Empfehlung Unterrichtsmaterial

Historische Fotografie

Ein Arbeitsheft für die Schule

Geschichte Lernen: Historische Fotografie, Heft 91, Januar 2003, 66 Seiten, € 9,60.
Von Birgit Marzinka

Die vorliegende Ausgabe von „Geschichte Lernen“ widmet sich dem Einsatz historischer Fotografie im Unterricht. Es handelt sich hierbei um einen Mix aus kurzen thematischen Einführungen, Unterrichtsvorschlägen, Hinweisen für den Unterricht und Materialien. Obwohl das Heft schon 2002 erschienen ist, hat es an Aktualität nichts eingebüßt. Eine Ausnahme bildet der erste Artikel, der vor allem Internetangebote beschreibt und bewertet, die zum Teil nicht mehr existieren oder dem heutigen Webstandard nicht mehr entsprechen. Der „Basisartikel“ des Heftes, der in das Arbeiten mit historischen Aufnahmen im Unterricht einführt, stammt von Prof. Dr. Michael Sauer und bietet einen sehr guten Überblick darüber was Fotos leisten können und wo ihre Grenzen liegen. Zusätzlich stellt er Methoden vor, die dem Ansatz des Forschenden Lernens folgen. In diesem Sinne bietet der Einführungstext eine gute Basis um in das Thema einzusteigen.

Die anderen elf Artikel beziehen sich auf jeweils ein Thema, so stellt Michael Sauer das handlungsorientierte Arbeiten mit Fotos und die nationalsozialistische Fotopropaganda vor. Während Dieter Schödel Methoden für die Grundschule beschreibt, sind die Zielgruppe der restlichen Artikel Sek. 1 und Sek. 2. Gerhard Henke-Bockschatz stellt einen Unterrichtsvorschlag zu Fotos von Dorothea Lange vor, die eine verarmte Familie während der großen Depression in den 1930er Jahren in den USA fotografierte. Ulrich Meyer vergleicht Foto-Inszenierungen von Feldherren und wie diese eingesetzt werden können. Postkarten aus Krisenzeiten in Deutschland und den Massenaufnahmen widmet sich Hartmann Wunderer. Elena Demke stellt Unterrichtsmöglichkeiten anhand des Albums „Auf der Kippe“vor, das Fotos aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Mauerbaus zeigt. Die sozialdokumentarischen Fotografien stehen bei Christian Grüner im Mittelpunkt. Dafür wählte er Fotos von arbeitenden Kindern vom Anfang des 20. Jahrhunderts aus den USA aus. Wann Fotos zu Ikonen werden fragt sich Susanne Dobmeier-Feigl und nutzt für ihre didaktischen Vorschläge Fotos von Iwo Jima und „Ground Zero“.

Meines Erachtens ist das Heft eine sehr gute Einführung in das Arbeiten mit historischen Fotos und es hat durch die beschriebenen Methoden und Hinweise einen sehr hohen Praxisbezug. Das Heft bietet Anregungen und Methoden für den Unterricht, wie auch für die außerschulische Bildung. Zusätzlich bieten die Autorinnen und Autoren Literatur zur Vertiefung des jeweiligen Themas an.

Weiterhin finde ich gelungen, dass neben Unterrichtsvorschlägen mit Fotos aus Deutschland auch welche aus den USA angeboten werden. Die Sensibilisierung für den sozialkritischen Blick der Schülerinnen und Schüler findet eine große Beachtung im Heft. Weiterhin wird großer Wert darauf gelegt, dass den Schülerinnen und Schülern gezeigt wird, dass Fotos verändert und manipuliert werden können und was dies für die Interpretation von Fotos bedeutet. Zusammenfassend kann man sagen, dass eine kritische Auseinandersetzung mit der Fotografie als Quelle und der dargestellten Geschichte anhand verschiedener Ansätze und Methoden im Vordergrund des sehr gelungenen Heftes für die Bildungspraxis stehen.

 

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