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App in die Geschichte - Entdecken, Entschlüsseln, Erzählen

Seit 2014 stellen das Bundesarchiv und weitere, auch regionale, Archive öffentliche, digitalisierte und vor allem fotografische Quellen zur Verfügung, auf deren Grundlage vor allem Jugendliche die ›App in die Geschichte‹ nutzen können. In Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelte Daniel Bernsen das methodisch-didaktische Konzept. Nach einer Anmeldung der Lehrkraft steht der volle Funktionsumfang der App kostenlos zur Verfügung – jetzt können auch Lerngruppen angelegt werden, ohne dass sich deren Mitglieder extra individuell anmelden müssen.

App in die Geschichte - Entdecken, Entschlüsseln, Erzählen

Die »App in die Geschichte« baut auf drei Grundfunktionen auf: Das Mapping Game soll die  Wahrnehmung von Historizität in der eigenen Lebenswelt fördern. Die Perspektive einer historischen Foto-Quelle soll im aktuellen Stadt- bzw. Landschaftsbild gesucht und mit dem Smartphone oder Tablet fotografiert werden. Über deren GPS-Funktion werden die geographischen Koordinaten der Aufnahme automatisch erfasst und mit dem historischen Original verknüpft. Das Mapping Game ist damit dem Geocaching (siehe hierzu auch den Artikel von Annemarie Hühne und Julia Wolrab in dieser Ausgabe) verwandt. Die gemachten Fotos werden zusätzlich auf eine Karte übertragen. Für positive Bewertungen andere Nutzer/innen zur Einnahme der Perspektive des historischen Foto-Originals können Punkte gesammelt werden, die in einem Highscore angezeigt werden. Potenziell können so virtuelle Stadtrundgänge zu lokalhistorischen Themen mit digitalisierten Quellen aus lokalen und regionalen Archiven erarbeitet werden. Auch die teilnehmenden Archive selbst könnten in Zukunft je nach Nutzungsreichweite durch die Arbeit der Teilnehmenden profitieren, indem sie Ortskoordinaten für die jeweiligen Archivalien aus dem Mapping Game erhalten, um so beispielsweise interaktive Karten zu erstellen. 

Im Tagging Game wiederum sind die Nutzer/innen aufgefordert, die jeweilige Quelle zu verschlagworten, was eine genaue Beobachtung des Bildes bzw. ein Verständnis des Textes erfordert. Hier geht es vor allem um das Entschlüsseln, das De-Konstruieren von Geschichte. Ziel ist neben der präzisen Beobachtung auch die wiederholende Festigung von Fachbegriffen. 

Mit den Zeitleisten als dritter Basisfunktion sollen die Nutzer/innen dazu aufgefordert und unterstützt werden, eigene Erzählung zusammenzusetzen, zu re-konstruieren. In die Zeitleisten können die digitalisierten Archivalien, eigene Fotos, Texte, Audiodateien oder auch Videos eingebettet werden. Sie können ebenfalls gemeinsam als Projekt verschiedener Teilnehmer/innen erstellt werden. Zeitleisten der ›App in die Geschichte‹ dienen damit der Orientierung, der Ergebnissicherung und Präsentation. Eine gemeinsame Diskussion zur Begründung der jeweiligen zeitlichen Verortungen der Quellen kann angeschlossen werden. Im Rahmen der Nutzung der App wäre es auch denkbar, mit der Klasse oder einer Gruppe aus der außerschulischen Bildungsarbeit zunächst einen gemeinsamen Archivbesuch zur Vorauswahl geeigneter Quellen und zum Kennenlernen des Archivbetriebs abzuhalten, um so die Unterrichtseinheit bzw. das Projekt so gemeinsam vorzubereiten.

Der digitale Fundus

Das digitale Archiv der ›App in die Geschichte‹ mit rund 80.000 Einträgen kann nach Schlagworten, Personen, Orten oder Zeiträumen durchsucht werden. Über die Suche lassen sich Quellen aus der jeweiligen Stadt oder Region finden, um Unterrichtseinheiten bzw. Projekte nicht nur thematisch sondern auch geografisch zu strukturieren und vorzubereiten. Eine sinnvolle Ergänzung zum jeweiligen auf die Lerngruppe individualisierten Orts- oder Themenbezug stellt die Möglichkeit dar, eigene bzw. selbst gesuchte Audio- und Videoquellen für die Zeitleisten einzubetten oder aber Quellen wie Dokumente und Fotos hochzuladen. So kann dem Problem eventuell fehlender Fotos für die ausgewählte Stadt oder Gemeinde begegnet werden. Ein Einblick in den Umfang und die Vielfalt des digitalen App-Archivs ist auch ohne Anmeldung möglich. Es steht öffentlich zur Verfügung.

Fazit 

Über die »spielerischen Wettbewerbselemente« lässt sich sicher streiten, doch kann mit der »App in die Geschichte« auf technisch schnell verständliche Art und Weise lebensweltlich-orientierte Lokal- oder Regionalgeschichte vermittelt werden. Besonders empfehlenswert erscheint die Anwendung für Jugendliche zur Auseinandersetzung mit historischer Stadtentwicklung und baulichen Überresten.

Kontakt

Institut für Innovationstransfer und Projektmanagement (IfI)
Katharinenstr. 17-18, 10711 Berlin
Dr. Rolf A. Müller (Projektleiter) - rolf [dot] a [dot] mueller [at] ina-fu [dot] org
http://www.ina-fu.org/institute/ifi
http://app-in-die-geschichte.de

 

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