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Die Dokumentation "Angriff auf Europa - Wie der Zweite Weltkrieg begann"

Von David Zolldan

Zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen zeigte das ZDF am 1. September 2009 eine unter der Leitung Guido Knopp produzierte Dokumentation mit dem Titel „Angriff auf Europa - Wie der Zweite Weltkrieg begann“. Die Autorinnen Christian Frey und Katarzyna Tuszynska verstetigen in dieser deutsch-polnischen Zusammenarbeit die von Jochen Böhler in dieser Ausgabe vertretende These vom „Auftakt des Vernichtungskrieges“. Der Vernichtungskrieg wurde nicht erst seit 1941 gegen die Sowjetunion geführt, sondern war bereits gegen Polen geplant und geprobt worden.

Neben Jochen Böhler vom Deutschen Historischen Institut Warschau wird die Dokumentation wissenschaftlich auch durch den mittlerweile in dieser Rolle beinahe zu einem Dauergast gewordenen Historiker Sönke Neitzel begleitet. Ergänzt werden Böhler und Neitzel durch deutsche und polnische Zeitzeugen wie den deutschen Angreifer Otto Schmidt und Piotr Kieszkowski, der den Angriff als Kind miterlebte. 

Die verschiedenen Etappen des Krieges, beginnend mit den Tagen vor dem Angriff ab dem 25. August 1939, den durchaus bereits mit Waffengewalt ausgetragenen Spannungen, den jeweiligen Bündnissen und Strategien über den für Polen beginnenden Zweifrontenkrieg nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen am 17. September bis zur Kapitulation am 27. September 1939 werden recht detailliert beschrieben. Dabei wird der Erzählung vom Erstbeschuss des Munitionslagers Westerplatte der womöglich bereits kurz zuvor erfolgte Angriff von deutschen Stuka-Geschwadern auf die polnische Kleinstadt Wielun entgegengehalten. Neben solchen Nebendiskussionen werden charakteristische Züge des deutschen Überfalls herausgearbeitet. So wird auf den in weiten Teilen der Wehrmacht vorhandenen Partisanenmythos gegenüber Polen und Juden eingegangen, der durch weitverbreitete Ressentiments auf ideologischen Nährboden stieß. So konstatiert auch Jochen Böhler: „Die Zerstörung von Ortschaften und die Erschießung von Zivilisten für angebliche Partisanenüberfälle […] ist ein Massenphänomen, das in den ersten Tagen und Wochen des Polenkrieges überall dort, wo Wehrmachtseinheiten einmarschieren, zu beobachten ist.“

Dass dieser Terror nicht nur spontan war, sondern Methode hatte, hebt die Dokumentation am Beispiel der „Intelligenz-Aktion“ hervor. Mit der systematischen Ermordung polnischer Pastoren, Ärzt/innen, Professor/innen und anderer wollten die Deutschen die Polen zu einem zwangsarbeitenden „Helotenvolk“ machen. Der Holocaust mit seinen verschiedenen Etappen der Kennzeichnung, Vertreibung, Ghettoisierung und Vernichtung in Polen findet ebenfalls Erwähnung.

Die Dokumentation endet – dem knoppschen Histotainment nicht untypisch – mit dem zumindest im Sinne erinnerungskultureller Debatten in Deutschland fragwürdigen Hinweis, der auf die potenziell eigene Betroffenheit zielt bzw. an diese appelliert: Der mit dem deutschen Angriff auf Polen beginnende Zweite Weltkrieg sei schließlich nach Deutschland zurückgekehrt - auch Berlin hätte „genauso wie Warschau, Rotterdam, Coventry, Hamburg...“ zerbombt da gelegen und vor allem Polen und Deutsche hätten ihre Heimat verloren. Dennoch eignet sich die Dokumentation zur visuellen Untermauerung vorheriger Vermittlungen mit Dokumenten und der Quellenarbeit zum Thema.

Die Dokumentation "Hitlers Angriff"

Ebenfalls im Jahr 2009 wurde eine Dokumentation mit dem Titel „Hitlers Angriff – Wie der Zweite Weltkrieg begann“ ausgestrahlt. Die Erstausstrahlung der Co-Produktion von DW-TV und TVP Polonia bei 3Sat erfolgte am 4. September 2009 unter der Regie von Nadine Klemens und Jan Strękowski. Sie finden diese sich ebenfalls mit dem deutschen Angriff auf Polen beschäftigende Dokumentation auf der Webseite der Deutschen Welle. Die in der Bilderfolge leicht abweichende Variante der 3Sat-Ausstrahlung findet sich auf youtube. Daneben wird diese Dokumentation anlässlich des 75. Jahrestages des deutschen Angriffs Ende August 2014 bei der Deutschen Welle wiederholt.

 

 

 

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