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Kirchen in der DDR – Zwischen Glaube und Politik

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Von Arne Thomsen

Joachim Gauck, Angela Merkel, Wolfgang Thierse, Katrin Göring-Eckardt… Die Liste ehemaliger Bürger/innen der DDR mit engen Beziehungen zur Kirche ließe sich noch fortsetzen. Das Thema hat also noch heute Bedeutung, allein wenn man die Biographien namhafter Politiker/innen betrachtet.

Die größte Religionsgemeinschaft in der DDR waren die evangelischen Landeskirchen, die bis 1969 gesamtdeutsch in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und anschließend im Bund der Evangelischen Kirchen (BEK) organisiert waren. Nach einer ersten Zeit des „Überwinterns“ im neuen Staat in der Hoffnung auf ein baldiges Ende der DDR verfolgten die Kirchen seit den späten 1950er Jahren einen Prozess der Annäherung, der seit 1978 mit dem Ausdruck „Kirche im Sozialismus“ beschrieben wurde und seinen Höhepunkt in gemeinsamen Veranstaltungen zum Luther-Geburtstag 1983 hatte.

Die katholische Kirche, mit weit weniger Gläubigen als die Protestant/innen, ging diesen Schritt nicht  Für sie prägte der heutige Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner den Begriff vom Leben im „fremden Haus“. Der Vatikan erkannte den sozialistischen Staat nicht an und blieb bis zum Ende der atheistischen DDR passiv und auf Distanz zum kommunistischen Staat.

Auseinandersetzungen zwischen Staatsführung und den Kirchen entzündeten sich besonders an der Einführung der Jugendweihe 1954 und an der Abschaffung des Religionsunterrichts an den Schulen. Die Reaktion der Kirchen auf die Jugendweihe war die Verweigerung von Konfirmation und Kommunion. In den späten 1980er Jahren sollten bis zu 97 % der 14jährigen am neuen Ritus teilnehmen.

Die sozialistische Regierung, in der die Erziehung zum Atheismus ein wesentlicher Bestandteil der Ideologie war, sah die Kirchen als weltanschaulichen Gegner an und versuchte deren Einfluss zurückzudrängen und zu minimieren. Dies gelang, wenn die Zahlen der Kirchenmitgliedschaft betrachtet werden: Während zur Staatsgründung 1949 noch 92 % und 1979 immerhin noch 57 % der Bevölkerung Kirchenmitglieder waren, hatte sich ihre Anzahl bis zum Ende der DDR auf weniger als 40 % verringert. Den größten Nachtteil hatten aktive Christen in der Bildung hinzunehmen. Studium und auch Abitur blieben ihnen zumeist verwehrt.

Größter Erfolg der Kirchen im säkularisierten Staat war die Einführung des Ersatzdienstes („Bausoldat“) für Wehrdienstverweigerer 1964 als erstes Resultat der aufkommenden Friedensbewegung. Die daraus später resultierende oppositionelle Reform- und Bürgerrechtsbewegung, die in einzelnen Kirchenräumen einen Ort für Diskussionen und Konzerte fand, hatte schließlich Ende der 1980er Jahre den entscheidenden Anteil an der friedlichen Revolution und zum Ende der DDR. 

Anhand unterschiedlicher Quellen, die über das Internet einsehbar sind, sollen Fragen zum Thema beantwortet werden.

Eine Datei mit didaktischen Materialien und Arbeitsvorschlägen finden sie unter „Download“.

 

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