Empfehlung Fachbuch

NS-Täter vor Gericht

Volker Zimmermann: NS-Täter vor Gericht. Düsseldorf und die Strafprozesse wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen. (2001) Justizministerium des Landes NRW in Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf 5,10 €

Über kaum ein historische Thema wird in Deutschland mit größerer Energie und Ausdauer gesprochen und gestritten als über die NS-Vergangenheit. Eine wichtige Rolle spielten in diesem Zusammenhang die Fragen, ob die von Deutschen begangenen Verbrechen ausreichend gesühnt worden sind, ob Nationalsozialisten für ihre oft außergewöhnlich grausamen Taten bestraft wurden und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren ist.

Düsseldorf ist ein gutes Beispiel für die juristische Verfolgung von NS-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland. Hier fanden Verfahren gegen bedeutende und weniger bedeutende Funktionsträger des Machtapparates der NSDAP statt, gegen leitende Ärzte und Gestapo-Angehörige, SA-Leute und Mitglieder der Einsatzgruppen, gegen KZ-Personal und den Kommandanten eines Vernichtungslagers, wegen Verbrechen in der letzten Kriegsphase etc.

Im Vordergrund der Darstellung Volker Zimmermanns stehen Handlungen und Einstellungen der Angeklagten: Die "Normalität" und Routine, mit der sie die Verbrechen begingen, ihre Versuche, ihre Taten vor Gericht zu bagatellisieren und zu relativieren, ihre Begründungen, warum sie so und nicht anders handelten und die Feststellung der Richter, wie das Verhalten der Angeklagten strafrechtlich zu bewerten sei.

Es bleibt die zumindest verstörende Erkenntnis, dass herkömmliches Recht diesen Verbrechen von Staats wegen nicht gerecht werden kann. Damit gewinnt die Betrachtung auch an Aktualität: Die Sinnhaftigkeit eines Internationalen Gerichtshofes wie des in Den Haag eingerichteten wird offensichtlich. Auf einer zweiten Ebene bezieht der Autor die Presse als veröffentlichte Meinung in die Darstellung ein. Dabei fällt eine veränderte Haltung der Medien seit Anfang der sechziger Jahre auf: Die Zurückhaltung der ersten zwanzig Jahre in der Lokalpresse folgen seit Mitte der sechziger Jahre ausführliche Berichterstattung und kritische Kommentierung. Das Bewusstsein von Recht und Unrecht scheint geschärft zu sein.

 

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