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„geschichte für heute“: Lernpotentiale der Regionalgeschichte

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Von Christian Schmitt

„Eine alternative Begegnung von Lernzielen und Inhalten […] auf Augenhöhe“ (S. 5) ermöglicht es dem Geschichtsunterricht, angemessener über historische Themen zu debattieren, als wenn dieser lediglich auf die Vermittlung von Problemlösungsfähigkeiten ausgerichtet ist. Das versucht Bernd Schönemann  in einem Aufsatz zum regionalgeschichtlich akzentuierten historischen Lernen zu zeigen, und bemängelt dabei die Glorifizierung von Kompetenzen und Lernstandards seit den PISA-Reformen. Der Aufsatz ist der einführende Artikel einer Ausgabe der Zeitschrift „geschichte für heute“ aus dem Jahr 2010, die sich unter anderem in drei Beiträgen den Lernpotentialen von Regionalgeschichte im schulischen Rahmen widmet.

Schönemann geht zunächst der Problematik der Inhaltsauswahl für den Schulunterricht nach und dem damit verbundenen Rechtfertigungsdruck, die Wahl regionalgeschichtlicher Themen zu begründen. Eine Lösung sieht er in der Kategorie Geschichtsbewusstsein, die anzugeben ermöglicht, welche Lernleistungen Schüler_innen an regionalgeschichtlichen Gegenständen erbringen können. 

Stadtgrundriss als historische Schlüsselquelle

Auf einen Diskurs über definitorische Probleme von „Region“ als ein immer auch „durch Interaktion entstehendes ‚sozialräumliches Gebilde‘“ (S. 9) folgt eine Lernpotentialanalyse. Regionalgeschichte steht demnach vor der Herausforderung, auch in einer heterogenen Gesellschaft mit multiethnischen Lerngruppen „historische Orientierung zu vermitteln, [ohne] auf Identitäten im Allgemeinen und regionale Identität im Besonderen“ (S. 10) verzichten zu müssen, wobei diese Identitäten „nicht mehr Ziel, sondern nur noch Thema und Gegenstand historischen Lernens“ (S. 10) sein sollen. Diese Ausführungen beschreibt Schöneman anhand ausgewählter curricularer Beispiele. Er beklagt weiter die meist streng chronologische und dabei epochal fragmentierte Ausrichtung von Lehrplänen plädiert für eine „integrale Behandlung regionalgeschichtlicher Themen, die mehrere historische Sektoren miteinander verbindet“ (S. 12). Methodische Bemerkungen sowie ein kurzer Ausblick schließen den Artikel ab. 

Schönemanns theoretische Überlegungen werden im folgenden Beitrag von Bernd Mütter zur Zielsetzung und thematischen Strukturierung von Landesgeschichte im Unterricht und auf Exkursionen in die Praxis übertragen. Mütter erarbeitet Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch außerschulischer Lernorte und stellt zwei regionalgeschichtliche Gesamtkonzepte vor, die Unterricht und Exkursion bestmöglich miteinander verknüpfen sollen: Einen Städtevergleich im historischen Längsschnitt, bei dem die Schüler_innen abschließend in der Lage sein sollen, die Verschiedenheit zweier Nachbarstädte historisch zu begründen, sowie ein Konzept zum Thema „Industrialisierung und Agrarmodernisierung in der Region“. Passend zum ersten der beiden Konzepte thematisiert Bernward Fahlbusch in einem dritten Beitrag den Stadtgrundriss als historische Schlüsselquelle. 

Zusammenfassung

Bei der hier vorgestellten Ausgabe von „geschichte für heute“ ist freilich zu beachten, dass sie bereits 2010 erschienen ist und deshalb Bemerkungen zu Lehrplänen und Fachkonferenzen nicht mehr notwendig aktuell sind. Sie bietet aber auch zeitlose Überlegungen zu den grundlegenden Herausforderungen von Regionalgeschichte und liefert darüber hinaus Anregungen zur Gestaltung von Unterricht und Exkursionen.

„geschichte für heute“ 2/2010 kann für 14 Euro bestellt werden. 

 

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