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Die App „Actionbound“ in der historischen Bildung – ein Werkstattbericht

Steffen Jost ist stellvertretender Leiter am Max Mannheimer Studienzentrum in Dachau und promoviert an der LMU-München zur Erinnerungskultur Sevillas. 

Von Steffen Jost

„Actionbound“ ist eine Smartphone-Anwendung, mit der Rallyes oder „Schnitzeljagden“ (sogenannte Bounds) für Smartphones und Tablets abgerufen werden können. Die App ist derzeit für die beiden gebräuchlichsten Handy-Betriebssysteme Android und iOS kostenlos in den jeweiligen Appstores erhältlich. Nutzerinnen und Nutzer können sowohl öffentliche, von anderen Nutzerinnen und Nutzer kreierte Rallyes durchführen, als auch über eine browserbasierte Plattform eigene Rallyes erstellen. Für Privatpersonen und Schulen ist auch diese Form der Nutzung kostenfrei, für außerschulische Bildungseinrichtungen können die Konditionen verhandelt werden.

Für die historische Bildung ergeben sich daraus verschiedene Anwendungsmodelle:

  1. Vorhandene öffentliche Bounds in der Umgebung nutzen und in die eigenen Programme einbinden
  2. Auf die eigene Lernsituation abgestimmte Bounds kreieren und von den Teilnehmenden durchführen lassen
  3. Mit den Teilnehmenden gemeinsam einen Bound kreieren

Die ersten beiden Möglichkeiten eignen sich auch für einen knapperen Zeitrahmen, eine entsprechende Einheit kann mit Vor- und Nachbesprechung innerhalb von 1 bis 1,5 Stunden durchgeführt werden. Die dritte Option erfordert dagegen mehr Zeit und ist daher für mehrtägige Programme der außerschulischen Bildung oder projektorientierte Unterrichtsangebote geeignet. Ich werde im Folgenden die Erfahrungen des Max Mannheimer Studienzentrums mit der zweiten Option darstellen. Es wird entsprechend um einen Bound gehen, der speziell für unsere Studienprogramme erstellt wurde und die historische und gegenwärtige Verortung des Konzentrationslagers bzw. der Gedenkstätte in der Stadt Dachau zum Thema hat.

Der Einsatz im Max Mannheimer Studienzentrum

Die App kommt in unseren Studienprogrammen während der Vorbereitung auf den Rundgang in der KZ-Gedenkstätte Dachau zum Einsatz. Ziel ist es, die Umgebung des Max Mannheimer Studienzentrums zu erkunden, in der Nähe gelegene Überreste des ehemaligen KZ-Geländes kennenzulernen, die engen Beziehungen zwischen Stadt und Lager zu erforschen und auch die Veränderungen zu erkennen, die sich seit der Befreiung des Lagers in der örtlichen Topografie ergeben haben. Die Teilnehmenden werden schon im Vorfeld gebeten, die App auf ihren Handys oder Tablets zu installieren. Während des Studienprogramms erhalten sie einen QR-Code, der in der App eingescannt wird und unseren Bound aufruft. Wichtig ist dabei, dass sich die Teilnehmenden in ein lokales WLAN einloggen, damit die Medieninhalte vorgeladen werden können.

Die Teilnehmenden werden schließlich in Gruppen zu 3-4 Personen aufgeteilt, jeweils ausgestattet mit einem Endgerät, auf dem die App installiert ist. Sie erhalten zusätzlich zu den digitalen Inhalten noch drei laminierte Karten und Folienstifte. Die Gruppen folgen anschließend selbstständig den Anweisungen im Bound und entdecken so verschiedene Orte im näheren Umkreis (die App kann über die GPS Funktion des verwendeten Geräts erkennen, wenn eine Station erreicht wurde und bietet dann die nächste Aufgabe an). Die Aufgaben sind dabei sehr unterschiedlich und erfordern von den Teilnehmenden unterschiedliche Interaktionsformen. So gibt es u.a. Multiple Choice Fragen oder offene Fragestellungen zur Umgebung, zu denen die Antworten eingetippt werden müssen. Allerdings werden die Teilnehmenden auch crossmedial gefordert, wenn sie Orte auf den laminierten Karten einzeichnen und diese dann mit der App abfotografieren müssen. Eine Aufgabe sieht vor, dass Fußgängerinnen oder Fußgänger befragt werden und zum Schluss soll die Gruppe ein Videostatement zu einem Denkmal für die Opfer der Todesmärsche abgeben. Bei der Entwicklung des Ablaufs wurde versucht, möglichst abwechslungsreiche Aufgaben zu kreieren. Am Ende muss die Gruppe zurück zum Max Mannheimer Studienzentrum kommen, wo die Inhalte in den Actionbound-Account des Studienzentrums hochgeladen werden. Die Ergebnisse können anschließend über einen Beamer gemeinsam im Plenum betrachtet und nachbesprochen werden.

Erfahrungen

Die bisherigen Erfahrungen mit diesem Konzept sind grundsätzlich positiv. Die App mit einem fertigen Bound ist einfach zu bedienen, sowohl für Pädagoginnen und Pädagogen als auch für Teilnehmende. Die Erstellung von eigenen Bounds über den Browser ist für Nutzerinnen und Nutzer, die über solide Grundkenntnisse am PC verfügen, relativ schnell machbar. Actionbound erlaubt es, in relativ kurzer Zeit technisch aufwendige (GPS Ortung oder die nahtlose Integration von Foto- und Videoaufnahmen sind auch bei teuren Museumsapps keine Selbstverständlichkeit) Bounds zu kreieren. Die Teilnehmenden nehmen die Methode gut an und empfinden sie als motivierend und abwechslungsreich. Da das Handy sowieso zum Alltag der meisten Jugendlichen gehört, ist die Einheit nah an ihrer Lebenswirklichkeit und unterstreicht zudem den außerschulischen Charakter der Studientage (denn im Schulunterricht ist das Handy normalerweise tabu). Die Nachbesprechungen haben zudem gezeigt, dass auch die gewünschten Inhalte vermittelt worden sind.

Problematisch ist, dass sich die Zeitspanne, die für den gesamten Rundgang aufgewendet wurde, von Gruppe zu Gruppe stark unterschied. In unserem Fall brauchten die Gruppen bisher 50-85 Minuten. Weiterhin haben wir festgestellt, dass die Bildschirme der meisten Handys für Bilder ohne zu viele Details ausreichen, aber z.B. für Landkarten oder Stadtpläne ungeeignet sind. Hier ist mind. ein 7“ Bildschirm nötig. Idealerweise müsste also die Einrichtung Tablets stellen, womit gleichzeitig ein großer Teil der technischen Schwierigkeiten umgangen werden könnte (die größten Probleme tauchten bisher beim Hochladen der Ergebnisse auf, hier braucht es im Seminarraum ein leistungsfähiges WLAN). Aber auch aus pädagogischer und inklusiver Sicht ist es wünschenswert, dass die Einrichtung die Geräte stellt. So haben alle Teilnehmenden die Möglichkeit, das Angebot in Anspruch zu nehmen, auf demselben technischen Niveau zu arbeiten und es findet keine Ablenkung durch private Nachrichten, Apps usw. statt. Für die gemeinsame Besprechung der Ergebnisse über den Beamer gibt es leider noch kein brauchbares Interface, hier muss noch mit eigenen Lösungen, wie mehreren gleichzeitig geöffneten Browserfenstern gearbeitet werden.

Fazit

Actionbound ist eine innovative Anwendung, mit der sich nicht nur Schnitzeljagden für Kindergeburtstage erstellen lassen, sondern auch komplexere historische Themen im öffentlichen Raum vermittelt werden können. Die Durchführung ist eine angenehme Abwechslung zum üblichen Programm im Seminarraum und erlaubt den Teilnehmenden, die historische Topografie ihrer Umgebung selbstständig zu erkunden. Die vielfältigen Eingabemöglichkeiten ermöglichen die Erstellung interaktiver Bausteine, die weit über das oft noch übliche „Fragebogen-ausfüllen“ hinausgehen. Für kleinere Einrichtungen, lokale Geschichtsinitiativen oder Gedenkorte ohne festes Programm könnte die App auch als öffentlicher Multimediaguide dienen.

Weitere Informationen: http://actionbound.de

 

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