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Das Projekt „Alles koscher“ in Regensburg

Das Regensburger Projekt „Alles koscher“ ist Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Realschule am Judenstein und der Jüdischen Gemeinde Regensburg. Mithilfe von Theateraufführungen, einer Ausstellung, zahlreichen Filmen und anderen Veranstaltungen beabsichtigten die Schülerinnen und Schüler, eine öffentliche Debatte über eine zukünftige Synagoge in der Stadt anzustoßen. Das große Presseecho scheint zu belegen, dass die Jugendlichen dieses Ziel erreicht haben.

Die in den Pogromen von 1938 zerstörte Synagoge wurde nach dem Ende des Nationalsozialismus nicht wieder aufgebaut. Das jüdische Leben kehrte jedoch nach Regensburg zurück und so befindet sich die jüdische Gemeinde heute in der Situation, zwar über 1000 Mitglieder, aber keine Synagoge zu haben. In der Folge entstand im Rahmen des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projektes „Lernort Weltkulturerbe Regensburg. Geschichte und Entwicklung kreativ erforscht und präsentiert“ die Idee zu „Alles koscher“. Der Initiator Dr. Peter Spateneder wollte mit diesem Projekt auch aufklärerische Arbeit gegen Antisemitismus leisten. Ferner erhofft er sich, dass das Projekt „ zu einem gedeihlichen Miteinander der heutigen jüdischen Stadtgemeinde in der Regensburger Gesellschaft beizutragen“ vermöge.

Auf der Homepage zum Projekt finden Nutzer/innen die Ergebnisse der monatelangen Arbeit. So entstand mit Hilfe von Historiker/innen eine aus 27 Tafeln bestehende Ausstellung über jüdisches Leben in Regensburg. Die Tafeln sind online zu betrachten und umfassen acht Themenbereiche vom Beginn der jüdischen Siedlung bis in die Gegenwart. Ausgehend von der doppelten Zerstörung der Regensburger Synagoge in den Jahren 1519 und 1938 schrieben die Schülerinnen und Schüler unter professioneller Anleitung ein Theaterstück mit dem Titel „Der Judenstein“, welches sie einige Male vor Publikum aufführten. Neben diesen beiden Großprojekten veranstalteten die Jugendlichen noch einige Begleitaktionen wie eine Stolpersteinverlegung und eine Stadtführung.

Insgesamt hinterlässt die Projekthomepage einen überzeugenden Eindruck. Die einzelnen Projekte zeugen von großem Engagement aller Beteiligten, welches hoffentlich Vorbild für andere Schulen sein wird. Etwas irritierend ist lediglich, dass fast alle entstandenen Filme mit Klezmer-Musik unterlegt sind. Es wäre allerdings schade, wenn die Schülerinnen und Schüler nach so langer Beschäftigung mit der jüdischen Kultur und Geschichte ausschließlich an diese folkloristische Musikrichtung denken würden.

„Alles koscher“ wurde im Rahmen des Denkwerk-Programms der Robert Bosch Stiftung realisiert. Darin werden Projektpartnerschaften zwischen Wissenschaftler/innen, Lehrer/innen und Schüler/innen gefördert. Ziel ist es, einen Austausch zwischen Schule und Universität zu ermöglichen. In kleinen Projekten sollen Schüler/innen Fragestellungen und Methoden der Geistes- oder Sozialwissenschaften kennenlernen. Mehr Informationen zu Förderbedingungen des Denkwerk-Programms und zu weiteren interessanten Projekten finden Sie auf der Homepage der Robert Bosch Stiftung.
 

 

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