spanische Republik zu putschen. Gleichzeitig gab es immer wieder anarchistische Revolten, die teils blutig niedergeschlagen wurden.

Bei den Parlamentswahlen vom 17./18. Juli 1936 erlangte eine Volksfront aus linken Republikaner_innen, Sozialist_innen und Kommunist_innen den Sieg, während die faschistische Falange nicht einen einzigen parlamentarischen Platz erringen konnte. Im Juli 1936 putschten extrem rechte Generäle gegen die Republik. In den industriellen Zentren Baskenland und Katalonien, aber auch Madrid, misslang der Putsch. 

Teile der putschistischen Armee standen in Nordafrika und konnten nicht nach Spanien gelangen. Dies änderte sich durch den Eingriff des nationalsozialistischen Deutschlands und des faschistischen Italiens, die zugunsten der Putschist_innen mit Waffen, einer Luftbrücke, Soldaten sowie großen finanziellen Mitteln intervenierten. Die republikanische Seite wurde durch die stalinistische Sowjetunion ab dem Herbst 1936 unterstützt, die im Spanischen Bürgerkrieg den Ausbruch eines kommenden Krieges gegen sich vorhersah und fürchtete. Dazu kamen zehntausende Freiwillige aus verschiedenen Ländern, die sich mit der republikanischen Seite solidarisierten und nach Spanien gingen, um sie als Kämpfer_innen in den Volksmilizen und Internationalen Brigaden zu unterstützen.

Der Bürgerkrieg, der von Beginn an eine internationale Dimension hatte, endete 1939 mit dem Sieg der Franquisten. Für die Spanier_innen, die auf Seiten der Republik gekämpft hatten, bedeutete dies den Beginn brutalster Repressionen, Folterungen und Ermordungen. Die Internationalen Brigaden waren bereits 1938 aufgrund eines Beschlusses seitens des Völkerbundes aufgelöst worden. Die Freiwilligen sollten repatriiert werden; für Jüdinnen und Juden, Deutsche und Östereicher_innen, aber auch Italiener_innen in der Mehrzahl ein illusorisches Unterfangen. Viele von Ihnen schlossen sich der französischen Résistance an oder wurden in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.

Der Sieg der Franquisten wurde nicht unwesentlich durch eine Politik der Nichteinmischung seitens der britischen und französischen Demokratie begünstigt. In beiden Ländern hegten die bürgerlichen Eliten eher Sympathien für die Franquisten. Die sozialistische Regierung von Léon Blum in Frankreich orientierte sich außenpolitisch an Großbritannien. Zudem war das Land im Inneren bezüglich der Sympathien für beide Lager gespalten. 

Unterteilung des Online-Moduls

Das Einleitungskapitel, in dem Sie sich gerade befinden, bietet einen Überblick zur Arbeit mit dem Online-Modul „Spanischer Bürgerkrieg“, enthält Danksagungen und einen Einstieg in die Ereignisgeschichte, die von einprägsamen Zitaten wichtiger Protagonist_innen begleitet wird.. 

Unter der Überschrift „Politische Akteure" geht es in den folgenden beiden Kapiteln um die unterschiedlichen Protagonist_innen und ihre Interessen. Dazu gehört einerseits das nationalistische Lager um „Caudillo“ Franco, die Rolle der Kirche und des NS-Regimes. Andererseits sind unter der Überschrift diejenigen zusammengefasst, die auf Seiten der Republik mit unterschiedlichen Mitteln gekämpft haben. Dies sind die internationale Arbeiter_innenbewegung, vor allem unterschiedliche kommunistische und anarchistische Strömungen international und in Spanien sowie die Internationalen Brigaden.

Auch der Rolle der Komintern (Kommunistische Internationale) und der Sowjetunion wird hier behandelt. Die Kapitel zu Frauen und jüdischen Freiwilligen im Spanischen Bürgerkrieg verweisen auf zwei Akteursgruppen, die im historischen Lernen noch immer zu Unrecht marginal behandelt werden. Frauen hatten wesentliche und wichtige Rollen während des Bürgerkrieges inne; zudem war ihre Beteiligung Teil ihrer sozialen Emanzipation von patriarchalen Verhältnissen. Über Jüdinnen und Juden herrscht bis heute die Meinung vor, sie hätten sich gegen den aufkommenden Faschismus in Europa und dem Nationalsozialismus in Deutschland nicht zur Wehr gesetzt. Das Kapitel über Juden im Spanischen Bürgerkrieg zeigt den überproportional hohen Anteil von Jüdinnen und Juden auch im Kampfgeschehen auf.

Kunst war ein wesentliches Element im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg. Intellektuelle und Künstler_innen haben mit den ihnen eigenen Ausdrucksformen die Spanische Republik unterstützt. Das Kapitel „¡No pasarán! – Kunst als Protest und Widerstand“ behandelt Lieder, Gedichte und Plakatkunst aus den Jahren 1936 – 1939. Kunst hatte dabei in der Regel die Funktion der moralischen Stärkung. Sie schuf gesellige Anlässe beim gemeinsamen Singen von Liedern oder dem Rezitieren von Gedichten. Beide Formen dienten der Überwindung von sprachlichen Barrieren und der Selbstvergewisserung. Sie hatten häufig zugleich aufrüttelnden und agitatorischen Charakter. Letzteres gilt auch für die Plakatkunst, die darüber hinaus ein wichtiges Kommunikationsmedium in einer Gesellschaft war, die sich durch einen hohen Grad an Analphabetismus auszeichnete.

Das Unterkapitel „Spaniens Kinder und ihre Bilder“ vergegenwärtigt die Schicksale von Kindern im Spanischen Bürgerkrieg. Mit „The Spanish Earth“ schließlich gerät ein Dokumentarfilm des niederländischen Regisseurs Joris Ivens in den Fokus, an dem der Schriftsteller Ernest Hemmingway beteiligt war und der eine damals neue Form der Kriegsberichterstattung durch die Nutzung von Alltagsbildern schuf.

Vielfache Querverweise ergeben sich aus dem Kapitel 5 „Personen“. Die Lebenswege der ausgewählten 24 Personen zeigen, dass der Spanische Bürgerkrieg für alle Beteiligten kein in sich abgeschlossenes, einschneidendes Erlebnis war. Vor allem diejenigen, die sich als Sozialist_innen, Kommunist_innen oder Anarchist_innen verstanden, kämpften vor und nach dem Krieg in der Regel weiter gegen Faschismus und Nationalsozialismus; viele gerieten jedoch auch in die Fänge der Gestapo und wurden in Konzentrationslager verschleppt.

Auf die Schicksale nach dem Sieg der Franquisten sowie auf die Erinnerung an den Spanischen Bürgerkrieg geht das sechste Kapitel „Nach 1939 - Umgang mit dem Bürgerkrieg in Spanien und Deuschland“ ein. Behandelt werden hier die Repressionen im Anschluss an den Sieg der spanischen Faschisten und das Schicksal derer, die ins Exil gehen mussten und sich in der Folge häufig der französischen Résistance anschlossen. Abschließend werfen wir einen Blick auf den sehr verschiedenen Umgang mit dem Bürgerkrieg in den beiden deutschen Staaten im Kontext des Kalten Krieges.

Ein Glossar, ein Abkürzungsverzeichnis und eine Zeittafel runden das Onlinemodul ab.

 

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