Projekt

Kriegsende und Nachkriegszeit in Berlin und Kołobrzeg

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Eckdaten

Ort/Bundesland: Berlin
Schulen: Rosa-Luxemburg-Gymnasium Berlin-Pankow, Henryk-Sienkiewicz-Lyceum Kołobrzeg
Autorinnen: Andrea Rudorff, Ulrike Huhn
Altersgruppe: 16 Jahre und älter
Länder: Deutschland, Polen
Fach: Geschichte

Bibliografie

  • Museumsverbund Pankow (Hg.): Geschichte der Erinnerung. Kriegsende und Nachkriegszeit in Berlin-Pankow und Kolberg/ Kołobrzeg [Historia Pamięci. Koniec Wojny i czas powojenny w Berlinie-Pankow i w Kołobrzegu], Berlin: 2005
  • Dorrier, Rudolf: Pankow. Nachdruck der kleinen Chronik, Berlin: 2000
  • Gröschner, Annett: Ich schlug meiner Mutter die brennenden Funken ab. Berliner Schulaufsätze aus dem Jahr 1946, Berlin: 2001
  • Kroczyński, Hieronim (Hg.): Kronika Kołobrzeska, Kołobrzeg: 2000

Projekt Kontakt

Ulrike Huhn, Andrea Rudorff
Museumsverbund Pankow
Prenzlauer Allee 227
D-10405 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 90295 3917
Fax: +49 (0) 30 90295 3918

Von September 2004 bis Mai 2005 beschäftigten sich Schüler/innen des Henryk-Sienkiewicz-Lyzeums Kołobrzeg und des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums Berlin-Pankow in drei bi-nationalen Gruppen mit biographischen Erkundungen in ihren Heimatstädten, mit den kriegsbedingten Veränderungen im Stadtraum sowie ihrer Bedeutung für die heutige Generation. Dabei setzten sie sich mit dem deutsch-polnischen Verhältnis seit 1945 auseinander und erarbeiteten in zwei gemeinsamen Projektwochen in Berlin und Kołobrzeg eine zweisprachige Präsentation, die sie an beiden Orten vorstellten.

Einleitung

Von September 2004 bis Mai 2005 fand ein gemeinsames Projekt von Schüler(innen) des Henryk-Sienkiewicz-Lyzeums Kołobrzeg und des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums Berlin-Pankow statt. Im Zentrum des Projektes standen die Fragen, welche Kriegsspuren sich bis heute in der jeweiligen Heimatstadt nachzeichnen lassen und welche Bedeutung sie für die Generation der heutigen 16-18jährigen haben. Ein halbes Jahr lang beschäftigten sich die jungen Menschen in drei bi-nationalen Gruppen mit biographischen Erkundungen bei Großeltern und in der Nachbarschaft, mit der Erinnerungskultur in ihren Heimatstädten und mit den kriegsbedingten Veränderungen im Stadtraum.

Die Arbeit mit diesen Themen verlangte natürlich auch eine Auseinandersetzung mit dem deutsch-polnischen Verhältnis seit 1945. Dies geschah vor allem bei den beiden gemeinsamen Projektwochen in Berlin und Kołobrzeg. Das Ergebnis der Arbeit war eine zweisprachige Präsentation, die die Schüler/innen sowohl in Kołobrzeg als auch in Pankow vorstellten. Um die Sprachprobleme während der Begegnungen zu meistern, wurden verschiedene nonverbale Kommunikationsformen ausprobiert. Zugleich dienten diese Methoden auch dazu, sich die unterschiedlichen Perspektiven auf die Geschichte und die Erfahrungen im jeweiligen nationalen Kontexten bewusst zu machen.

Einige der Methoden sollen hier vorgestellt werden.

Geschichtspuzzle

Wie gut kennt man die Geschichte des anderen Landes? Jede nationale Gruppe gestaltete dazu ihre wichtigsten historischen Ereignisse auf Papier. Die jeweils andere Gruppe musste das jeweilige Ereignis, damit zusammenhängend beteiligte Personen, die Jahreszahl und eine Skizze bzw. bildliche Darstellung zusammenpuzzeln.

Mindmap

Was verbinden die Schüler in den beiden Ländern mit der Jahreszahl 1945? Auf weißen Bögen notierten die Schüler/innen ihre Assoziationen und Wege der Tradierung und Vermittlung.

Workshop Erinnerungskultur

Wie werden die Ereignisse des Krieges in Filmen, Büchern und in Denkmälern dargestellt? Gemischte Gruppen erarbeiteten kleine Inszenierungen, die sie den anderen Schülern vorstellen. Dazu gehörte während der Abschlusspräsentation vor Eltern und Lehrern natürlich auch das Ritual der «Vermählung mit dem Meer». Dabei handelt es sich um eine jährlich durchgeführte militärische Zeremonie am 18. März, dem Tag der Befreiung der Stadt Kołobrzeg von der deutschen Okkupation. Zum Zeichen der Wiedergewinnung der Ostseeküste werden von den polnischen Soldaten symbolisch Vermählungsringsringe ins Meer geworfen.

Einführung in die Arbeit mit historischen Fotos

Um bei der eigenen Recherche selbständig mit historischen Fotos umgehen zu können, trainierten die Schüler(innen) die Analyse und Deutung von dokumentarischen Fotos in einem Workshop.

Stadt- und Familiengeschichtliche Erkundungen

Drei Gruppen beschäftigten sich mit folgenden Themen:

Die Gruppe „Biographien“ präsentierte zehn verschiedene Schicksale, die die Vielfalt der Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg sichtbar machen sollten. Auf deutscher Seite spielten die Themen Vertreibung (aus dem heutigen Polen und Jugoslawien), Ersatz der Männerarbeit auf dem Land, Bombardierungen und russische Kriegsgefangenschaft ein Rolle. Für die polnische Seite standen die Themen Zwangsarbeit, Vertreibung (aus dem heutigen Litauen und der Ukraine), Warschauer Aufstand, deutsche und russische Kriegsgefangenschaft und Ankunft im zerstörten Kołobrzeg im Mittelpunkt.

Die Gruppe „Erinnerungskultur“ beschäftigte sich mit dem Gedenken an die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges. Sie befragte Zeitzeugen, startete eine Straßenumfrage zum Thema: „Wie wird heute des 8. Mai gedacht?“, beschäftigte sich mit der Umbenennung von Straßennamen nach dem Krieg und mit Denkmälern, die an diese Zeit erinnern. Außerdem stellte eine Schülerin die Sammlung von Gegenständen ehemaliger deutscher Bewohner in der Umgebung von Kołobrzeg aus, die vom alten Bügeleisen bis zum NS-Abzeichen reichte (siehe Bilder).

Die Gruppe „Stadtraum“ fertigte Stadtportraits von Pankow und Kołobrzeg in einem zeitlichen Vergleich zwischen 1945 und heute an. In Wort und Bild wurden die Orte aus der Vogelperspektive, die Zerstörungen von 1945, die Geschichte öffentlicher Gebäude und des Hafens in Kołobrzeg sowie der öffentliche Nahverkehr in Pankow und die Schönhauser Allee als wichtiger Teil des Stadtraums für die Pankower Schüler beschrieben.

 

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