Anne Frank Zentrum (Hg.): Mehrheit, Macht, Geschichte. 7 Biografien zwischen Verfolgung, Diskriminierung und Selbstbehauptung.  Methodenbuch (inkl. DVD) € 29,80,- und Lesebuch € 11,-

Geschichtslernen braucht den interkulturellen Blick, denn gesellschaftliche Minderheiten und Einwanderung haben die Geschichte von jeher geprägt. Darauf gehen die Materialien »Mehrheit, Macht, Geschichte – 7 Biografien zwischen Verfolgung, Diskriminierung und Selbstbehauptung« ein. Sie rücken von der Sicht deutscher Geschichte als Nationalgeschichte ab.

Durch didaktisch aufbereitete Biografien werden in dem Materialpaket Nationalismus, Kolonialismus, Nationalsozialismus, Migration und Krieg so thematisiert, dass alle Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft angesprochen und zu einer Auseinandersetzung mit den Menschenrechten anregt werden. Interkulturelles Geschichtslernen fordert die Jugendlichen auf, die Perspektive zu wechseln, regt Empathie an und fördert ein gemeinsames Geschichtsbewusstsein.

Die authentischen Lebensgeschichten vermitteln, wie sie Diskriminierung, Verfolgung und Krieg erlebt haben. Der zeitgeschichtliche Rahmen beschränkt sich nicht, wie sonst üblich, nur auf die Epoche des Nationalsozialismus, sondern umfasst Beispiele aus der Zeit des Kolonialismus, der Gegenwart sowie Verfolgungsschicksale, die im Geschichtsunterricht bisher vernachlässigt wurden.

  • Anne Frank, die als Kind mit ihrer Familie vor der nationalsozialistischen Judenverfolgung nach Holland fliehen musste, in Amsterdam im Versteck lebte, und darüber Tagebuch schrieb, bis sie durch Denunziation und Deportation im KZ Bergen-Belsen kurz vor der Befreiung umkam. Ihre Lebensgeschichte handelt von Nationalsozialismus, Antisemitismus und Genozid.
  • Zlata Filipović, aus Sarajevo, die als Jugendliche den Bürgerkrieg in Bosnien- Herzegowina erlebte und darüber Tagebuch führte. In ihrer Geschichte geht es um Nationalismus, Krieg und Flucht.
  • Kwassi Bruce aus Togo, der Ende des 19. Jahrhunderts als Kind mit seinen Eltern nach Berlin gebracht wurde, um in einer der Hagenbeck’schen „Völkerschauen“ aufzutreten. Seine Geschichte thematisiert Rassismus und die Situation von Afrikanern in Deutschland.
  • Gülay Cedden, aus der Türkei, die als kleines Kind mit ihrer Familie in die Bundesrepublik kam, wo der Vater seine Ausbildung als Arzt absolvierte. Im Alter von 17 Jahren ging sie mit Eltern und Geschwistern wieder zurück in die Türkei. Ihre Geschichte gibt Einblick in das Thema Arbeitsmigration.
  • Rudolf Duala Manga Bell, Königsohn aus der deutschen Kolonie Kamerun, der in der Kaiserzeit eine deutsche Ausbildung erhielt, dann aber, weil er Widerstand gegen das deutsche Kolonialregime leistete, 1914 hingerichtet wurde. Seine Geschichte beleuchtet den kolonialen Rassismus und Herrschaftsanspruch der Weißen.
  • Petra Rosenberg aus Berlin, Tochter des deutschen Sinto Otto Rosenberg, der Auschwitz und weitere KZ überlebte, den Landesverband der Sinti und Roma in Berlin-Brandenburg gründete und sich Zeit seines Lebens für Bürgerrechte und die Bekämpfung der Vorurteile gegen die Minderheit der Sinti und Roma einsetze. Petra Rosenberg setzt diese Arbeit fort.
  • Stefan Kosiński aus Polen, der 1939 als Jugendlicher die Besetzung seines Heimatlandes durch die deutsche Wehrmacht erlebte. Als seine Liebensbeziehung zu einem Wehrmachtssoldaten entdeckt wurde, wurde er verhaftet und misshandelt. Die Diskriminierung homosexueller Liebe wird mit dieser Geschichte thematisiert.

Jede Biografie wird durch Bild- und Tonmaterial  auf einer Begleit-CD sowie detaillierte Methodenvorschläge und Medientipps ergänzt.

Das Material bietet gute Beispiele, wie interkulturelles Geschichtslernen nicht nur für Jugendliche mit unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Hintergründen in der deutschen Migrationsgesellschaft realisiert werden kann.

Bibliografie

Rainer Ohliger und Hanna Schissler (Hg.): Historisch-politische Bildung in der bundesdeutschen Einwanderungsgesellschaft. Themenheft 4/2006 (Jg. 28) Zeitschrift Internationale Schulbuchforschung des Georg Eckert Instituts für internationale Schulbuchforschung.

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