Projekt

Krieg und Widerstand in der Region Zamość

Eckdaten

Ort/Bundesland: Zamość (Region) / Zamojszczyzna
Schule: Gimnazjum Publiczne im. Róży Zamoyskiej
Lehrerin: Irena Staroń
Altersgruppe: 12 Jahre und älter
Land: Polen
Fach: Geschichte

Bibliografie

  • Madajczyk, Czesław: Zamojszczyzna — Sonderlaboratorium SS. Zbiór dokumentów polskich i niemieckich z okresu okupacji hitlerowskiej, Warszawa: 1979
  • Turowski, J.: Zamojszczyzna w okresie okupacji hitlerowskiej [Die Region Zamość zur Zeit der nationalsozialistischen Besatzung], Warszawa: 1968
  • Sitkowski, W.: Sochy dawniej i dziś [Sochy früher und heute], Zwierzyniec: 2003
  • Matławska, H.: Zwierzyniec [Zwierzyniec], Zwierzyniec: 1991
  • Klukowski, Zygmunt: Dziennik z lat okupacji Zamojszczyzny 1939–1944 [Tagebuch aus der Besatzungszeit In der Region Zamość], Lublin: 1958
  • Jóźwiakowski, Jerzy: Armia Krajowa na Zamojszczyźnie [Die Heimatarmee in der Region Zamość], Lublin: 2001
  • Hryniewiecki, Witold: My z Zamojszczyzny...[Wir aus der Region Zamość], Bd. 1–2, Warschau: 1988
  • Grygiel, J.: Związek Walki Zbrojnej – Armia Krajowa w obwodzie zamojskim 1939 – 1944 [Bündnis bewaffneter Kampf – die Heimatarmee], Warszawa: 1985
  • Adrjański, Z.: Złota księga pieśni polskich [Goldenes Buch polnischer Lieder], Warszawa: 2002

Projekt Kontakt

Irena Staroń
Gimnazjum Publiczne im. Róży Zamoyskiej
Armii Krajowej 36
Polen 22-470 Zwierzyniec
Tel.: 004884 6873275
Fax: 004884 6873275
http://gimrozy.neostrada.pl/

Das Projekt wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Krieg: Besatzung, Widerstand, Völkermord, Vertreibung in der Region Zamość“ (3. Preis) durchgeführt, der 2005 durch das Zentrum KARTA und die Stiftung PZU ausgeschrieben wurde. Es umfasste eine Reihe von Aktionen, die während des Schulunterrichts, aber auch außerhalb der Schule umgesetzt wurden (u. a. ein Besuch des Vernichtungslagers Belzec und ein Treffen mit Zeitzeugen) und den Jugendlichen die regionale Geschichte des Zweiten Weltkriegs näher brachten. Ergebnis dieser unterschiedlichen Aktionen war eine multimediale Präsentation über die Ereignisse in der Region Zamość während des Zweiten Weltkriegs, die bei der Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs in Szczebrzeszyn gezeigt wurde.

Projekt im Rahmen des Wettbewerbs „Krieg: Besatzung, Widerstand, Völkermord, Vertreibung in der Region Zamość“.

Idee des Projektes

Bei der Region Zamość (Zamojszczyzna) handelt es sich um ein Gebiet, das im 20. Jahrhundert besonders gelitten hat. Fast jede Familie kann über tragische Geschehnisse berichten. Auch mein Heimatdorf, Wytłoczka, wurde niedergebrannt und die Einwohner in das Übergangslager in Zwierzyniec getrieben, darunter auch meine Großmutter, meine Mutter und zwei meiner Tanten. In ebene jenem Zwierzyniec befindet sich heute die Mittelschule (pln. gimnazjum 7.-9. Klasse Anm. d. Übersetzerin) in der ich arbeite. Die Schule trägt den Namen von Róża Zamoyski, die mit ihrem Ehemann Jan, ohne Rücksicht auf ihre eigene Sicherheit, den Gefangenen im Lager geholfen hat. In den umliegenden Wäldern kämpften Partisanen, an ihrer Spitze der Kommandant des 9. Infanterieregiments der Heimatarmee Tadeusz Kuncewicz, der den Decknamen „Podkowa“ (Hufeisen) trug. All das brachte mich zu dem Entschluss, das Interesse der Schüler an diesen Themen zu wecken und ein Projekt zu organisieren, das dem Martyrium der Bevölkerung der Region Zamość gewidmet ist. Es gibt zunehmend weniger Zeugen jener Ereignisse, und die Geschichte der heimatlichen Region sollte von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Umsetzung des Projektes

Die Schule, an der ich unterrichte, hat über 300 Schüler. Ich nahm mir vor, das Projekt mit verschiedenen Klassen umzusetzen und auf diese Weise die Anzahl der Schüler zu erhöhen, die Wissen über das Schicksal ihrer Heimat während des Zweiten Weltkriegs erwerben. Bei der Arbeit am Projekt unterstützte mich die Hilfsbibliothekarin Małgorzata Marcola, mit der ich gemeinsam die Literatur auswählte, von der die Schüler im Rahmen des Projektes Gebrauch machten.

Die erste Projektphase

Die Umsetzung des Projektes begann ich mit einer Schulung im ehemaligen Vernichtungslager Belzec. Anschließend machte ich die Schüler im Geschichtsunterricht mit der Entstehungsgeschichte des nationalsozialistischen Lagers vertraut.

Während des Krieges lebten in Zwierzyniec 700 Juden. Die Schüler der dritten Klasse begannen, Material über ihr Schicksal zu sammeln. Dabei war ihnen die von mir vorgegebene Literatur von Nutzen. Aus ihr konnten die Schüler erfahren, dass viele Juden aus unserem Ort in Belzec umgekommen waren.

Als nächstes fuhren wir zum Vernichtungslager in Bełżec. An dem Ausflug nahmen 47 Schüler der dritten Klassen teil. Am Ort des Verbrechens informierten uns Inschriften darüber, woher die ermordeten Juden gestammt hatten. Angegeben war Szczebrzeszyn, das 10 Kilometer von Zwierzyniec entfernt liegt. Von dort wurden die Juden aus Zwierzyniec in Wagons nach Belzec gebracht (siehe das Dokument „Besuch in Belzec“).

Zurück in der Schule unterhielten wir uns über unsere Erlebnisse während des Rundgangs durch das ehemalige Lager. Zudem füllten die Jugendlichen einen Fragebogen mit der Fragestellung „Ist die Vernichtung der Juden ein Bestandteil des lokalen und polnischen nationalen Andenkens?“ aus. 95% der Schüler befand, dass die lokale Bevölkerung das jüdische kulturelle Erbe pflegen solle.

Das Interesse der Schüler am Schicksal der einstigen jüdischen Bevölkerung war groß. In der nächsten Geschichtsstunde erklärten mir die Schüler der Klasse 3b, dass sie gerne den jüdischen Friedhof (kirkut) von Zwierzyniec besuchen würden. Zuvor hatten sie für dieses Thema kaum Interesse gezeigt. Bei der Projektplanung hatte ich zwar einen Besuch des jüdischen Friedhofs nicht vorgesehen, fand aber, dass die Eigeninitiative der Schüler genutzt werden sollte. Also gingen wir zum „Kirkut“ und entzündeten dort Grablichter. Außerdem beschlossen wir, im Frühjahr an diesem Ort ein bisschen Ordnung zu machen.

Die zweite Projektphase

Die nächste Projektphase bestand darin, Material über die Entstehung des Übergangslagers in Zwierzyniec zusammenzustellen. Die Schüler bekamen die Hausaufgabe, mit Hilfe der vorgegebenen Literatur, Informationen zu diesem Thema zu sammeln und die Ergebnisse ihrer Arbeit im Geschichtsunterricht vorzustellen. Ähnlich war das Vorgehen im Falle anderer Orte, die wir besichtigten.

Auf dem Gebiet des Durchgangslagers steht heute eine Kirche, die der Heiligen Mutter Gottes und Königin Polens geweiht ist. An die Leiden der hier einst Inhaftierten erinnert eine Gedenkmauer mit der symbolischen Figur eines gequälten Menschen. Am Mahnmal für das Übergangslager legten wir einen Kranz nieder und entzündeten Grablichter. (siehe das Dokument „Durchgangslager in Zwierzyniec“).

Die Kirche zur Heiligen Mutter Gottes und Königin Polens ist eine Garnisonskirche der Heimatarmee. Auf dem Kirchplatz steht ein Denkmal, das dem 9. Infanterieregiment und ihrem Kommandanten Tadeusz Kuncewicz „Podkowa“ gewidmet ist. Auch dieser Soldaten gedachten wir.

Weitere Themenkomplexe

Ein weiterer Themenkomplex, dem wir mehr Aufmerksamkeit widmeten, waren die so genannten „Pazifizierungsaktionen“. Die uns am nächsten gelegenen „parzifizierten“ Dörfer sind Wywłoczka und Sochy. Zu den tragischen Ereignissen kam es hier am 31. März und 1. Juni 1943. Die Jugendlichen bereiteten Referate zu diesem Thema vor und führten Interviews mit Zeugen dieser schrecklichen Zeit (siehe die Dokumente „Pazifizierungen“ und „Erinnerungen von Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs“).

Die Klasse IIc wiederum bekam die Aufgabe, Informationen über Ereignisse zu sammeln, an die der Name einer Straße in unserer Kleinstadt erinnert, die Straße des 2. Februar. Die Jugendlichen erfuhren auf diese Weise, dass 1944 genau auf dieser Straße zwanzig Geiseln als Vergeltungsmaßnahme für den Tod des deutschen Informanten Artur Ostaszewski erschossen worden waren. Alle Anwohner der Siedlung mussten bei der Hinrichtung zusehen. Im Anschluss an diese Aufgabe gingen wir zu dieser Straße und legten Blumen an der Gedenktafel nieder (siehe das Dokument „Straße des 2. Februar).

Begegnung mit Zeitzeugen

Als nächstes lud ich den Vorsitzenden der Lokalgruppe des „Weltverbands der Soldaten der Heimatarmee“ (Światowy Związek Żołnierzy Armii Krajowej), Jan Jasina und seinen Stellvertreter Czesław Ciupika ein. Beide berichteten den Jugendlichen von den Ereignissen in der Region Zamość während des Zweiten Weltkriegs, von ihrem persönlichen Schicksal und vom Leben als Partisanen. Die Schüler der Klasse IIe hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Einige Fragen zeugten davon, dass die junge Generation trotz des Engagements nicht in der Lage ist, die Geschehnisse von damals ganz zu begreifen (siehe das Dokument „Treffen mit Veteranen“).

Der Ausflug in die Turzyniecki Niederungen

Ein im Rahmen des Projektes vorgesehener Ausflug in die Turzyniecki Niederungen, wo sich die Baracke des Partisanenführers Tadeusz Kucewicz befand, musste wegen schlechten Wetters ausfallen. Dieser Ort befindet sich mitten im Wald, mehrere Kilometer von einer befahrenen Straße entfernt. So beschlossen wir, den Ausflug auf den Frühling zu verlegen. Dann werden uns die Herren vom Weltverband der Soldaten der Heimatarmee begleiten.

Besondere Geschichtsstunden

Im Zuge des Projektes fanden in den Klassen IIIb und IIId auch besondere Geschichtsstunden statt, die den deutschen Überfall auf Polen thematisierten. Dabei nutzte ich die Zeitungen „Kurier Warszawski“ („Warschauer Kurier“) vom 7. September 1939 und „Czas“ („Zeit“) vom 2. September 1939, die in einer von mir eingerichteten Museumsecke mit dem Namen „Dem Vergessen entrinnen“ aufbewahrt werden. Thema einer weiteren Geschichtsstunde waren die Ereignisse im September 1939 in der Region Zamość.

Der künstlerische Teil

Selbständig entwickelte und erarbeitete ich auch den künstlerischen Teil des Projektes zum Thema „Die Region Zamość zur Zeit des Zweiten Weltkriegs“. Er bestand aus Gedichten, Liedern und Texten, die auf der Grundlage der zugängigen Materialien ausgearbeitet worden waren. Die Jugendlichen der dritten Klassen präsentierten ihn beim Appell der Schulgemeinschaft.

Teilnahme an einer wissenschaftlichen Tagung

Wir erhielten außerdem die Einladung an einer wissenschaftlichen Tagung für Jugendliche im Gymnasium Nr. 1 in Tomaszów Lubelski teilzunehmen. Drei Schüler und Schülerinnen bereiteten unter meiner Anleitung Referate über die Geschichte der Region Zamość während des Zweiten Weltkriegs vor.

Abschliessende Ergebnisse

Abschließende Ergebnisse des Projektes waren eine von den Schülern erstellte multimediale Präsentation, die bei der Abschlussveranstaltung des KARTA Wettbewerbs in Szczebrzeszyn vorgestellt wurde, eine Zusammenstellung der gehaltenen Referate über den Krieg und die Interviews mit den Zeitzeugen. Diese Materialien übergab ich der Schulbibliothek, damit andere Schüler und Lehrer von ihnen Gebrauch machen können. Darüber hinaus schufen die Schüler eine kleine Zeitung, die über den Verlauf des Projektes informierte. Sie wurde auf einem Korridor der Schule ausgehängt. Ich hingegen verfasste eine Projektbeschreibung für die Lokalzeitung „Wiadomości Zwierzynieckie“. Auch in zwei regionalen Zeitungen, dem „Tygodnik Zamojski“ und der „Kronika Tygodnia“, wurde über das Projekt berichtet, was den Bekanntheitsgrad der Schule steigerte. Meiner Meinung nach ist jedoch das Wichtigste, dass viele Schüler begonnen haben, sich für die Geschichte ihrer Dörfer und Städte aber auch das Schicksal ihrer Eltern und Vorfahren zu interessieren.
Irena Staroń

Übersetzung: Thekla Lange

 

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