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Die DDR im (DEFA-)Film. Projektbericht und Materialien für den Unterricht

Die DDR im (DEFA-)Film. Projektbericht und Materialien für den Unterricht. Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (2010) 75 Seiten.

Ingolf Seidel

Die vorliegende Sammlung von Unterrichtsmaterialien zur DDR im (DEFA-)Film ist das Ergebnis des Projekts „Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken“ des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) in Kooperation mit Filmernst.

Einleitend finden die Leserinnen und Leser einen Erfahrungsbericht von Beate Völcker und Jana Hornung über die Projektphase. Während dieser Phase vom November 2009 bis Ende April 2010 wurden sämtliche Filme mit Jugendlichen in Brandenburg angesehen, dabei waren insgesamt 1.500 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 12 mit ihren Lehrkräften beteiligt. Dr. Christoph Hamann beschreibt in seinem anschließenden Aufsatz Film und Fernsehen als Leitmedien der heutigen Geschichtskultur, die bei jungen Menschen beliebter und wirkungsvoller seien als das klassische Geschichtsbuch und somit neben anderen Bildquellen wesentlich die Geschichtsbilder prägen würden. Die Filme erhielten, so Hamann, ihre Bedeutung sowohl aus dem Lebenswelt- und Gegenwartsbezug, als auch aus ihrem Zukunftsbezug, da nach dem Verlassen der Schule Geschichte in der Regel nur noch durch das Medium Film vermittelt werde (vgl. S.15).

Das didaktische Konzept zielt, wie es Dr. Petra Anders in ihrem Beitrag formuliert, darauf ab, dass die wesentlichen Komponenten des Kompetenzaufbaus auf dem Handlungsfeld Film gefördert werden: Den Schülerinnen und Schülern wird die gesellschaftliche und kulturelle Wirkung des (DDR-) Films nahegebracht, sie üben Filmanalysen, lernen Filmgeschichte kennen; durch die Nutzung der Filme wird die Geschmacks- und Urteilsbildung gefördert und sie erhalten über Archivmaterial und Zeitzeugen Einblicke in die Filmproduktion.

Vorgestellt werden in der Handreichung fünfzehn Filme aus und über die DDR. Dazu gehören Filme wie die monumentale Thälmann-Biographie „Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse (1955), „Solo Sunny“ (1980) oder auch die beliebte Komödie „Sonnenallee“ (1994) oder noch aktueller: „Boxhagener Platz“ (2009). Den Filmbeschreibungen ist jeweils ein didaktisches Kurzkonzept zur Seite gestellt. Mehrheitlich sind Filme und Materialien für die Jahrgangsstufen 9 bis 12 geeignet. Die Einsatzmöglichkeiten für „Erscheinen ist Pflicht“ und „Insel der Schwäne“ werden mit Klassenstufe 7 angegeben.

Für fünf Filme [„Ernst Thälmann“, „Karla“ (1965/1990), „flüstern & SCHREIEN“ (1988), „Sonnenallee“ und „Erscheinen ist Pflicht“ (1984)] sind ausführliche Unterrichtsmaterialien auf einer beiliegenden CD-ROM vorhanden. Das Unterrichtsmaterial beinhaltet mehrere Kapitel: Der Filminhalt wird in einer Einleitung vorgestellt, der didaktische Überlegungen zu ästhetischen Besonderheiten und dem inhaltlichen Bezug zum Rahmenlehrplan folgen. Über Leitfragen werden die filmsprachlichen Mittel der historischen Narration untersucht (S. 17). Bewusst wurde eine Vielzahl an Aufgabenvorschlägen zu jedem Film formuliert mit denen Lehrkräfte eigene Akzente setzen können und die sich von einem Instruktionsunterricht abgrenzen. Den Aufgabenvorschlägen folgt die Triftigkeitsprüfung, d.h. die Filmaussagen werden durch Quellenvergleiche hinterfragt; entsprechendes Quellenmaterial findet sich selbstverständlich in den Materialien.

Methodisch ist eine Einbettung der Einheiten in eine moderierte Filmvorführung im Kino und ein Gespräch mit Zeitzeugen, Schauspieler/innen, Historiker/innen intendiert, wie sie in der Projektphase auch durchgeführt wurden. Allerdings sind alle Filme auch auf DVD erhältlich; am Ende des Heftes sind die Verleih- und Vertriebsnachweise angegeben. Die Projektbeschreibung und die Unterrichtsmaterialien finden sich online auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg.

Sicherlich wurde mit dem Kooperationsprojekt nicht nur eine bisher einmalige Veranstaltungsreihe für Schulen zur DDR-Geschichte durchgeführt. Mit den durch das LISUM herausgegebenen Materialien liegt zudem eine wertvolle und praxisorientierte Hilfe zur Planung eines kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts vor.

 

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