Mehrheit, Macht, Geschichte | lernen-aus-der-geschichte.de
Klicken und kostenlos helfen!
Empfehlung Unterrichtsmaterial

Mehrheit, Macht, Geschichte

Sieben Biografien zwischen Verfolgung, Diskriminierung und Selbstbehauptung

Bestellen

Anne Frank Zentrum (Hg.): Mehrheit, Macht, Geschichte. 7 Biografien zwischen Verfolgung, Diskriminierung und Selbstbehauptung.  Methodenbuch (inkl. DVD) € 29,80,- und Lesebuch € 11,-

Geschichtslernen braucht den interkulturellen Blick, denn gesellschaftliche Minderheiten und Einwanderung haben die Geschichte von jeher geprägt. Darauf gehen die Materialien »Mehrheit, Macht, Geschichte – 7 Biografien zwischen Verfolgung, Diskriminierung und Selbstbehauptung« ein. Sie rücken von der Sicht deutscher Geschichte als Nationalgeschichte ab.

Durch didaktisch aufbereitete Biografien werden in dem Materialpaket Nationalismus, Kolonialismus, Nationalsozialismus, Migration(Lateinisch: emigrare) Auswanderung, Menschen verlassen für immer oder für eine gewisse Zeit ihren Wohnort aus politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Gründen bzw. aufgrund von Krieg und Naturkatastrophen. In allen historischen Epochen sind Migrationsbewegungen zu beobachten und es wird unterschieden zwischen Binnenmigration - innerhalb eines Landes und internationale Migration - von einem Land in ein anderes. Während des Nationalsozialismus war die Emigration von Künstlern und politisch Verfolgten, Kommunisten und Sozialisten, vor allem aber den aus rassistischen Gründen verfolgten deutschen Juden von großer Bedeutung. In die Flucht getrieben wurden die Unerwünschten bis zum Kriegsbeginn 1939 durch Zerstörung der beruflichen Existenzgrundlagen durch Ausbürgerung, Enteignung von Häusern, Grundstücken und Kapital. Zudem war die Reichsfluchtsteuer zu zahlen. Auch nach dem NS gab und gibt es in der jüdischen Bevölkerung große Wanderbewegungen. und Krieg so thematisiert, dass alle Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft angesprochen und zu einer Auseinandersetzung mit den Menschenrechten anregt werden. Interkulturelles Geschichtslernen fordert die Jugendlichen auf, die Perspektive zu wechseln, regt Empathie an und fördert ein gemeinsames Geschichtsbewusstsein.

Die authentischen Lebensgeschichten vermitteln, wie sie Diskriminierung, Verfolgung und Krieg erlebt haben. Der zeitgeschichtliche Rahmen beschränkt sich nicht, wie sonst üblich, nur auf die Epoche des Nationalsozialismus, sondern umfasst Beispiele aus der Zeit des Kolonialismus, der Gegenwart sowie Verfolgungsschicksale, die im Geschichtsunterricht bisher vernachlässigt wurden.

  • Anne Frank1929 in einer deutsch-jüdischen Familie in Frankfurt am Main geboren. Die Familie Frank emigrierte 1933 nach Amsterdam. Ab Juli 1942 lebte die Familie im Versteck in einem Hinterhaus. Anne Frank dokumentierte das Leben in ihrem Tagebuch. Im August 1944 wurde die Familie durch Verrat entdeckt und über das Lager Westerbork nach Auschwitz deportiert, wo die Mutter starb. Anne Frank und ihre ältere Schwester Margot wurden im Oktober 1944 nach  Bergen-Belsen gebracht, wo beide im März 1945 an Typhus starben. Der Vater überlebte Auschwitz. Anne Franks Tagebuch wurde in vielen Sprachen veröffentlicht., die als Kind mit ihrer Familie vor der nationalsozialistischen JudenverfolgungDie Verfolgung der Juden mit dem Ziel ihres Ausschlusses aus der deutschen Nation war zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Politik. Die Verfolgungsmaßnahmen führten auf der Grundlage von über 2.000 rassistischen Gesetzen und Verordnungen zwischen 1933 und 1945 schrittweise von der Vernichtung der bürgerlichen Existenz und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen im Zweiten Weltkrieg zum Holocaust, der physischen Vernichtung als ethnische und kulturelle Minderheit in Europa. nach Holland fliehen musste, in Amsterdam im Versteck lebte, und darüber Tagebuch schrieb, bis sie durch Denunziation und DeportationZwangsumsiedlung von Juden sowie Sinti und Roma aus ihren Wohnungen zunächst in besondere Unterkünfte, Häuser und städtische Lager, in Osteuropa in Ghettos, KZ, Arbeits- und Straflager sowie Tötungszentren. Deportationen wurden sprachlich als "Aussiedlung" oder "Evakuierung" getarnt, um das eigentliche Ziel, die Ermordung, zu vertuschen. im KZKonzentrationslager (NS- Abkürzung: KL), nach 1933 eingerichtet zur Ausschaltung politischer Gegner, zur Einschüchterung der Bevölkerung und zur Isolierung und Vernichtung unerwünschter sozialer, ethnischer und religiöser Minderheiten sowie Kriegsgefangener. Der SS unterstellt, waren die Lager der ordentlichen Rechtsprechung entzogen. Der Tod von Millionen Menschen durch unzureichende Ernährung und Unterbringung, durch Zwangsarbeit, Krankheiten und Misshandlungen war beabsichtigt. Bis 1945 gab es im NS-Machtbereich tausende Lager, Nebenlager und Außenkommandos. Bergen-Belsen kurz vor der BefreiungBedingungslose Kapitulation Deutschlands, Kriegsende in Europa. umkam. Ihre Lebensgeschichte handelt von Nationalsozialismus, AntisemitismusIn den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts geprägter Begriff für Judenfeindschaft. Als ein Produkt der bürgerlichen Industriegesellschaft ist der Antisemitismus überwiegend politisch, wirtschaftlich und rassistisch motiviert. Er richtet sich gegen Juden als ethnische und kulturelle Minderheit in Europa. Die seit der Antike vorkommende religiös motivierte Judenfeindschaft bezeichnet man als Antijudaismus. und Genozid.
  • Zlata Filipović, aus Sarajevo, die als Jugendliche den Bürgerkrieg in Bosnien- Herzegowina erlebte und darüber Tagebuch führte. In ihrer Geschichte geht es um Nationalismus, Krieg und Flucht.
  • Kwassi Bruce aus Togo, der Ende des 19. Jahrhunderts als Kind mit seinen Eltern nach Berlin gebracht wurde, um in einer der Hagenbeck’schen „Völkerschauen“ aufzutreten. Seine Geschichte thematisiert Rassismus und die Situation von Afrikanern in Deutschland.
  • Gülay Cedden, aus der Türkei, die als kleines Kind mit ihrer Familie in die Bundesrepublik kam, wo der Vater seine Ausbildung als Arzt absolvierte. Im Alter von 17 Jahren ging sie mit Eltern und Geschwistern wieder zurück in die Türkei. Ihre Geschichte gibt Einblick in das Thema Arbeitsmigration.
  • Rudolf Duala Manga Bell, Königsohn aus der deutschen Kolonie Kamerun, der in der Kaiserzeit eine deutsche Ausbildung erhielt, dann aber, weil er Widerstand gegen das deutsche Kolonialregime leistete, 1914 hingerichtet wurde. Seine Geschichte beleuchtet den kolonialen Rassismus und Herrschaftsanspruch der Weißen.
  • Petra Rosenberg aus Berlin, Tochter des deutschen Sinto Otto Rosenberg, der Auschwitz und weitere KZ überlebte, den Landesverband der SintiAuch Cinti. Bezeichnung für die im deutschen, west- und mitteleuropäischen Sprachraum seit 1400 lebende nationale Minderheit, die Teil der seit 1979 mit beratendem Status bei der UNO akkreditierten Weltorganisation der "Romani-Union" ist. Die Bezeichnung leitet sich vermutlich von der Herkunft aus der nordindischen Region Sindh ab. Die ca. 40.000 heute in Deutschland lebenden deutschen Sinti, deren Vorfahren schon seit mehr als 500 Jahren hier ansässig waren, unterscheiden sich von den Roma durch sprachliche Unterschiede (Dialekte und Lehnwörter) und kulturelle Traditionen ("Zigeuner" Romanes). und RomaDie Sammelbezeichnung "Zigeuner", für die ethnische Minderheit der Sinti und  Roma gilt als diskriminierend. Sinti und Roma, die bekanntesten der 5 Hauptgruppen, kamen als Migranten aus Indien. Seit über 600 Jahren leben Sinti und Roma in Europa. Sie sind meist katholische Christen, die balkanischen Roma häufig Muslime. Die Sinti und Roma sind oft über Generationen in ihren Heimatorten verwurzelt. Von den Nationalsozialisten wurden sie wie die Juden aus rassistischen Gründen verfolgt. Nach Schätzungen wurden ca. 500.000 in KZ, Ghettos und durch Massenerschießungen im Zweiten Weltkrieg ermordet. in Berlin-Brandenburg gründete und sich Zeit seines Lebens für Bürgerrechte und die Bekämpfung der Vorurteile gegen die Minderheit der Sinti und RomaRom bedeutet Mensch in Romanes, der Sprache der Roma. Internationale kollektive Bezeichnung für ca. 10 Millionen Menschen auf der Welt. Roma leben überwiegend in Ost- und Südosteuropa, einige auch seit ca. 100 Jahren in Deutschland und Mitteleuropa. Sie unterscheiden sich von den Sinti durch sprachliche Unterschiede (Dialekte u. Lehnwörter) und in kulturellen Traditionen. Gemeinsam ist ihnen der besondere Zusammenhalt der Familien, die unbestrittene Autorität und Verehrung der älteren Generation durch die Jüngeren sowie die Erfahrung der Verfolgung als "Zigeuner". einsetze. Petra Rosenberg setzt diese Arbeit fort.
  • Stefan Kosiński aus Polen, der 1939 als Jugendlicher die Besetzung seines Heimatlandes durch die deutsche Wehrmacht erlebte. Als seine Liebensbeziehung zu einem Wehrmachtssoldaten entdeckt wurde, wurde er verhaftet und misshandelt. Die Diskriminierung homosexueller Liebe wird mit dieser Geschichte thematisiert.

Jede Biografie wird durch Bild- und Tonmaterial  auf einer Begleit-CD sowie detaillierte Methodenvorschläge und Medientipps ergänzt.

Das Material bietet gute Beispiele, wie interkulturelles Geschichtslernen nicht nur für Jugendliche mit unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Hintergründen in der deutschen Migrationsgesellschaft realisiert werden kann.

Bibliografie

Rainer Ohliger und Hanna Schissler (Hg.): Historisch-politische Bildung in der bundesdeutschen Einwanderungsgesellschaft. Themenheft 4/2006 (Jg. 28) Zeitschrift Internationale Schulbuchforschung des Georg Eckert Instituts für internationale Schulbuchforschung.

Kontakt