Empfehlung Unterrichtsmaterial

DVD-Unterrichtsmaterialien über „Deaf Holokaust, deutsche taube Juden und taube Nationalsozialisten"

In deutscher Gebärdensprache

Von Mark Zaurov

In Deutscher Gebärdensprache schildert der taube Historiker Mark Zaurov die unterschiedlichsten Biografien tauber Juden und Nationalsozialisten aus der Zeit des Deutschen Reiches. Den Nutzern dieser DVD (Win/Mac) eröffnet sich ein differenziertes Bild der deutschen Gehörlosengemeinschaft vor und nach 1933. Darin wird auch eine taub-jüdische Welt beleuchtet, deren Andenken bislang verschüttet war (Zaurov 2013: 246-255).

Die wissenschaftliche Grundlage für die DVD ist die Forschung des Autors selbst. Mark Zaurov begründete den Begriff Deaf Holokaust (Zaurov 2009: 173-197) und trug aus weltweit verstreuten Archiven Dokumente zusammen, um den von ihm vorgestellten Biographien Gestalt zu verleihen. Entgegen geläufiger Annahmen ist das, sich aus diesem Mosaik der Lebensgeschichten ergebende Bild, geprägt von einem fruchtbaren Miteinander von tauben Juden und Nichtjuden. Spannende, kaum erforschte Aspekte wie taube Nazis, Pfeilkreuzer und taube Juden als Zwangsarbeiter werden eingebracht.

Lehrende von Förder-, Regel- und weiterführenden Schulen und der Erwachsenenbildung, sowie Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, beispielsweise der Holocaust Studies, Jewish Studies, der Deaf Studies oder der Kulturwissenschaften, finden hier den aktuellen Stand der Forschung verbunden mit Anregungen zu einer Pädagogik der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Für Fachleute der Gehörlosengemeinschaft sowie der Gebärdensprache, z. B. Gebärdensprachdolmetscher, ist die DVD eine Quelle geschichtlichen Kontexts und Fachvokabulars. Auch andere Interessierte wie taube Eltern können die DVD selbständig nutzen, um ihren Kindern diese folgenschwere Zeit deutscher Geschichte aus der Perspektive der Gehörlosengeschichte nahe zu bringen.

Bislang gibt es kaum Unterrichtsmaterialien über den Holocaust, die auf die gehörlosen Kinder, Jugendlichen und Studenten im Bereich Gebärdensprache zugeschnitten sind. Auch gehörlose Juden im Allgemeinen, ihr Leben und Wirken, sowie ihre Geschichte werden nicht unterrichtet (siehe entsprechende Veröffentlichungen wie u.a. Zaurov 2003; 2014; 2015a). Der Deaf Holokaust sollte integraler Bestandteil der Deutschen Gehörlosen-Geschichte sein, allerdings wird der Beitrag tauber Juden noch völlig ausgeblendet (ebd. 2014; 2015b).

Literaturliste

Zaurov, Mark (2003): Gehörlose Juden. Eine doppelte kulturelle Minderheit, Frankfurt 2003.

Zaurov, Mark (2009):  Deaf Holokaust. In: Zaurov, Mark/Günther, Klaus-B. (Hrsg.): Overcoming the Past, Determining its Consequences and Finding Solutions for the Present. A contribution for Deaf Studies and Sign Language Education. Proceedings of the 6th Deaf History International Conference July 31 - August 04, 2006 at the Humboldt University, Berlin (2009), Seedorf: Signum Verlag 2009, 173-197.

Zaurov, Mark (2013): Taube Juden als transnationale „hybrid imagined community" – Ein Forschungsgegenstand im Spannungsfeld von Deaf History und Deaf Studies.In: Das Zeichen, 27. Jg., Nr. 94/2013, 246-255.    

Zaurov, Mark (2014):  The Deaf Gain of Wladislav Zeitlin (1907-1942): Jewish Scientist and Inventor from Germany. In: H-Dirksen Baumann /Joseph J. Murray: Deaf Gain. Raising the Stakes for Human Diversity, Minneapolis: University of Minnesota Press 2014, 255-268.

Zaurov, Mark (2015a): Applying Postcolonial Theory as an investigation of Deaf Jews as a Cultural Minority. In: Eldredge, Bryan et. al.: Engaging Theory and Action.Proceedings of the Fourth Biennial Deaf Studies Today! Conference at Utah Valley University April 8-10, 2010, Orem, UT: Utah Valley University Press 2015, 273-283.

Zaurov, Mark (2015b): Deaf Jewish Space and Deaf -Same: The International Conferences of Deaf Jews in the Twentieth Century. In: Friedner, Michele and Kusters, Annelies: It’s a Small World, Washington D.C.: Gallaudet University Press

Zaurov, Mark (im Druck): Deaf Holocaust’: Deaf Jews and Their ‘True’ Communication in Nazi Concentration Camps. In: Michaela Wolf (Ed.), Interpreting in Nazi Concentration Camps, New York: Bloomsbury, 135-145.

 

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