Projekt

Flossenbürg - Lager und Region

Eckdaten

Ort/Bundesland: Bayern
Institution: AG ehemaliges KZ Flossenbürg
Autor: Hans Simon-Pelanda
Altersgruppe: 12 Jahre und älter

Bibliografie

  • Muggenthaler, Thomas / Simon-Pelanda, Hans: Ihrer Stimme Gehör geben. Lebenserinnerungen und Berichte zum ”vergessenen” KZ Flossenbürg, München 1998
  • Museumspädagogisches Zentrum München (Hg.): Erinnern statt Vergessen. Rundgang durch die KZ-Grab-und Gedenkstätte Flossenbürg, München 1995
  • KZ Flossenbürg e.V. (Hg.): Erinnerung. Eine Ausstellung. Kunst -KZ - Flossenbürg. Werke ehemaliger Gefangener aus dem KZ Flossenbürg und junger deutscher Künstler, Regensburg 1996
  • Klausch, Hans-Peter: Widerstand in Flossenbürg, Oldenburg 1990

Projekt Kontakt

Dr. Hans Simon-Pelanda
Rote-Hahnen-Gasse 6
D-93047 Regensburg
Tel.: +49 (0) 9 41 5 82 64
Fax: +49 (0) 9 41 5 82 64

Seit 1990 führt die "Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg e.V." Recherchen zum ehemaligen Konzentrationslager, zu seinen Außenlagern und zu den Todesmärschen der Häftlinge durch. Je nach Entfernung zum Hauptlager, heute ein Lern- und internationaler Begegnungsort, erkunden Jugendliche und Erwachsene dabei zu Fuß, per Fahrrad oder Bus die Region und besuchen Informationsveranstaltungen.

Konzept

Bei dem Projekt "KZ Flossenbürg - Lager und Region" handelt es sich um ein 1990 von der "Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg e.V." entwickeltes Gesamtkonzept für eine regionale Gedenkstättenarbeit in Ostbayern, Sachsen und in der tschechischen Republik. Die Region beschreibt sowohl die derzeitigen politischen Einheiten Bayern, Sachsen, Westböhmen in der tschechischen Republik als auch die historische Region, in der von den Nationalsozialisten durch ein Netz von Außenlagern des KZ Flossenbürg ein eigener Wirtschaftsraum geschaffen wurde, in dem die Gefangenen zu Tode geschunden wurden (siehe pdf-Dokumente).

Nach 1945 wurde die Erinnerung an das Lager in der BRD (Bayern), der ehemaligen DDR (Sachsen) und in der Tschechoslowakei (Westböhmen) ganz unterschiedlich bewertet und gepflegt. Begreift man Flossenbürg heute als einen internationalen Lernort, so muss Erinnerung die ganze Geschichte umfassen. Daraus erwächst die Aufgabe, die unterschiedlichen Formen des Gedenkens und Erinnerns in ein die Staatsgrenzen überwindendes Modell von Zusammenarbeit und Solidarität weiterzuentwickeln.

Realisierung des Konzepts

Das Konzept dazu wurde in einer Reihe von Einzelprojekten konkretisiert und erprobt. Beteiligt waren Schulklassen aller Schultypen ab der Sekundarstufe I, Studierende, aber auch (teilweise multinationale) Lehrergruppen im Rahmen der Lehrerfortbildung sowie Jugend- und Gewerkschaftsgruppen. Es ist ein offenes, teilnehmerorientiertes Projekt, das die jeweilige Gruppe, ihre Interessen sowie ihren Ausgangsort (Heimat) in die Erkundungen einbezieht, weswegen kein Projekt mit dem anderen identisch ist. Je nach Entfernung vom Hauptlager werden Fuß-, Fahrrad- oder Bus-Erkundungen angeboten. Den Teilnehmern wird auf Wunsch vor der Anreise ein Vorbereitungspaket zugeschickt, in dem Orte von Außenlagern, Routen der Todesmärsche oder Begebenheiten, die mit dem KZ Flossenbürg verbunden sind, dargestellt und Vorschläge zur eigenen Recherche vor Ort unterbreitet werden. So kommen die Teilnehmer bereits mit konkreten Vorstellungen, eigenen Rechercheergebnissen und vor allem ihren eigenen Fragen zu den Veranstaltungen.

Noch kann die Arbeitsgemeinschaft Zeitzeugen für Gespräche gewinnen. Wenn uns diese Menschen nicht mehr zur Verfügung stehen, werden wir auf Video- bzw. Audiomaterial von mehr als 150 teilweise ganztägigen Zeitzeugenbefragungen zurückgreifen müssen. Je größer der historische Abstand wird, um so wichtiger werden neue Anknüpfungspunkte, die einen autonomen Zugang der Nachgeborenen zu den historischen Ereignissen ermöglichen. Dies ist nicht durch die nachträgliche Rekonstruktion der "Originale" zu erreichen.

Neben den autobiographischen Zeugnissen gibt es noch Interpretationen der Überlebenden: literarische und künstlerische "Erinnerungen" als bleibende authentische Zeugen. In der Ausstellung "Erinnerung" wurden mehr als 70 Zeichnungen aus dem Lager bzw. Werke, die von Überlebenden nach der Befreiung geschaffen worden sind, vereinigt (siehe pdf-Dokumente).

Historischer Rückblick

In der zweiten Aprilhälfte 1945 beginnt die SS, die Gefangenen aus dem KZ Flossenbürg auf verschiedenen Routen zu evakuieren, denn über Nürnberg rücken die amerikanischen Befreier vor. Ziel ist die ominöse "Alpenfestung" und das KZ in Dachau, von wo diese Vernichtungsmaschinerie ihren Ausgang genommen hatte. Im völlig überfüllten Lager drängen sich mehr als 15.000 Gefangene aus ganz Europa, Zehntausende zusätzlich in den zahlreichen Außenkommandos wie Regensburg, Saal, Hersbruck oder Litomerice, darunter auch Frauen. Kein KZ-Sklave soll in die Hände der Alliierten fallen - nach diesem Vorsatz treibt man die vom Tod Gezeichneten durch die Oberpfalz.

Auf diesen Todesmärschen kommen Tausende ums Leben - verhungert, sind den Strapazen nicht mehr gewachsen, werden kurz vor ihrer Befreiung umgebracht... Die Bevölkerung erlebt den Massenmord in ihren Dörfern mit, bis amerikanische Truppen wenigstens einen Teil der Todgeweihten befreien können. Was erdulden die Gefangenen? Was haben einzelne Oberpfälzerinnen und Oberpfälzer gesehen? Woran erinnern sie sich, was haben sie vergessen? Was erinnert an die Todesmärsche und die vielen Toten? Was blieb von den Gräbern der Nachkriegszeit?

 

Kommentar hinzufügen