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Brigada Internacional Batalló Jaroslaw Dabrowski

Die polnischen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg

Arthur Osinski ist Kulturhistoriker und arbeitet für das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk.

Von  Arthur Osinski

Während des Spanischen Bürgerkrieges stellten polnische neben französischen Freiwilligen das zweitgrößte Kontingent der Internationalen Brigaden. Sie beteiligten sich bei fast allen wichtigen Kampfhandlungen gegen die Nationalisten und ihre faschistischen Verbündeten und kämpften nach der Demobilisierung der Internationalen Brigaden teilweise bis zum Februar 1939 an der Seite der Republikaner weiter. 

Die Regierung in Warschau sprach sich offiziell genauso wie der Völkerbund für die Nichteinmischung in den Spanischen Bürgerkrieg aus und verbot ihren Bürgern jegliches Eingreifen in das Kriegsgeschehen. Inoffiziell verkaufte die II. Polnische Republik zugleich massiv Waffen an beide Konfliktparteien. Da der überwiegende Teil der polnischen Freiwilligen - an der Seite der Republikaner kämpfend  - prosowjetischen Kommunisten zuzuordnen war, werden diese bis zur heutigen Zeit in ihrer Heimat eher kritisch als "Stalins Soldaten" bezeichnet. 

Dąbrowszczacy

Die Bezeichnung "Dąbrowszczacy" wird bis heute auf alle polnischen Freiwilligen angewandt, die auf Seiten der Republik in Spanien kämpften. Benannt nach Jarosław Dąbrowski, einem demokratischen Revolutionär, dem Anführer der "Roten" im Januaraufstand von 1867 und dem Oberbefehlshaber der "Pariser Kommune". 

Die Regierung in Warschau hat sich von Anfang an strikt gegen eine Beteiligung ihrer Bürger am Spanischen Bürgerkrieg ausgesprochen. Es ging sogar soweit, dass den Freiwilligen, die nach Spanien ausreisen wollten, Verhaftung drohte. Am 26.02.1938 wurde vom polnischen Innenministerium ein Dekret erlassen, das allen polnischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern, die an den Kämpfen in Spanien beteiligt waren, automatisch die  Staatsbürgerschaft entzog. Jedem, der sich bekannte in Spanien an den Kämpfen teilgenommen zu haben, drohten folglich die Staatenlosigkeit und ein Einreiseverbot, weshalb nur ca. 800 Polen direkt aus ihrer Heimat kamen. Die überwältigende Mehrheit der Freiwilligen bildeten somit die Auslandspolen. Nachdem der Premierminister Juan Negrín die Auflösung der Internationalen Brigaden ab dem 21.09.1938 verkündete, kämpften die inzwischen staatenlosen Polen an der Seite der spanischen Republikaner bis Februar 1939 weiter. 

Auch wenn die II. Polnische Republik nach außen hin die neutrale Position des Völkerbundes gegenüber dem Konflikt in Spanien vertrat, so war sie in Wahrheit der viert größte Waffenlieferant während des Bürgerkrieges und verkaufte diese an beide Kriegsparteien. 

¡no pasarán!

Die ersten polnischen Freiwilligen im Spanischen Bürgerkrieg waren die dort lebenden kommunistischen Exilantinnen und Exilanten aber auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer der damals in Barcelona stattfindenden Arbeiterolympiade. Diese traten den sogenannten Centurien der Volksmilizen bei und bildeten die erste polnische Einheit, die Dąbrowski-Columna.  

Anfang August 1936 überquerten die ersten neun polnischen Freiwilligen von Frankreich aus die Grenze, um die Spanische Republik zu verteidigen. Dort kämpfen sie in der Milizengruppe Wroblewski unter anderem an der Seite der deutschen Gruppe Edgar André.  Beide erhielten ihre Feuertaufe bei der Verteidigung der baskischen Stadt Irún. Bei den schweren Kämpfen fielen auch zwei Polen. Nach der Niederlage flohen die restlichen sieben Kämpfer zurück nach Frankreich, um jedoch gleich wieder die spanische Grenze zu überqueren. In Barcelona vereinigten sie sich mit 29 weiteren polnischen Freiwilligen und bildeten die sogenannte "Gruppe 36".

Ende Oktober 1936 kam es in Albacete zur Aufstellung des ca. 600 Personen starken Jarosław Dąbrowski-Bataillons, das von Stanisław Ulanowski angeführt wurde. Das Bataillon war sogleich in schwere Kämpfe um die spanische Hauptstadt involviert. Die Verteidigung Madrids war jedoch nur der Auftakt der Kämpfe der Internationalen Brigaden. An ihrer Seite kämpften neben dem Dąbrowski-Bataillon noch das polnische Palafox- und das Mickiewicz-Bataillon. Darüber hinaus gab es noch die Głowacki- und Wróblewski- Artilleriebatterien und die Ludwik Waryński- Kompanie. Hinzu kam das medizinische Korps mit über 20 Schwestern und 41 Ärzten. Von Boadilla del Monte über die Schlachten von Jarmala, Guadalajara, Teruel, Aragon und Ebro bis zur Katalonien-Offensive und dem Grenzübertritt im Februar ´39 waren tausende Polen am Spanischen Bürgerkrieg beteiligt. 

Perzeption in Polen

Insgesamt 5000 polnische Freiwillige kämpften 31 Monate an der Seite der republikanischen Armee. Sogar nach der Auflösung der Internationalen Brigaden setzten die staatenlosen "Dąbrowszczacy" ihren Kampf weiter fort. Über die Hälfte von Ihnen verlor dabei ihr Leben.

Wurden während der kommunistischen Zeit in Polen die "Dąbrowszczacy"  noch als Helden bezeichnet, charakterisiert das heutige Geschichtsbild, etwa durch das Institut für Nationales Gedenken, diese despektierlich als "Stalins Soldaten". Obwohl viele dem kommunistischen Lager angehörten, gab es durchaus auch Kämpfer, die keine Kommunisten waren . Die "Dąbrowszczacy"  genießen in Spanien bis heute Respekt und Ansehen, die polnische Historiographie betrachtet diese wegen der politischen Nähe vieler zur Sowjetunion eher differenziert. Der berühmteste Teilnehmer an der Seite der polnischen Freiwilligen war sicherlich General Karol Świerczewski, der von dem ehemaligen Kriegsberichterstatter Ernest Hemingway als General Golz in seinem späteren Roman "Wem die Stunde schlägt" verewigt wurde.

 

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