Von Lisa Just

„Ufuq“ heißt auf Arabisch und Türkisch „Horizont“. Hinter dem gleichnamigen Webportal steckt die Idee, Auseinandersetzungen mit muslimisch geprägten Jugendkulturen in Deutschland vorzustellen. Bewusst entkoppeln die Betreiber ihr Angebot von populistischen Debatten um Parallelgesellschaften und der Angst vor einer vermeintlichen Islamisierung Deutschlands.

Die Website bietet einen regelmäßig aktualisierten Nachrichtendienst samt Medienspiegel, eine nach verschiedenen Themen sortierte Online-Bibliothek, sowie einen monatlich erscheinenden Newsletter zu politischer Bildungsarbeit mit jungen Muslimen. Ein ausführliches Glossar unterstützt bei der Einarbeitung in Grundbegriffe und Religionsgeschichte des Islam.

Der Ufuq-Newsletter "Jugendkultur, Religion und Demokratie. Politische Bildung mit jungen Muslimen" richtet sich u.a. an Multiplikatoren in der schulischen und außerschulischen Arbeit und soll spezifische jugendkulturelle Phänomene in muslimisch geprägten Milieus dokumentieren und über deren Hintergründe informieren. Ein Schwerpunkt besteht in Informationen zu Themenfeldern, die für die Prävention von demokratiegefährdenden Einstellungen von Bedeutung sind.

In der aktuellen Ausgabe von März 2010 steht das Spannungsfeld von Kultur und Religion im Mittelpunkt. Die Autoren setzen sich mit Vorwürfen auseinander, die das Verhalten muslimischer Jugendlicher gerade in sozialen Brennpunkten häufig mit deren Kultur und Religion erklären. Dieser Kulturalisierungsfalle zu begegnen, ist Anlass genug für die aktuelle Ausgabe. Doch auch die andere Seite der Medaille, nämlich die bewusste Identifikation mit der Herkunft, Religion und Kultur der Eltern und Großeltern, wird hier beleuchtet. Meist entladen sich derartige Spannungen im Schulalltag. Darum widmet sich Jochen Müller, der Leiter des Webportals ufuq.de, Möglichkeiten um zu kurz gegriffene Zuschreibungen beider Seiten aufzulösen. Zusätzlich hat er eine Reihe nützlicher Materialien zur interkulturellen Bildungsarbeit zusammengetragen.

An dieser Stelle möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf die August-Ausgabe 2009 (Nr.13/14)  richten, die sich u.a. „Glaubenswahrheiten“ im Religionsunterricht beschäftigt. Die Religions- und Islamwissenschaftlerin Jeanette Spenlen fasst darin die Diskussion um das neue Islam-Schulbuch Saphir zusammen, indem sie sich differenziert mit kritischen Stimmen von Seiten einiger muslimischer Verbände auseinandersetzt. Zu Tage treten dabei grundsätzliche Unterschiede in den Vorstellungen über die Inhalte und Ziele eines schulischen Islamunterrichts. So legten die Herausgeber bei der Konzeption des Religionsbuches Wert darauf, dass Saphir sich von religiöser Erziehung in Familie und Gemeinde unterscheidet. Es gehe im Religionsunterricht vor allem um „eine reflektierte Aneignung und Auseinandersetzung mit religiösen Inhalten“, so Harry Harun Behr, Mitherausgeber des Buches und Professor für Islamische Religionslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Einige Vertreter der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) kritisieren hingegen, dass in dem Schulbuch die Vermittlung islamischer Werte und Rituale als „Glaubenswahrheit“ zu kurz kommen. Jeanette Spenlen vermeidet in dieser teilweise hitzigen Diskussion eine eigene Positionierung und möchte so zu einer verstärkt inhaltlichen Auseinandersetzung jenseits von Verdächtigungen und gegenseitigen Vorwürfen anregen.

Mehr Hintergrundberichte und Stimmen von Muslimen zum Thema Islamunterricht versammelt die Dezember-Ausgabe 2009 (Nr. 15) des Ufuq-Newsletters.

Weitere Newsletterausgaben befassen sich mit dem Verhältnis von Ramadan und Schulalltag, interkultureller Bildungsarbeit, Fragen rund um „islamische Identität“, Homophobie und Diskriminierung.

Die Qualität der Berichterstattung ist auf einem sehr hohen Niveau und dient Pädagoginnen und Pädagogen als wertvolle Quelle für den pädagogischen Alltag – auch und gerade außerhalb des Religionsunterrichts.

Verbesserungswürdig ist einzig die Übersichtlichkeit des Newsletterarchivs, das leider keine Inhaltsübersichten der einzelnen Ausgaben bietet, sodass eine gezielte Suche nach bestimmten Themen etwas umständlich ist.

Ihnen fallen auf Anhieb Fragen zum Thema interreligiöses Lernen ein, Sie haben selbst schon praktische Erfahrung damit gesammelt oder hätten Lust zu diesem Thema zu arbeiten?
Nehmen Sie doch die Gelegenheit wahr, Ihre Fragen oder Erfahrungen zu teilen. Ein Chat mit Dr. Jochen Müller, Islamwissenschaftler und Leiter von Ufuq.de bietet dafür die beste Gelegenheit. Besuchen Sie dafür einfach am 21. April 2010 um 17 Uhr den nächsten Expertenchat im „Teilnehmen & Vernetzen“ -Bereich von Lernen aus der Geschichte.

Zum Webportal Ufuq.de

 

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