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APuZ: Film und Gesellschaft

Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale für politische Bildung. 62. Jahrgang. 44/2005. 30.10.2005, „Film und Gesellschaft“.

Annemarie Hühne

Filme mit historischen Bezügen thematisieren zwar die Vergangenheit, stellen diese aber nur bedingt dar. Vielmehr spiegeln diese Filme das gegenwärtige Verständnis der Geschichte wider. Da sich hinter den Filmemachern immer Menschen verbergen, ist dieses Medium immer auch subjektiv geprägt. Das vorliegende Heft der Reihe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (APuZ) beschäftigt sich mit dem Medium Film als Kunstform, aber auch mit der Darstellung unterschiedlicher historischer Ereignisse und Themen. Besonders hervorzuheben ist für den Schwerpunkt des vorliegenden Magazins der Artikel von Ralf Schenk „Die DDR im deutschen Film nach 1989“.

Die DDR im deutschen Film nach 1989

Schenk benennt in seinem Artikel verschiedene Filme, welche in der ehemaligen DDR spielen und damit auch ein Bild der Gesellschaft wiedergeben. Ausgehend vom letzten DEFA-Film Die Architekten beschreibt er wie Filme zur DDR durch Genre, Regisseur oder Entstehungszeit differieren. Dieser Film  entstand zwar noch in der DDR und versucht die Agonie der Gesellschaft und das Verschwinden der ideologischen Utopie anhand einer Architektengruppe, welche eine neue Stadtteilsiedlung bauen soll, zu verdeutlichen. Das Publikum beachtete den Film bei seiner Premiere im Mai 1990 nicht, da ein Rückblick auf den vergangenen Staat nicht gesehen werden wollte. Im Weiteren beschreibt der Autor Filme, die kurz nach der Vereinigung erschienen sind: Letztes aus der De Da eR von Eckhardt Wenzel und Stein von Egon Günther. In diese Filme reihen sich auch Werke von DEFA-Regisseuren ein, die nicht in die BRD gegangen waren und nun mit der DDR künstlerisch abrechnen. Sie legen Rechenschaft über ihre einstigen Ideale ab und zeigen wie weit die Utopie, an die sie selbst lange glaubten, von der Wirklichkeit entfernt war. Hier sei Zwischen Pankow und Zehlendorf von Horst Seemann, Verfehlung von Heiner Carow und Das Land hinter dem Regenbogen von Herwig Kipping zu nennen. Ein wichtiges Motiv der zu dieser Zeit entstehenden Filme macht Ralf Schenk mit den stillgelegten Tagebauten aus. Diese schienen das Ende der DDR szenisch perfekt widerzuspiegeln.
Die weitere filmische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit konzentrierte sich besonders auf das Ministerium für Staatssicherheit. Dabei stand die Stasi als Sinnbild für Unterdrückung und Unfreiheit im SED-Staat. In Filmen wie Helden wie wir und Das Versprechen sammelten sich Klischees über die dunkle graue DDR, wo immer hart gearbeitet würde, aber alle sich gegenseitig bespitzeln würden. Für den Autor des vorliegenden Artikels wirkt die Herkunft der Regisseur/innen auf die filmische Umsetzung der Thematik. Besonders herausgestellt wird aber Die Stille nach dem Schuß von dem westdeutschen Regisseur Volker Schlöndorff und dem ostdeutschen Autor Wolfgang Kohlhaase. Der Film thematisiert die Aufnahme ehemaliger Mitglieder der Roten Armee Fraktion in der DDR. Laut dem Autor ist hier eine differenzierte Sichtweise auf die DDR zu finden: „Das DDR-Bild orientierte sich sichtlich an der semidokumentarischen Genauigkeit früherer DEFA-Filme, ohne ins Klischee zu verfallen.“ (S. 36)
All diese Filme sind heute wenig bekannt und erreichten bei ihrem Erscheinen nur ein kleines Publikum. So widmet sich der Autor am Schluss auch den bekannten und erfolgreichen Filmen zur DDR und beschreibt zum Beispiel den nicht ernsthaften Versuch der Auseinandersetzung mit den Veränderungen der Jahre 1989 und 1990 in Go Trabi go, aber auch den erfolgreichsten „Wendefilm“ Good bye, Lenin. Der von Ralf Schenk unternommene Blick auf die in der Entstehungszeit des Aufsatzes noch nicht erschienenen Filme Das Leben der Anderen und Der Rote Kakadu ist wohl heute überholt. Seine Bitte nach einer differenzierteren und weniger auf Klischees zurückgreifenden Abbildung muss heute - fast sieben Jahre - später neu erörtert werden. Denn in wie weit ein Film die gesellschaftliche Vergangenheit objektiv szenisch darstellen kann, bleibt weiter unbeantwortet. Doch gerade durch die Analyse der unpopulären Filme über die DDR nach 1989 gelingt Ralf Schenk ein Blick auf die Möglichkeiten dieses Mediums ein Abbild von gesellschaftlichen Strukturen zu schaffen.

Weitere Beiträge

Andere Autor/innen thematisieren im vorliegen ApuZ-Heft nicht das DDR-Bild im Film, sondern analysieren den Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Film über andere thematische Zugänge. So beschäftigt sich zum Beispiel Peter Reichel mit der filmischen Darstellung der NS-Führung im Privaten. Jan Diestelmeyer dagegen untersucht die szenische Präsentation von Präsidenten in Hollywood-Filmen.

Die ApuZ-Ausgabe ist als Druckexemplar kostenlos erhältlich bei der Bundeszentrale für politische Bildung und kann auf deren Homepage auch als PDF-Dokument heruntergeladen werden.
 

 

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