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Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Erst im Jahre 1994 wurde durch Streichung des § 175 aus dem Strafgesetzbuch der BRD männliche Homosexualität in Deutschland wirklich straffrei. In einem symbolischen Akt entschuldigte sich der Deutsche Bundestag 2002 offiziell bei den homosexuellen Opfern des Nazi-Regimes und hob mit einer Ergänzung des NS-Aufhebungsgesetzes alle Urteile aus der NS-Zeit auf. Der Anstoß für ein öffentliches Denkmal in Berlin ging auf die Initiative „Der homosexuellen NS-Opfer gedenken“ und den Lesben- und Schwulenverband (LSVD) zurück. Nach 15 Jahren Lobbyarbeit wurde das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen schließlich in Berlin-Tiergarten am 27. Mai 2008 eingeweiht.

Die Grundlage dafür wurde durch die beginnende historische Aufarbeitung der Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus seit den 1980ern bereitet. In den ehemaligen Konzentrationslagern Sachsenhausen, Dachau, Buchenwald, Neuengamme und Mauthausen wurden Gedenksteine und -tafeln eingerichtet, um an das Leid der homosexuellen Gefangenen zu erinnern. Zudem finden sich Denkmäler an zentralen Orten in Amsterdam, San Francisco, Frankfurt am Main und seit 2008 in Berlin.

Das Berliner Denkmal entstand nach dem Entwurf des dänisch-norwegischen Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset: ein grauer Betonquader, in den ein kleines Sichtfenster eingelassen ist. Ein Blick hinein zeigt den Besucherinnen und Besuchern eine etwa einminütige Kussszene zweier Männer. Alle zwei Jahre soll der Film durch einen neuen Beitrag verschiedener Künstlerinnen und Künstler ersetzt werden, die ihre Interpretation einer gleichgeschlechtlichen Kussszene zeigen. Auf diese Weise soll sich das Denkmal ständig verändern und zugleich der - u.a. von der Zeitschrift „Emma“ hervorgebrachten - Kritik entgegengewirkt werden, es würden lesbische Frauen nicht repräsentiert.

Das Denkmal steht an einem stark symbolisch aufgeladenen Ort. Vier große Denkmäler befinden sich in unmittelbarer Nähe: Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das Brandenburger Tor, die Neue Wache und das sowjetische Ehrenmal. Diese Lokalisierung weist auf die gestiegene Bedeutung hin, die der Homosexuellenverfolgung in der Erinnerungslandschaft der Bundesrepublik zugewiesen wird. So schlägt auch der Text auf der Informationsplakette vor dem Denkmal eine Brücke in die Gegenwart: „Mit diesem Denkmal will die Bundesrepublik Deutschland die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wachhalten und ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen.“

Führungen am Denkmal

Interessierten Schulklassen und Jugendgruppen bietet der LSVD eine einstündige Einführung zur Geschichte des Denkmals und der nationalsozialistischen Homosexuellenverfolgung an. Die Veranstaltungen finden direkt am Denkmal oder im nahegelegenen Ort der Information (unter dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas) statt.

Kontakt

Alexander Zinn
Mitglied im Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
c/o Bildungs- und Sozialwerk des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (BLSB) e.V., Kleiststr. 35, 10787 Berlin
Email: info [at] homosexuellen-denkmal [dot] de

Weitere Informationen zum Denkmal finden Sie auf den Seiten von Rosa Winkel. An dieser Stelle finden Sie Näheres zum ersten Mahnmal für im NS verfolgte Homosexuelle in Frankfurt am Main.

 

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Mahnmal auch in Köln

Ein Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln erinnert seit 1995 an prominenter Stelle im Stadtbild von Köln, am Rheinufer an der Hohenzollernbrücke, hauptsächlich an die damalige Homosexuellenverfolgung. Damit wurde am 24. Juni 1995 in Köln das zweite nicht als Gedenktafel gestaltete Mahnmal in Deutschland zum Gedenken an die Verfolgung von Homosexuellen aufgestellt.
Siehe
http://www.rosa-winkel-mahnmal.de/
oder
http://de.wikipedia.org/