LaG-Magazin vom 25. Februar 2026 (2/2026)

Was war die DDR? Historisches Lernen in der Grundschule

Liebe Leser*innen,

vor Kurzem verkündete der Berliner Senat, die Geschichte der deutschen Teilung und ihrer Überwindung solle kein Pflichtstoff mehr in der gymnasialen Oberstufe sein. Nationalsozialismus und Weimarer Republik müssten im Geschichtsunterricht noch behandelt werden, die Zeit nach 1945 offenbar nicht mehr. Zwar wurde der Beschluss zurückgenommen, doch er irritiert und lässt fragen, warum die deutsch-deutsche Zeitgeschichte in den Curricula auf so wackligen Füßen steht. Mit dieser Magazinausgabe bewegen wir uns über diese Frage weit hinaus − wir diskutieren, wie Grundschulkinder DDR-Geschichte lernen sollten.

Die Expert*innen, die in dieser Ausgabe schreiben, sind sich einig: Das Thema ist auch für Grundschulkinder relevant. Dennoch scheint es nötig, das immer wieder zu begründen. Dabei sollte die Diskussion eigentlich weiter sein. Jedoch hat die geschichtsdidaktische Auseinandersetzung zum Thema DDR in der Grundschule bisher einen marginalen Stellenwert. Die wenigen Forschenden weisen wiederholt auf Lücken hin. Gleichzeitig mangelt es am Transfer ihrer bisherigen empirischen Befunde, Forschungserkenntnisse und methodischen Konzepte in die Bildungspraxis – im Vergleich zu den Fachdidaktiken anderer Altersgruppen.

Hier liegt ein lohnendes Feld für bildungswissenschaftliche Diskussion und Entwicklung: Wie vermittelt man DDR-Geschichte kindgerecht, ohne auf die Methoden der Geschichtswissenschaft – etwa die Quellenkritik – zu verzichten? Warum sind etwa Bildnachweise auch für Materialien der Grundschule wichtig und wie können kindgerechte Bildunterschriften aussehen? Und über welche Themen wird der Gegenstand „DDR“ Kindern erzählt? Konsens besteht darüber, dass die Alltagsgeschichte, etwa die DDR-Schule und die Jungen Pioniere, sich sehr gut eignet. Die Diktatur und ihre Überwindung sind ebenso zentrale Themen in Bildungsprojekten für Kinder. Wenn Zeitzeug*innen ihre Kindheit in der DDR jedoch ungebrochen positiv und nicht als Erfahrung von Diktatur erzählen – wie gehen Teamer*innen damit um im Kontext von Demokratieerziehung und Kontroversitätsgebot? Und wie lernen Kinder mit migrantischen Erfahrungen oder aus migrantischen Familien DDR-Geschichte? Wie knüpfen Lehrkräfte an deren Lebenswelt und -geschichte an?

Nur diese wenigen Fragen zeigen: Das Thema ist facettenreich und spannend! Lesen Sie in den nachfolgenden Essays, wie die Fachdidaktiker*innen das Thema reflektieren. Im Serviceteil stellen wir einige Konzepte und Projekte vor, um zu zeigen, was es bereits gibt.

Julia Peuke hat untersucht, was Grundschulkinder über die DDR wissen und damit bereits in den Unterricht mitbringen. Sie stellt uns die Ergebnisse ihrer Studie vor.

Christian Fischer zeigt, dass für Grundschulkinder lebensweltliche Bezüge zur DDR-Geschichte auf der Hand liegen – und schlägt für den Sachunterricht interessante didaktische Zugänge vor.

Detlef Pech diskutiert den Einsatz von Zeitzeug*innengesprächen im Grundschulunterricht und weist auf die fehlenden empirischen Untersuchungen dazu hin.

Sandra Tänzer beschreibt, wie autobiografische Erfahrungen von Lehrkräften deren Unterricht prägen. Sie fordert, dass sich Lehrende für unterschiedliche Sichtweisen auf die DDR sensibilisieren.

Tobias Rischk hat für uns die Emmy-prämierte Doku-Serie „Auf Fritzis Spuren“ angeschaut und geprüft, ob sie sich für den Einsatz im Unterricht eignet.

Juliane Gröber rezensiert das neue Unterrichtsmaterial „Zeitreise DDR“ – eine Podcastreihe für die Schule und Zuhause.

Birgit Wenzel stellt eine Handreichung zu außerschulischen Lernorten in Berlin vor – ein Überblick über Angebote zur DDR- und NS-Geschichte für Grundschulen.

Einen Einblick in das Format der Kinder-Unis geben uns Lucie Kiehlmann und Lucia Demuth. Auf der Grundlage ihrer Erfahrungen diskutieren sie Chancen und Herausforderungen solcher Angebote.

Anja Bellmann erläutert die Bildungsangebote der Gedenkstätte Berliner Mauer. Schulklassen können sich dort bei der Erprobung neuer Formate einbringen.

Henrike Voigtländer beschreibt, wie sich die Bildungsarbeit für die Zielgruppe Grundschulkinder am Lernort Keibelstraße weiterentwickelt hat. Seit Gründung des Lernorts 2019 sind einige Angebote dazugekommen.

Das Thema dieser Magazinausgabe ist von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur angeregt worden, um es im Fachdiskurs und in der praktischen Bildungsarbeit voranzubringen. Dafür und für die Förderung danken wir. Unser Dank gilt ebenso allen Autor*innen dieser Ausgabe, besonders Julia Peuke, die diese Magazinausgabe fachlich kompetent beraten hat.

Die kommende Magazinausgabe erscheint am 29. April 2026. Sie thematisiert Fragen der interkulturellen Bildung am Beispiel der DDR-Migrationsgeschichte.

Ihre LaG-Redaktion

Beiträge

Zur Diskussion

Julia Peuke hat untersucht, was Grundschulkinder über die DDR wissen und damit bereits in den Unterricht mitbringen. Sie stellt uns die Ergebnisse ihrer Studie vor.

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Zur Diskussion

Christian Fischer zeigt, dass für Grundschulkinder lebensweltliche Bezüge zur DDR-Geschichte auf der Hand liegen – und schlägt für den Sachunterricht interessante didaktische Zugänge vor.

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Zur Diskussion

Detlef Pech diskutiert den Einsatz von Zeitzeug*innengesprächen im Grundschulunterricht und weist auf die fehlenden empirischen Untersuchungen dazu hin.

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Zur Diskussion

Sandra Tänzer beschreibt, wie autobiografische Erfahrungen von Lehrkräften deren Unterricht prägen. Sie fordert, dass sich Lehrende für unterschiedliche Sichtweisen auf die DDR sensibilisieren.

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Empfehlung Film

Tobias Rischk hat für uns die Emmy-prämierte Doku-Serie „Auf Fritzis Spuren“ angeschaut und geprüft, ob sie sich für den Einsatz im Unterricht eignet.

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Neu eingetroffen

Juliane Gröber rezensiert das neue Unterrichtsmaterial „Zeitreise DDR“ – eine Podcastreihe für die Schule und Zuhause.

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Empfehlung Fachdidaktik

Birgit Wenzel stellt eine Handreichung zu außerschulischen Lernorten in Berlin vor – ein Überblick über Angebote zur DDR- und NS-Geschichte für Grundschulen.

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Veranstaltung

Einen Einblick in das Format der Kinder-Unis geben uns Lucie Kiehlmann und Lucia Demuth. Auf der Grundlage ihrer Erfahrungen diskutieren sie Chancen und Herausforderungen solcher Angebote.

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Lernort

Anja Bellmann erläutert die Bildungsangebote der Gedenkstätte Berliner Mauer. Schulklassen können sich dort bei der Erprobung neuer Formate einbringen.

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Lernort

Henrike Voigtländer beschreibt, wie sich die Bildungsarbeit für die Zielgruppe Grundschulkinder am Lernort Keibelstraße weiterentwickelt hat. Seit Gründung des Lernorts 2019 sind einige Angebote dazugekommen.

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