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Projekt

Die "Aussiedlung" der Bewohner von Skierbieszów

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Eckdaten

Ort/Bundesland: Zamość (Region) / Zamojszczyzna
Schule: Allgemeinbildende Oberschule
Lehrer: Mirosław Celiński
Autor: Marcin Bartoń
Altersgruppe: 16 Jahre und älter
Land: Polen
Fach: Fächerübergreifende Arbeitsgemeinschaft, Geschichte

Bibliografie

  • Hryniewiecki, Witold: My z Zamojszczyzny... [Wir aus der Region Zamość], Warschau: 1988
  • Jóźwiakowski, Jerzy: Armia Krajowa na Zamojszczyźnie [Die Landesarmee in der Region Zamość], Bd. 1-2, LublinStadt in Ostpolen, nach der deutschen Besetzung im sogenannten Generalgouvernement (GG). Nach Planungen der SS Stützpunkt für ein Imperium im Osten. Ort des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek für Polen und Juden.: 2001
  • Klukowski, Zygmunt: Dziennik z lat okupacji Zamojszczyzny 1939–1944 [Tagebuch aus der Besatzungszeit in der Region Zamość], Lublin: 1958
  • Kubica, Helena: Zagłada w KL Auschwitz Polaków wysiedlonych z Zamojszczyzny w latach 1942–1943 [Die Vernichtung der aus der Region Zamość ausgesiedelten Polen im KL Auschwitz In den Jahren 1942-1943], Oświęcim-Warschau: 2004
  • Madajczyk, Czeslaw: Zamojszczyzna — Sonderlaboratorium SS. Zbiór dokumentów polskich i niemieckich z okresu okupacji hitlerowskiej, Bd. 1-2, Warschau: 1979
  • Jonigkeit, Elke / Kaminski, Hartmut: Die Kinder von Himmlerstadt. Mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilm, 30 min. BRD: 1983. Der Film versucht, den Ereignissen von 1942/43 nachzugehen, als die deutschen Besetzer planten, Zamosc und die umliegenden 300 Dörfer nach Aussiedlung, 'Pazifikationen' und Vernichtungsaktionen zu 'germanisieren', um den eroberten Ostraum zu sichern. Augenzeugen, die diese mörderische Aktion als Kinder miterlebten, berichten von den verschiedenen Stationen ihres Leidensweges: der Aussiedlung, dem Auffanglager Zamosc, den Zugtransporten kreuz und quer durch Polen. Der Film zeigt jedoch auch Beispiele des Widerstandswillens und der menschlichen Liebe der Bevölkerung. Eine Frau berichtet von einer Kinderrettungsaktion und der mächtigen Demonstration bei der Beerdigung der erfrorenen und verhungerten Kinder. Herr Zamoyski erzählt von einem einfachen Bauern, der sich trotz Lebensgefahr nicht abschrecken ließ, den Kindern im Lager Nahrung zu bringen. Diese Augenzeugenberichte werden ergänzt durch weitgehend unbekanntes dokumentarisches Film- und Fotomaterial aus polnischen Archiven. Der Film will kein lückenloses Gesamtbild rekonstruieren, vielmehr tastet er sich facettenartig an dieses unmenschliche Geschehen heran.

Projekt Kontakt

Mirosław Celiński
III LO
ul. Kilińskiego 15
Polen 22-400 Zamość

An dem von der Stefan Bathory-Stiftung und dem Zentrum Karta 1998 veranstalteten Geschichtswettbewerb „Das wichtigste Ereignis in der Geschichte meiner Heimatstadt - Zeugen und Zeugnisse“ beteiligte sich 1999 in seinem Abiturjahr Marcin Bartoń, Sohn des Bürgermeisters von Skierbieszów, mit diesem Projekt. Er rekonstruierte auf der Basis von Zeitzeugenberichten die Ortsgeschichte und Ereignisse im November 1942, als die Deutschen die Bewohner seines Geburtsortes Skierbieszów "aussiedelten".

Projektidee und Motivation des Autors

Die Wahl seines Themas begründete Marcin Bartoń folgendermaßen: „Die Geschichte einer Ortschaft wird bestimmt durch die Schicksale ihrer Einwohner, und das, was ich beschrieben habe, d.h. Krieg und Aussiedlung, berührten jeden der damaligen Einwohner meines Heimatortes in einem solchen Ausmaß, dass in Zukunft, selbst in ferner Zukunft die Ereignisse vom November 1942 zweifellos die wichtigste Episode in der gesamten Geschichte von Skierbieszów sein werden.“ Die Bevölkerung von Skierbieszów hat alles durchgemacht, was die Planer erdacht hatten, um die Region Zamość zu kolonisieren und zu germanisieren. Hier war ein „Bollwerk“ vorgesehen, das Deutschlands weiterer Expansion nach Osten dienen sollte. In ihren Erinnerungen kehrt die Familie von Marcin Bartoń, immer wieder zu diesen tragischen Erlebnissen zurück. Er selbst schreibt: „Ich bin 17 Jahre. Mein Heimatort ist Skierbieszów. Das wichtigste Ereignis für seine Einwohner ist die PazifizierungBezeichnung der deutschen Besatzungsmacht in Polen für die Zerstörung ganzer Dörfer und Erschießung ihrer Einwohner als Vergeltung für die Teilnahme oder vermutete Teilnahme an Widerstandshandlungen oder Unterstützung von Partisanen. Ab 31.9.1939 durch VO „zur Bekämpfung von Gewaltakten im GG“ und Himmlererlass vom 30 9. 1942 „zur Bekämpfung des Bandenwesens“ Einführung des Prinzip der kollektiven Verantwortung. Die Aktionen wurden von Einheiten der SS, Gestapo und Feldpolizei nach Willkür der Besatzer durchgeführt, bei größeren Aktionen unterstützt durch die Wehrmacht. Insgesamt wurden auf diese Weise  in Polen 440 Dörfer und ihre Bewohner vernichtet., deren Folgen tragisch waren. Es gibt in Skierbieszów keine Familie, die infolge der grausamen Handlungen des Okkupanten nicht eine(n) Angehörige(n) verloren hätte. In meiner Familie, die mehrere Generationen zählt, waren die Partisanengeschichte, die mein Großvater erzählte, und die traurigen Geschichten meiner Großmutter, die als Kind „hinter Stacheldraht“ in Zamość gewesen war, häufige Themen. Und diesen tragischen Abschnitt der reichen Geschichte von Skierbieszów möchte ich beschreiben.“

Historische Einführung: Der Plan für die Region Zamość

Am 22. Juni 1941 begann das Unternehmen BarbarossaTarnname für die Vorbereitung des Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, vorbereitet seit 1940 und am 18. September 1940 in der Anweisung Nr. 21 von Hitler bestätigt. Mit dem Angriff auf die bisher mit dem Dritten Reich verbündete UdSSR wurde eine neue Etappe des Zweiten Weltkriegs eröffnet und die antifaschistische Koalition erweitert. Anfänglich erlitt die Rote Armee gewaltige Verluste, so dass deutsche Truppen relativ rasch große Gebiete der Ukraine, Weißrusslands und der baltischen Republiken besetzen und bis kurz vor Moskau vorstoßen konnten., Deutschland überfiel die SowjetunionIst die Kurzbezeichnung für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR). Sie wurde nach dem Ende des russischen Reiches (1917) im Dezember 1922 gegründet. Bis zu ihrem Zerfall im Jahr 1991 Bildete sie das politische Zentrum des Ostblocks (auch Warschauer Vertragsstaaten) und des real existierenden Sozialismus. Die Sowjetunion umfasste etwa das Territorium der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) sowie Estlands, Lettlands und Litauens.	, ihren bisherigen Verbündeten. Damit erhielt das Generalgouvernement (GGBezeichnung für die nach Kriegsbeginn (1.9.1939) besetzten polnischen Gebiete, die nicht dem Deutschen Reich eingegliedert wurden, unterteilt in die vier Distrikte Krakau, Radom, Warschau und Lublin mit zusammen 12 Millionen Einwohnern. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22.6.1941 Annexion des Gebiets um Lemberg (Lwow) als 5. Distrikt Galizien. Das GG umfasste eine Fläche von 94.000 km2, auf der ca. 12 Millionen Menschen lebten (ca. 10 Mio. Polen, 1,5 Mio. Juden, 650.000 Deutsche und über 500.000 Ukrainer und Weißrussen). Die Hauptstadt war Krakau, wo der Generalgouverneur Dr. Hans Frank residierte. Amtssprachen waren Deutsch und Polnisch. Abschaffung des polnischen Schul- und Bildungswesen bis auf die Grundschule, Raub und Zerstörung polnischer Kulturgüter. Die polnische Bevölkerung war Hunger Verschleppung zur Zwangsarbeit nach Deutschland, Aussiedlung, öffentliche Erschießungen, „Pazifikationen“ von Dörfern ausgesetzt. Die jüdische Bevölkerung 1942-1944 in Ghettos eingesperrt wurde bis Ende 1943 fast vollständig ermordet.) als wichtiger strategischer Punkt eine neue Dimension. Mitte Juli 1941 erschien auf Einladung des blutigen SS- und Polizeiführers Odilo Globocnik1904-1945. Geboren in Triest , Beruf Bauleiter, 1922 in Kärnten Eintritt in die NSDAP, 1932 in die SS, 1933 stellv. NSDAP Gauleiter in Kärnten, von Mai 1938 bis Januar 1939 Gauleiter von Wien, ab November 1939 SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin, ab Mitte 1942 ebenfalls Chef der NSDAP im Distrikt Lublin, verantwortlich für die Vernichtung der Juden im Generalgouvernement (so genannte Aktion Reinhardt), der Plan, einen deutschen Siedlungs-bezirk im Distrikt Lublin zu errichten, von ihm angeregt und  ausgeführt. Im Juli 1943 nach Triest auf den Posten eines Höheren SS- und Polizeiführers versetzt, Nach Festnahme durch die Briten Selbstmord. der Führer der SS und Chef der Reichspolizei Heinrich HimmlerGeboren 1900 in München, Vater Gymnasialdirektor. 1922 Dipl.-Landwirt. 1923 Teilnahme am Hitlerputsch. 1929 "Reichsführer SS". Juni 1936 Chef der deutschen Polizei. Befehlsgewalt über den gesamten SS Terrorapparat. 1939 Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums, zuständig für die Germanisierung und "Umvolkung" in den besetzten Ostgebieten".1943 Reichsinnenminister. Verantwortlich für die Errichtung des Nazi-Terrorapparates in den besetzten Ländern und für die Durchführung der "Endlösung" (Ermordung der Juden in Europa). Nach der Kapitulation und gescheiterten Flucht in britischer Gefangenschaft Selbstmord am 23. Mai 1945. in der Region LublinStadt in Ostpolen, nach der deutschen Besetzung im sogenannten Generalgouvernement (GG). Nach Planungen der SS Stützpunkt für ein Imperium im Osten. Ort des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek für Polen und Juden.. Er besichtigte Lublin, Zamość und Umgebung und hörte sich an, was man ihm über die Traditionen der dortigen deutschen Kolonien berichtete. Während Himmler Friedhöfe und andere Spuren der deutschen Anwesenheit besichtigte, entfaltete Globocnik vor ihm die Vision einer vollständigen GermanisierungTarnbegriff der Nationalsozialisten für Vertreibung slawischer Völker aus besetzten Gebieten, wo anschließend »Volksdeutsche« angesiedelt werden sollten. Begriff auch für die von Heinrich Himmler betriebene rassistische Politik der »Eindeutschung« von Kindern aus den besetzten Gebieten in deutsche Familien. Bei blonden und blauäugigen Kindern vermuteten Nazis »germanische Erbanlagen«. der Region und ihrer Möglichkeiten als Ausfallstors nach Osten (Zamosc wurde 1942-43 „Himmlerstadt“, die zur Kolonisierung vorgesehene Region „HimmlerlandDer Ausdruck „Himmlerland” existiert auf Polnisch als Titel der 10. Folge der TV-Serie „Polskie Drogi” aus den 1970-/1980er Jahren. In der genannten Folge  geht es um die im vorliegenden Projekt geschilderte Aussiedlungsaktion, den polnischen Widerstand dagegen und insbesondere um das Schicksal der jüdischen Adoptivtochter eines der beiden ethnisch polnischen Helden der Serie. Das Mädchen, das aus Sicherheitsgründen in ein katholisches Schwesternheim in der entlegenen „Region Zamosc” gegeben wurde, wird mit den anderen Heiminsassinnen bei der Aussiedlung zur Adoption nach Deutschland verschleppt.“ genannt).

Himmler, der durch diese großen Pläne geblendet war, ernannte, ohne mit der Verwaltung des GG Verbindung aufzunehmen, Globocnik zu seinem Bevollmächtigten. Er ordnete auch an, dort ein KZ für 25-50.000 Häftlinge zu errichten, die Arbeiten aufzunehmen, um ein großes Ansiedlungsgebiet für Deutsche zu schaffen, Einwohner deutscher Abstammung zu suchen und für sie Schulen und Werkstätten einzurichten. Nach Vorbereitungen wurde 1942 mit der Ausführung des Plans begonnen. Als erste Umsiedlungsgebiete bestimmte Himmler die Kreise Zamość und Lublin. Es wurde vereinbart, Einzelheiten der Aktion bis Ende September auszuarbeiten und dass der beste Moment für ihren Beginn Mitte November sei.

Den ganzen August und September über arbeitete Globocniks Stab an einem detaillierten Aussiedlungsplan. Dieser sah vor, alle in diesem Gebiet lebenden Polen zu entfernen und setzte die Einteilung der Bevölkerung in vier Hauptkategorien voraus:

Kategorie I und II sollten Personen umfassen, die nordische Merkmale aufwiesen und zur Germanisierung vorgesehen waren. Sie waren auszusondern und nach LodzStadt Lodz im 1939 annektierten Teil Polens, umbenannt in Litzmannstadt. Erstes größeres Ghetto, im Frühjahr 1940 eingerichtet. Im Juni 1940 lebten 157.000 Menschen auf einem Areal von 4 km unter unzureichenden Bedingungen. Im Oktober 1941 kamen 20.000 deutsche, österreichische, luxemburgische und tschechische Juden dazu sowie 5.000 Sinti und Roma aus dem Burgenland, die in einem separaten Teil des Ghettos inhaftiert wurden. Zwischen Januar 1942 und Juli 1944 Deportationen zur Vernichtung nach Chelmno. 1944 Auflösung des Ghettos und Deportation von ca. 60.000 Menschen nach Auschwitz. zu bringen, wo sie endgültig auf ihre „Rassenmerkmale“ untersucht werden sollten.

Kategorie III war für arbeitsfähige Personen vorgesehen, die zur ZwangsarbeitSchon ab 1936 wurden Sinti und Roma in kommunale KZ eingewiesen und mussten Zwangsarbeit leisten. Ende 1938 Zwangsarbeit für "Asoziale" und arbeitslose Juden. Im Krieg wurden KZ-Häftlinge und zwangsrekrutierte Zivilarbeiter aus den besetzten Ländern, vor allem aus Osteuropa, zur Arbeit in der deutschen Industrie, Landwirtschaft sowie der Bau- und Rüstungswirtschaft gezwungen und in mehr als 30.000 Lagern unter brutalen Bedingungen ("Vernichtung durch Arbeit") ausgebeutet. Die Anklage im Nürnberger Prozess ging von einer Gesamtzahl von 12 Millionen Zwangsarbeitern aus. ins Reich geschickt werden sollten; arbeitsunfähige Personen (d.h. Kinder unter 14 Jahren und Personen über 60 Jahre) plante man, in „Rentendörfern” unterzubringen. Ein Teil der Kinder sollte später ebenfalls germanisiert werden. Die Gruppe der Kategorie IV umfasste Personen, die in KonzentrationslagerKonzentrationslager (NS- Abkürzung: KL), nach 1933 eingerichtet zur Ausschaltung politischer Gegner, zur Einschüchterung der Bevölkerung und zur Isolierung und Vernichtung unerwünschter sozialer, ethnischer und religiöser Minderheiten sowie Kriegsgefangener. Der SS unterstellt, waren die Lager der ordentlichen Rechtsprechung entzogen. Der Tod von Millionen Menschen durch unzureichende Ernährung und Unterbringung, durch Zwangsarbeit, Krankheiten und Misshandlungen war beabsichtigt. Bis 1945 gab es im NS-Machtbereich tausende Lager, Nebenlager und Außenkommandos., hauptsächlich nach Auschwitz verbracht werden sollten (Arbeitsunfähige, Kranke und Behinderte oder rassisch „Wertlose”).

Am 22. November 1942 erließ Globocnik eine ins Einzelne gehende Verordnung bezüglich der Ansiedlung im Kreis Zamość. Kurz vor Beginn der Aktion wurde auf seinen Befehl eine 500 Mann starke „Abteilung zur besonderen Verwendung” aufgestellt, die aus dem 25. Polizeiregiment in Lublin ausgesucht worden war.

Bereits im November 1942, gegen Ende der Aussiedlungsvorbereitungen übernahm die Umsiedlungszentrale – Abteilung Zamość das ehemalige Kriegsgefangenenlager in der ulica Lubelska in Zamość für ihren Bedarf.

Die Aussiedlung begann um 01.00 Uhr in der Nacht vom 27. auf den 28. November 1942. An diesem ersten Tag wurden die Dörfer Skierbieszów, Zawoda, Lipina Nowa und Sady ausgesiedelt, am zweiten Tag drei Ortschaften in nächster Nähe.

Projektbericht

Der Verfasser trug Berichte von vier Einwohnerinnen aus Skierbieszów zusammen, die als Kinder die Aussiedlung erlebt hatten. Sie erzählten darin, wie die Aktion selbst aussah, nach der im Dorf nur diejenigen zurück blieben, die als billige Arbeitskräfte vorgesehen waren, und auch diejenigen, die die VolkslisteDie „Deutsche Volksliste“ (vollständige Bezeichnung) wurde 1941 auf Grund eines Erlasses von Reichsinnenminister Wilhelm Frick und Heinrich Himmler in seiner Eigenschaft als Kommissar für die Festigung des deutschen Volkstums eingeführt. Nach ihr wurde die Bevölkerung in den besetzten europäischen Gebieten in vier Kategorien eingeteilt. Kategorie I: Personen deutscher Nationalität, die sich vor 1939 zu Gunsten des Reichs betätigt hatten. Der Kategorie II: Personen deutscher Nationalität, die passiv geblieben waren. Kategorie III: Personen deutscher Abstammung gezählt, die teilweise polonisiert waren, z.B. durch Eheschließung mit einem/r polnischen Partner/in oder durch Arbeitsverhältnisse (hauptsächlich Schlesier und Kaschuben). Kategorie IV: Personen deutscher Abstammung, die polonisiert waren und die Germanisierung unterstützten. Wer zu einer dieser Kategorien gehörte, aber seine Bindungen an Deutschland abstritt, wurde sehr streng behandelt. Personen der III. und IV. Kategorie wurden zur Arbeit nach Deutschland geschickt und zur Wehrmacht eingezogen. unterschrieben hatten. Sie beschrieben den Grauen erregenden Aufenthalt im Übergangslager in Zamość, wo die Menschen nach vorheriger Selektion auf verschiedene Baracken verteilt wurden (siehe pdf-Dokument Nr. 1: Bericht von Maria Szewera und pdf-Dokument Nr. 2: Bericht von Wanda Bartoń).

Danach fanden die nächsten Selektionen statt, die über das weitere Schicksal entschieden und häufig mit der Trennung der Familie endeten. Die einen Mitglieder wurden umgesiedelt, wie Wanda Bartoń, die zusammen mit ihrer Mutter und einem ihrer Brüder in ein Dorf bei Garwolin kam, oder Maria Szewera, die sich in Żelechów wiederfand; die anderen wurden zur Zwangsarbeit ins Reich deportiert, wie Helena Cwener, die zusammen mit ihren Eltern nach Berlin in eine Munitionsfabrik kam (siehe pdf-Dokument Nr. 3).

Doch am tragischsten war das Schicksal derer, die nach Auschwitz verschleppt wurden, wo auf sie zumeist der Tod wartete (siehe Dokument Nr. 4: Bericht von Emilia Kostruba). Nach deutschen Angaben wurden über 2.000 Personen aus der Region Zamość nach Auschwitz verbracht, davon 768 im Dezember 1942. Wie polnische Zeugen berichteten, waren in diesem Transport 48 Jungen, von denen 39 am 23. Februar 1943 durch eine Fenolinjektion ins Herz ermordet wurden.

Die Aussiedlungen hielten bis Juni 1943 an. Weitere Aussiedlungsaktionen im Kreis Zamość wurden den Deutschen durch eine immer stärker werdende Partisanenbewegung unmöglich gemacht. Partisanen griffen die deutschen Einheiten an, wenn diese Dörfer aussiedeln wollten, setzten die Siedlungen deutscher Kolonisten in Brand und störten oder verhinderten den Eisenbahnverkehr. In den 17 Monaten, die der Zamość-Aufstand dauerte – vom 31. Dezember 1943 bis zur vollständigen Vertreibung der Deutschen – , fanden ungefähr 850 Kämpfe und Gefechte statt.

Doch die Folgen für die Region Zamość waren verheerend genug. Insgesamt wurden 290 Dörfer ausgesiedelt oder pazifiziert. 120.000 Menschen wurden ausgesiedelt; darunter waren etwa 30.000 Kinder, von denen etwa 13.000 starben und 4.500 zur Germanisierung nach Deutschland verschleppt wurden.

Unter den vielen Berichten, die der Verfasser sammelte, fehlen lediglich die Zeugnisse derer, die, auch wenn sie vielleicht überlebten, nicht zurückkehren konnten. Tausende von Kindern im Alter von mehreren Monaten bis zu mehreren Jahren waren zur Germanisierung vorgesehen und wurden ihren Familien mit Gewalt fortgenommen. Ihr Aufenthaltsort in Deutschland wurde geheim gehalten, in den Papieren wurden sämtliche Spuren ihrer Herkunft verwischt. Selbst wenn es gelang, „geraubte Kinder“ vor der endgültigen Verschleppung zu bewahren – einen Teil von ihnen stahl oder „kaufte“ die polnische Bevölkerung entlang der Strecke, die diese Geisterzüge fuhren –, so erlangten doch viele von ihnen niemals ihre Identität zurück.