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Wohnen in der DDR – Zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung

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Von Arne Thomsen

Der Zweite Weltkrieg hinterließ enorme Schäden an der Bausubstanz in Deutschland. Zudem mussten Millionen Vertriebene aus den Ostgebieten in die Besatzungszonen integriert werden. Nach einer Übergangsphase unter alliierter Verwaltung wurde der Wohnungsmarkt nicht liberalisiert wie in der BRD, sondern wurde behördlich organisiert. Die Wohnungsnot blieb trotzdem ein ständiger Begleiter der Lebensumstände in der DDR. Für die Zuweisung einer Wohnung sollte vor allem die Bedürftigkeit die ausschlaggebende Rolle spielen. Dabei waren vor allem der Kinderreichtum junger Familien und besondere Leistungen Werktätiger die entscheidenden Kriterien. 

Nachdem der Mangel an Wohnungen Anfang der 1970er Jahre noch nicht behoben war, verabschiedete im Juli 1971 der 8. Parteitag der SED auf Betreiben Erich Honeckers, des neuen „starken Manns“ in der Parteiführung, ein ambitioniertes Wohnungsbauprogramm als neues Kernstück der staatlichen Sozialpolitik. Es sollten bis 1990 drei Millionen neuer Wohnungen errichtet und damit gleiche Lebensbedingungen geschaffen werden. 

Die Neubauten waren zu 95% Plattenbausiedlungen. Sie waren auf neuestem ostdeutschen Stand, während die Altbauten vernachlässigt wurden. Die festgesetzten Mietpreise lagen bei einer Mark pro Quadratmeter und damit bei einem Bruchteil der tatsächlichen Kosten. Sie beanspruchten nur 2,6 – 4% des Einkommens und galten deswegen auch als zweites Gehalt. Für private Wohnungseigentümer blieben dagegen folglich kaum Mittel für Reparaturen oder Renovierungen ihrer Altbauten übrig. Der Verfall der Vorkriegsarchitektur war teilweise so drastisch, dass die Bevölkerung über „Ruinen schaffen ohne Waffen“ spottete. Die alte bürgerliche Gesellschaft sollte durch neue sozialistische Wohngebiete mit billigem Wohnraum für alle überwunden werden. Komfort wie fließendes warmes und kaltes Wasser, Zentralheizung, Innen-WC, Badewanne und die gute soziale Infrastruktur in der Trabantenstadt waren ausschlaggebend dafür, dass 1990 ein Drittel der DDR-Bürger in den sogenannten „Arbeiterschließfächern“ wohnten.

Die zur Verfügung stehenden Wohnungseinrichtungen waren normiert, gleichförmig funktional und zentral produziert. Von 612 Möbelfabriken 1956 waren dreizehn Jahre später nur 18 übrig geblieben; 1986 gab es sogar nur noch fünf. Baustoffe zum Selbermachen waren nur schwer aufzutreiben, Nachbarschaftshilfe ersetzte teilweise fehlende Bauhandwerker und Elektriker. Um den beengten Wohnverhältnissen zu entfliehen, bot sich ein Gartenhaus auf dem Land an. So eine eigene Datsche war aufgrund ihrer baulichen Voraussetzungen unter der „Marke Eigenbau“ als Nische und zum werkeln zumeist besser geeignet als die Wohnung im standardisierten Plattenbau, die nur wenige Gestaltungsspielräume zuließ. 

Anhand unterschiedlicher Quellentypen, die über das Internet einsehbar sind, sollen Fragen zum Thema beantwortet werden. Eine Datei mit didaktischen Materialien und Arbeitsvorschlägen finden sie unter „Download“. 

 

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