Projekt

Schönholzer Heide - ein widersprüchlicher Ort der Erinnerung

Eckdaten

Ort/Bundesland: Berlin
Institutionen: Museumsverbund Pankow, Ossietzky-Oberschule Berlin-Pankow
Autorinnen: Andrea Rudorff, Ulrike Huhn
Altersgruppe: 16 Jahre und älter
Fach: Geschichte

Bibliografie

  • Glogiewicz, Wojtek: Ganz Grabowiec war in Berlin. Polnische Insassen des Luna-Lagers in Berlin-Schönholz. In: Zwangsarbeit in Berlin 1938-1945, Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen (Hg.), Bräutigam, Helmut / Fürstenberg, Doris / Roder, Bernt (Red.)
  • Für den Frieden. Gedenkstätten und Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Berlin, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin (Hg.)

Projekt Kontakt

Ulrike Huhn, Andrea Rudorff
Museumsverbund Pankow
Prenzlauer Allee 227
D-10405 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 90295 3917
Fax: +49 (0)30 90295 3918

Schüler des Ossietzky- Gymnasiums in Berlin-Pankow recherchierten in einwöchiger Projektarbeit in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Pankow im örtlichen Park Schönholzer Heide die Geschichte eines 1947 bis 1949 errichteten sowjetischen Ehrenmals, einer Kriegsgräberstätte und eines Zwangsarbeitslagers. Sie rekonstruierten Biografien von Opfern und präsentierten die Ergebnisse ihrer Arbeit zum Tag des offenen Denkmals am 11. September 2005 durch temporäre Informationstafeln sowie Führungen im Gelände.

Projektidee

Die Schönholzer Heide in Berlin-Pankow ist ein Ort, dessen historische Bedeutung sich nicht gleich auf den ersten Blick erschließt. Auch die Schüler/innen des nahe gelegenen Ossietzky-Gymnasiums haben die Heide bisher vor allem als Park wahrgenommen. Pankower kennen lediglich das im Norden des Volksparks zwischen 1947 und 1949 entstandene monumentale Sowjetische Ehrenmal. In einem einwöchigen Projekt in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Pankow erkundeten die Schüler/innen des Geschichtsprofilkurses die Geschichte des Ehrenmals, aber auch zwei weiterer historische Anlagen, die auf den Zweiten Weltkriegs verweisen: Die Kriegsgräberstätte, auf der 352 Soldaten, Zivilisten aber auch Zwangsarbeiter beerdigt wurden, die während der Endkämpfe um Berlin im April und Mai 1945 starben sowie das Zwangsarbeiterlager („Luna-Lager“), in dem ab 1940 ausländischen Zwangsarbeiter untergebracht waren, die zur Arbeit in den Bergmann-Elektrizitätswerken in Wilhelmsruh gezwungen waren. Nur ein Hochbunker erinnert noch an diese Anlage.

Arbeitsmethoden

In Gesprächen mit Zeitzeugen und aufgrund von Unterlagen aus Archiven rekonstruierten die Schülerinnen die Geschichte der drei Orte und damit verbundene biographische Schicksale. Zum Beispiel konnte Frau Strehlow ausfindig gemacht werden, die Modell für die Skulptur der trauernden Mutter in der Gedenkanlage des Sowjetischen Ehrenmals gesessen hatte, sowie Anwohnerinnen, die sich an die Bauarbeiten erinnerten.

Aufgrund der Gräberliste für die Kriegsgräberstätte konnten die Schüler herausfinden, an wie vielen Stellen in Pankow Notbeerdigungsplätze existiert hatten – häufig zum Beispiel auf Schulhöfen und Sportplätzen. Erst einige Jahre nach dem Krieg wurden die meisten Leichen in die Kriegsgräberstätte umgebettet. Eine Karte wurde angefertigt, auf der die Notbeerdigungsstätten in Pankow markiert sind. Da viele der ehemaligen Zwangsarbeiter/innen aus dem Luna-Lager bereits gestorben sind oder in Polen und der Ukraine leben, konnten mit ihnen keine Zeitzeugengespräche durchgeführt werden.

Mit ihren Biographien machten sich die Schüler jedoch durch Briefe, Interviews und Fotos vertraut, die im Rahmen einer Ausstellung der Berliner Regionalmuseen gesammelt worden waren. Auch durch Expertengespräche (zum Beispiel in der – zu diesem Zeitpunkt noch nicht eröffneten - Zwangsarbeitergedenkstätte in Nieder-Schöneweide oder in der für Kriegsgräber zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) konnten die Schülerinnen ihr Wissen erweitern.

Präsentation der Ergebnisse

Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September 2005 führten sie interessierte Berliner/innen über das Gelände und gaben ihr Wissen preis. Temporäre Informationstafeln wurden an den drei Standorten aufgestellt, die über die Geschichte der Orte und Hintergründe informierten. Die Führungen wurden von einem Fernsehteam des RBB gefilmt und in der Abendschau des Berliner Regionalfernsehens RBB ausgestrahlt. Im Rahmen der Ausstellung „Denkmäler-Gedenken an den Krieg“ des Arbeitskreises Berliner Regionalmuseen und des Vereins Denk mal an Berlin e.V. konnten die Projektergebnisse im Dezember 2005 in der Wandelhalle des Roten Rathauses von Berlin gezeigt werden.

 

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