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Leben hinter Mauern – Eine Doppelstunde zu Alltag und Mauerbau in der DDR

Die Webseite 4teachers.de stellt Unterrichtsmaterialien sowie praxis-orientierte Hinweise von und für Lehrer/innen und Pädagog/innen kostenlos zur Verfügung. Das Portal profitiert von der Berufserfahrung seiner Mitglieder. Entsprechend direkt lassen sich die Vorschläge in den alltäglichen Unterricht überführen.

Unter dem Titel „DDR: Mauerbau und Alltagskultur“ wird ein Unterrichtsverlauf für die Sekundarstufe II vorgeschlagen, anhand dessen die Schüler/innen einen Einblick in den historischen Verlauf des Mauerbaus, dessen Darstellung durch das DDR-Regime sowie Eindrücke aus der Bevölkerung gegeben werden soll. Mittels unterschiedlicher Methoden und dem Einsatz verschiedener Quellen wird der Versuch unternommen, ein differenziertes Bild zu zeichnen.

Als Einstieg wird eine gemeinsame Ton-Analyse skizziert. Diese Arbeitseinheit befasst sich mit der Vorgeschichte des Mauerbaus mithilfe eines Fragments aus der berühmten Verkündung Ulbrichts bei einer Pressekonferenz 1961, es existierten keine Pläne, eine Mauer zu bauen. Leider fehlt hier eine Angabe, wo man sich die Tondatei beschaffen kann, was bei der Verbreitung der Rede allerdings leicht möglich ist Beispielsweise auf YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=YjgKKOdVRx4). Gemeinsam sollen im Unterricht Inhalt der Aussage und historischer Widerspruch erörtert werden. Nach einer Spekulation darüber, wie innerhalb der DDR in der Schule die Ereignisse des Mauerbaus wohl erklärt worden wären, folgt eine Bildanalyse eines Comics aus der DDR, der für Schüler/innen eingesetzt wurde. Mit Fragen nach dem ideologischen Charakter der Comics und dem Kontext Schule wird ein direkter Bezug zu den Erfahrungen der Schüler/innen hergestellt. Diese sollen sich eine Vorstellung davon erarbeiten, wie sich das alltägliche Sicherheitsgefühl verändert haben kann, indem der Westen zum Feindbild stilisiert wurde. Der öffentliche Raum der Schule sowie der private Wohnraum wurden, so der Entwurf, zum Politikum, insofern hier andere Werte gelebt wurden oder werden sollten, als in entsprechenden westlichen Räumen. Eine Aufgabe, die womöglich innerhalb des angesetzten Zeitrahmens von einer Doppelstunde nicht aufbereitet werden kann. Es lohnt sich zu der Behandlung eines alltäglichen Wohngefühls hinter dem antifaschistischen Schutzwall eine eingehendere Arbeit und Diskussion mit den Schüler/innen.

Anhand eines Liedtextes von Wolf Biermann werden die Schüler/innen dann für mögliche widerständische Aspekte im Alltagsleben der DDR-Bevölkerung sensibilisiert. Durch die Einbindung seiner Biographie wird das besondere Schicksal des Liedermachers beleuchtet. Als Überleitung ist darauf folgend die Analyse einer Karikatur zur Meinungsfreiheit angedacht, die am Schluss des Unterrichts durch eine eindeutige Interpretation des Lebens in der DDR als ausschließlich von Unterdrückung und „Druck auf allen Ebenen“ ergänzt wird. Ein Tafelbild gibt darüber hinaus konkrete Gestaltungsmöglichkeiten für Lehrer/innen.

Der Unterrichtsvorschlag eignet sich insgesamt zur Ansicht und grundsätzlich auch zur Einbindung in den schulischen Alltag. Für eine Doppelstunde scheint die Themenvielfalt, die in den einzelnen Arbeitsschritten angesprochen wird, jedoch zu komplex. Deutungen, die in dem Entwurf getätigt werden, erscheinen zu einseitig. Die DDR einzig als Unrechtsstaat darzustellen, ohne vielfältige Handlungspotentiale in der Bevölkerung hervorzuheben, führt schnell zu einem ebenso einseitigen Verständnis seitens der Schüler/innen. Gerade die Auseinandersetzung mit Alltagsgeschichte böte sich für einen multiperspektivischen Zugang an. Die Auseinandersetzung mit Wolf Biermann weist hier in eine andere Richtung, ist jedoch zu kurz geraten. Als Idee betrachtet kann anhand dieses Entwurfs mit Einbezug anderer Quellen und methodischer Vorgehensweisen das Thema Wohnen und Alltag im Kontext von Mauerbau und staatlicher Kontrolle in der DDR also durchaus in den Unterricht eingebracht werden. 

Zur Einsicht der Texte auf 4teachers.de muss ein kostenloser Account angelegt werden. Das besprochene Material findet sich dann im Portal zum Download

 

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