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Antiziganismus begegnen. Eine Hilfestellung für den Alltag, im Privat- oder Berufsleben, Unternehmen oder Verein

Von Frederik Schetter

Auch wenn die nationale Minderheit der Sinti und Roma in Deutschland einen besonderen Schutz genießt - wer sich auf die Suche nach Ausprägungen von Antiziganismus in der Gesellschaft macht, wird schnell fündig. Begriffe wie das „Zigeunerschnitzel“  oder mediale Schlagzeilen, welche Sinti und Roma als Kriminelle charakterisieren, sind dabei nur zwei Beispiele. Angesichts von in den letzten Jahren zunehmenden Ressentiments gegenüber Sinti und Roma kommt dem Hinterfragen von antiziganistischen Stereotypen und Pauschalisierungen aktuell eine besondere Bedeutung zu. Dabei macht eine klare Distanzierung von Antiziganismus in Situationen, in denen man selbst nicht unmittelbar betroffen ist, meist keine Schwierigkeiten. Kommt es jedoch im privaten oder beruflichen Umfeld – beispielsweise im Büro, bei der Vereinsfeier des eigenen Fußballvereins oder bei einem Familientreffen – zu bewussten oder unbewussten antiziganistischen Äußerungen, fällt eine Entscheidung für eine Reaktion oftmals schwerer.

Handlungsoptionen und Argumentationstipps gegen alltäglichen Antiziganismus

Die Bundeszentrale für politische Bildung nähert sich diesem Problem und bietet in einem achtseitigen Flyer aus dem Jahr 2016 sowie einem gut zweiminütigen Erklärfilm Unterstützung und Tipps zu der Frage, wie man Antiziganismus im Alltag begegnen kann. Der Flyer liefert dabei anfangs eine Erklärung und Einordnung des Antiziganismusbegriffs, welche die Grundlage der auf den folgenden Seiten aufgeführten Beispiele und Argumentationsratschläge bildet. Anhand von Situationen, welche Antiziganismus im Alltag – beispielsweise bei einem Gespräch über Geflüchtete und Einwanderungspolitik im Büro – zeigen, sensibilisiert der Flyer für antiziganistische Ressentiments und führt mögliche Handlungsoptionen auf.

Als zentral für eine vielversprechende Reaktion auf antiziganistische Äußerungen werden dabei unter anderem das ruhige aber entschiedene Hinterfragen von Pauschalurteilen und die Suche nach Unterstützern gesehen. Ein Ignorieren der Äußerungen stellt dagegen keine Option dar. Neben dem Aufzeigen von möglichen Reaktionen auf Antiziganismus führt der Flyer als Hilfestellung für die Argumentation zusätzlich einige zentrale Fakten über die Thematik auf. Zudem listet er eine Reihe von wichtigen Forschungsinstitutionen, Menschenrechtsorganisationen oder Vereinen auf, die sich gegen Antiziganismus engagieren und Anlaufstellen bei der Suche nach Beistand bieten.

Der dem Flyer zugehörige Erklärfilm zeigt unterschiedliche Aspekte des Lebensalltags von als „Zigeuner“ Stigmatisierten auf. Dabei dekonstruiert er antiziganistische Stereotype und liefert zentrale Fakten sowie Statistiken zur Lebensrealität der in Deutschland lebenden Sinti und Roma.

Zusammenfassung

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet mit dem Flyer „Antiziganismus begegnen“ und dem zugehörigen Erklärvideo eine kompakte Hilfestellung für den Umgang mit Antiziganismus. Ist das Erklärvideo beispielsweise für Schüler_innen als Einstieg in das Thema Antiziganismus sehr zu empfehlen, sei der Flyer vor allem jenen ans Herz gelegt, die sich fragen, wie man antiziganistischen Ressentiments im Alltag am besten entgegentritt.

Der Flyer „Antiziganismus begegnen“ ist kostenfrei im Online-Shop der Bundeszentrale für politische Bildung bestellbar. Der Erklärfilm ist hier abspielbar.

 

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