Empfehlung Fachdidaktik

Geschichte auditiv - Produktion von Audiofeatures

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Von Dorothee Ahlers

Eine besondere Präsentationsform historischer Projektergebnisse stellen Audiospaziergänge oder -beiträge dar. Sie ermöglichen Lernenden ihre erworbenen Erkenntnisse in ansprechender Weise weiter zu verarbeiten und dabei Erfahrungen und Kenntnisse im Umgang mit dem Medium Audio zu erwerben. Anders formuliert kann die Vermittlung solcher Kompetenzen auch Hauptziel des Projektes sein, bei dem das (lokal)historische Thema als inhaltliche Grundlage dient. Das Verhältnis zwischen der theoretischen Beschäftigung mit dem Thema und der Erarbeitung eines Audiostückes bleibt dabei der Schwerpunktsetzung der Lehrkraft überlassen.

 Je nach Kenntnisstand und Alter der Lernenden erfordert die Produktion von Audiostücken eine mehr oder weniger starke technische Anleitung von Seiten der Lehrkraft. Die notwendigen Fertigkeiten können von dieser allerdings mit ein wenig technischer Affinität und Einarbeitung im Vorhinein erworben werden. Dieser Beitrag gibt Anregungen, Hinweise und praktische Tipps wie ein Praxisseminar oder Projekttage zu einem lokalhistorischen Thema mit der selbstständigen Produktion von Audiobeiträgen verbunden werden können.

Zielgruppe und Rahmenbedingungen

Die Grundidee hinter der Erarbeitung von Audiostücken mit Lernenden und das Ziel eines solchen Projektes ist nicht die Erstellung eines möglichst perfekt gestalteten Produktes, das professionellen Ansprüchen genügt. Vielmehr stellt es eine prozessorientierte Arbeit dar, die auf die kreative Auseinandersetzung mit einem lokalhistorischen Thema, sowie auf die Erarbeitung einiger handwerklicher Fertigkeiten und Kompetenzen im Umgang mit Medien abzielt.

Aufgrund der spezifischen Anforderungen selbstständigen, prozessorientierten Lernens lässt sich das Projekt am sinnvollsten in der Form eines (universitären) Praxisseminars oder (schulischer oder auch außerschulischer) Projekttage durchführen, wobei mehrere Sitzungen innerhalb eines längeren Zeitraums von einigen Wochen ideal sind. Von den Lernenden wird dabei ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Motivation erwartet, um zwischen den Projekttreffen selbstständig weiter zu arbeiten. Zwischen den einzelnen Treffen müssen Ideen entwickelt, Inhalte recherchiert, Texte geschrieben, Interviews geführt, Aufnahmen gemacht, Texte eingesprochen und das Stück zusammen geschnitten werden. Dabei ist es wichtig, dass die Lehrperson diesen Prozess kontinuierlich begleitet, um für Fragen zur Verfügung zu stehen, Hinweise zu geben und gegebenenfalls motivierend oder auch korrigierend einzugreifen. Zur Strukturierung des Arbeitsprozesses sollten verschiedene terminierte Zwischenschritte eingebaut werden, um kontinuierliches Feedback zu geben zur ersten Idee, zum ausgearbeiteten Manuskript, zu gewählten Interviewpartnern und -vorbereitung und anderen Arbeitsschritten. Zudem ist nach Erstellung der Audiobeiträge das Projekt keineswegs abgeschlossen: Eine Durchsicht der entstandenen Beiträge mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermöglicht eine Rückmeldung zu jedem einzelnen Audiostück, das dementsprechend gegebenenfalls noch einmal überarbeitet werden kann. Zuletzt muss noch Zeit für die Veröffentlichung der Beiträge – und eventuell Vorstellung im Rahmen einer Veranstaltung – über verschiedene Kanäle erfolgen.

Wie bereits deutlich geworden, verlangt ein Projektseminar dieser Art eine hohe Motivation, Engagement und selbstständige Arbeitsweise von Seiten der Lernenden. Grundsätzlich kann es sowohl in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen, als auch im universitären Rahmen durchgeführt werden. Die Zielgruppe bilden also sowohl Schülerinnen und Schüler, als auch Studierende. Die Qualität der erarbeiteten Projektergebnisse wird sicherlich von der Arbeitsweise und bereits vorhandenen Medienkompetenz der jeweiligen Lernenden abhängen, bildet aber aufgrund des prozess- und nicht produktorientierten Charakters kein Ausschlusskriterium für jüngere Lernende. Voraussetzung sind somit lediglich gewisse Grundfertigkeiten im Umgang mit dem Computer und ein grundsätzliches Verständnis des behandelten historischen Themas, zu dem ein lokalhistorischer Audiobeitrag erarbeitet werden soll.

Bei der Wahl des Themas bietet sich ein Komplex an, der im Regelunterricht bereits behandelt wurde oder zeitgleich mit dem Projekt bearbeitet wird (beziehungsweise im universitären Bereich Gegenstand des Lehrbetriebs ist). Den Lernenden sollten die grundlegenden historischen Prozesse bekannt sein, die daraufhin auf lokaler Ebene veranschaulicht und vertieft werden können. Lokalhistorische Themen haben hierbei den Vorteil, dass sie einen sehr konkreten Gegenstand bieten, der in einem Audioformat bearbeitet werden kann. Das zuvor erarbeitete historische Wissen wird im Prozess der Audioproduktion vertieft und konkretisiert und eine eigene Schwerpunktsetzung je nach Interesse ermöglicht.

Wie sehr die Recherche nach lokalhistorischer Sekundärliteratur und Quellen durch die Lernenden Bestandteil des Projektes ist oder im Vorhinein von der Lehrperson geleistet wird, hängt von der zur Verfügung stehenden Zeit, der Quellen- und Literaturlage und den Fähigkeiten der Lernenden ab. Literatur und Quellen können zuvor durch die Lehrkraft recherchiert und den Lernenden zur Verfügung gestellt werden, oder aber Recherche und ein Archivbesuch sind Teil des Projektes. Diese Entscheidung kann der Lehrkraft überlassen werden, allerdings sollte der Arbeitsaufwand der allein durch Erarbeitung und Produktion eines Audiostückes entsteht nicht unterschätzt werden. Eine zusätzliche selbstständige Recherche der Lernenden ist wohl bei einer längeren Projektlaufzeit sinnvoll und auch lohnenswert. Aber auch Themenfindung, Auswahl des Materials, Interviewführung und die technische Bearbeitung des Materials erfordern und fördern bereits zahlreiche Kompetenzen.

Kompetenzen

Die Erarbeitung eines Audiostückes ist ein vielschrittiger Prozess, der unterschiedliche Arbeitsweisen umfasst und dabei zur Entwicklung verschiedener Kompetenzen in den Bereichen Recherchieren und Sortieren von Informationen, Textproduktion, kommunikative Fähigkeiten und Umgang mit neuen Medien beiträgt. Im einzelnen sind dieses:

-        Recherchekompetenzen

-        Identifizierung eines interessanten Themas und relevanter Bestandteile, die in einem Beitrag zu diesem Thema vorkommen sollten

-        Textproduktion: Schreiben eines Drehbuches, strukturiertes Schreiben, Spannungsbogen

-        kommunikative Fähigkeiten: Vorbereitung und Führung eines Interviews, ggf. Arbeit in einem Team

-        Technische Fertigkeiten: Umgang mit einem Aufnahmegerät, Schneiden mithilfe eines Audioschnittprogramms, Publizieren im Internet

Organisatorische Vorbereitungen

Neben Wahl und inhaltlicher Erarbeitung des historischen Themas durch die Lehrkraft sind einige organisatorische Vorbereitungen vor Durchführung des Projektseminars vonnöten.

Die Lehrkraft muss sich einen Überblick über vorhandenes Material zu dem lokalhistorischen Thema verschaffen und dieses ggf. bereits für die Lernenden bereit stellen. Dazu muss auf der einen Seite die vorhandene Sekundärliteratur recherchiert werden. Auf der anderen Seite können eine Anfrage und ein Besuch beim Stadtarchiv zusätzlich zeitgenössische Zeitungsberichterstattung und einige zentrale Dokumente zu Tage fördern. Je nach Projektlänge sollte dieses Material den Lernenden bereits zur Verfügung gestellt werden, so dass durch diese eine Auswahl der für sie interessanten Elemente erfolgen kann, oder es kann durch die Lernenden selbst recherchiert werden. Sekundärliteratur und Quellen werden dabei sowohl bei den theoretischen, historischen Einheiten mit der ganzen Lerngruppe eingesetzt, als auch als Bestandteile der Audiobeiträge verwendet – als Informationsquelle oder auch eingesprochen als Bestandteil des Beitrags.

Wichtig neben der Literatur- und Quellenrecherche ist die vorherige Kontaktaufnahme mit Expertinnen und Experten, die sich mit dem gewählten Thema beschäftigen. Dieses dient nicht nur der Informationssammlung, sondern es sollten wenn möglich Kurzinterviews vereinbart werden, die später Bestandteil der Audiobeiträge werden. Um die Beiträge multiperspektivisch zu gestalten und ein Verhältnis zwischen Allgemeinem und Besonderem zu schaffen, bietet es sich an, sowohl Interviewpartner/innen zur Verfügung zu haben, die zur allgemeinen Geschichte (d.h. beispielsweise den nationalen oder globalen Kontext betrachten) des gewählten Themas arbeiten, als auch Expertinnen und Experten für die lokale Geschichte und Besonderheiten. Interviewpartner können wissenschaftliche Mitarbeiter/innen nahe gelegener Universitäten sein, Museumsmitarbeiter/innen, Archivar/innen und Lokalhistoriker/innen. Natürlich kann die Recherche nach geeigneten Interviewpartner/innen und die Kontaktaufnahme auch von den Lernenden geleistet werden, das ist vor allem bei einer längeren Projektlaufzeit lohnend.

Für die Audiobeiträge müssen Aufnahmegeräte zur Verfügung stehen, eines pro Team/geplantem Beitrag wäre ideal, aber auch mit weniger Geräten kann man arbeiten. Diktiergeräte und die Aufnahmefunktion von Mobiltelefonen sind wegen der schlechten Qualität nicht zu empfehlen. Neue Geräte kosten ab etwa 70 Euro. Lohnend kann eine Anfrage bei einer lokalen Zeitung, einem Radiosender oder dem Medienzentrum einer Universität sein, um dort einige Geräte auszuleihen. Eventuell gibt es bei diesen Stellen auch die Möglichkeit, eine Kabine für das Einsprechen des Sprechertextes zu nutzen. Die Lehrkraft sollte sich zudem mit einem Audioschnittprogramm vertraut gemacht haben. Solche Schnittprogramme sind in ausreichender Qualität und Ausstattung kostenlos zu bekommen (dazu mehr in der Anleitung).

Die Anleitung zur Produktion von Audiobeiträgen stellen wir Ihnen in Form eines pdf-Dokuments zur Verfügung. Diese kann auch in Form eines Handouts an die Lernenden ausgegeben werden. In Vorbereitung des Projektes ist es sinnvoll, wenn die Lehrkraft einen Beispielbeitrag einmal selbst produziert. An diesem können den Lernenden auch die Bestandteile eines Beitrags und die Vorgehensweise erklärt werden.

 

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