Gesellschaftsverbrechen NS-Zwangsarbeit – im Gespräch mit Christine Glauning und Katja Makhotina
Dieser Beitrag ist Teil der Magazin Ausgabe: Gesellschaftsverbrechen NS-Zwangsarbeit. Ereignis und Erinnerung
Christine Glauning, Historikerin, ist Leiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide.
Katja Makhotina ist Historikerin und vertritt zurzeit den Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
LaG: Wie gut ist NS-Zwangsarbeit erforscht: Was sind aktuelle Themen in diesem Feld und wo sehen Sie Leerstellen und Wissenslücken?
Christine Glauning: In den letzten zwanzig Jahren ist eine große Zahl von ganz unterschiedlichen, häufig lokalgeschichtlichen Studien entstanden. Zwangsarbeit gehört mittlerweile zu den gut erforschten Bereichen der NS-Geschichte, aber es gibt noch etliche Leerstellen. Was fehlt, sind vergleichende Untersuchungen zu Querschnittsfragen, etwa den Machtverhältnissen und Handlungsspielräumen der Profiteur:innen in den Betrieben, aber auch zu Formen von Widerstand und Selbstbehauptung unter den Zwangsarbeiter:innen. Zwangsarbeit in den besetzten Gebieten ist ein wichtiges Thema, das können wir noch nicht einmal zahlenmäßig erfassen. Es gibt weitere Leerstellen wie die große Gruppe der zivilen Zwangsarbeiter:innen, die in der letzten Kriegsphase in die KZ überstellt wurden und dort zeitweise eine der größten Häftlingsgruppen bildeten, oder auch der sogenannte geschlossene Arbeitseinsatz deutscher Jüdinnen und Juden. Wenn wir dann auf die Zeit nach 1945 schauen: Es fehlen Studien zu den sozialen, psychischen und ökonomischen Langzeitfolgen für Überlebende und ihre Familien. Wie sind die Nachfahren von Profiteur:innen mit ihrer Familiengeschichte umgegangen? Große Unternehmen haben ihre Geschichte aufarbeiten lassen, aber es ist wenig erforscht, dass auch die meisten kleineren und mittleren Betriebe von Zwangsarbeit profitiert haben. Ich finde es zudem wichtig, Zwangsarbeit auch in der Verflechtung mit anderen Verbrechenskomplexen zu betrachten, etwa mit den Krankenmorden: Arbeitsunfähige Zwangsarbeiter:innen wurden im Rahmen der T4-Aktion getötet, zum Beispiel in Hadamar.
Katja Makhotina: Wenn wir davon ausgehen, dass es kaum einen Betrieb in Deutschland gab, in dem keine Zwangsarbeit geleistet wurde, dann ist das Ausmaß des Verbrechens klar – einfache Deutsche waren Profiteure oder haben sich daran beteiligt. Sowohl in der Forschung als auch in der öffentlichen Erinnerung ist NS-Zwangsarbeit jedoch nicht als Gesellschaftsverbrechen mit vielen Mitverantwortlichen präsent. Ich möchte ergänzend aus der Perspektive der osteuropäischen Geschichte zwei Aspekte ausführen. Zum einen gab es in den 1990er Jahren und später eine starke Hinwendung zur Oral History − Interviews mit den Erinnerungen von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die nach Deutschland verschleppt worden sind, wurden gesammelt. Es ging um ihre Deportation und um die harte Arbeit in Rüstungsbetrieben oder auf Bauernhöfen. Das wird ja in der deutschen Wahrnehmung sehr oft verharmlosend dargestellt: „Unsere Natascha hatte es so gut bei uns.“ Das ist realitätsfern. Mehr als 50 Prozent waren junge Frauen oder Mädchen. Der Organisation Memorial, später der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft gelang es, diese subjektiven Erfahrungen festzuhalten. Das sind Quellen von unschätzbarem Wert, aber sie haben ihre Grenzen. Betroffene, die nicht überlebten, haben uns kein Zeugnis hinterlassen: z. B. Frauen, die an Zwangsabtreibungen starben, oder die über 55.000 Neugeborenen, die in den „Ausländerkinder-Pflegestätten“ zu Tode ‚versorgt‘ wurden (siehe den Beitrag Brüntrup in diesem Magazin).
Der zweite Aspekt ist ein neuer Ansatz: Man geht davon aus, dass diese Erfahrung der Gewalt sich auf die nachfolgenden Generationen überträgt. In unserer heutigen postmigrantischen Gesellschaft leben Menschen mit Migrationshintergrund aus der Ukraine, aus Belarus, aus Polen, aus Russland, denen diese Erfahrung nach wie vor präsent ist. Zudem sollten wir fragen: Was sind heutige asymmetrische Verhältnisse zwischen deutscher Mehrheitsgesellschaft und Menschen mit Migrationshintergrund aus dem osteuropäischen Raum? Hat der koloniale Rassismus – und damit meine ich den Antislawismus – immer noch Bestand?
Christine Glauning: Ich würde gerne die Perspektive NS-Zwangsarbeit als Gesellschaftsverbrechen aufgreifen. Im Grunde hat die gesamte „Volksgemeinschaft“ profitiert − durch den massenhaften Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft war die Versorgungslage während des Krieges weitgehend gesichert und Zwangsarbeit trug so zur Stabilisierung der NS-Diktatur bei. Zudem waren alle Ministerien auf Reichsebene, alle kommunalen Verwaltungen und Sonderbehörden involviert in Zwangsarbeit − in Organisation, Überwachung, Sanktionierung. Zwangsarbeiter:innen waren unübersehbar und Teil des Alltags der deutschen Bevölkerung. Nach den Schätzungen des United States Holocaust Memorial Museums gab es hochgerechnet 42.500 Lager im deutschen Machtbereich. Diese Dimension ist immer noch wenig bekannt.
Katja Makhotina: Wenn wir über Leerstellen sprechen, möchte ich die sogenannten Entbindungsbaracken erwähnen. Als durch Himmler 1943 erlassen wurde, dass die schwangeren Zwangsarbeiterinnen nicht mehr in die Herkunftsorte zurückgeführt werden, hieß es dann, dass sie abzutreiben haben, bis zum fünften Schwangerschaftsmonat. In den „Entbindungsbaracken“ starben Frauen aufgrund der menschenunwürdigen Verhältnisse an diesen Abtreibungen. Es gab in den Universitätskliniken spezielle Stationen, in denen Ärzte Abtreibungsversuche durchgeführt haben. Die Frauen aus dem östlichen Europa waren für sie Testmaterial. Diese Geschichte ist ein unrühmliches Blatt in der deutschen Medizingeschichte und bisher nicht geschrieben worden.

Christine Glauning: Danke, dass Sie gerade dieses Thema aufgreifen, weil ich in den letzten Jahren immer wieder darauf gestoßen bin. In einer Universitätsklinik in Graz/Österreich versuchte der ärztliche Leiter sein bekanntermaßen fehlendes fachliches Können nicht mehr an Leichen, sondern an sowjetischen Frauen, die wegen eines Abbruchs in die Klinik gekommen waren, zu verbessern und verstümmelte sie dabei schwer. Zur spezifischen Situation der Frauen gehört auch der Sonderlagertyp der Bordellbaracken, in denen zivile Zwangsarbeiterinnen Sexarbeit verrichten mussten. Über KZ-Bordelle wurde bereits geforscht, aber über diejenigen für zivile Zwangsarbeiter wissen wir sehr wenig.
LaG: Wie ist das Wissen über NS-Zwangsarbeit strukturiert: Ist die Perspektive der Betroffenen ausreichend präsentiert? Und wissen wir andererseits noch zu wenig über die Täter:innen, die Profiteur:innen und Zuschauer:innen?
Katja Makhotina: Das hängt eng mit dem Begriff des Gesellschaftsverbrechens zusammen. Dass die eigenen Vorfahren mitbeteiligt waren an der NS-Gewalt, ist eine Erinnerung, die schmerzt, die ist ungemütlich. Die kritische Auseinandersetzung mit Täterschaft soll nicht nur im kollektiven Gedächtnis erfolgen, aber auf der individuellen Ebene ist eine Sperre dagegen. Also erforschen die HistorikerInnen die Orte der Gewalt und die Mitbeteiligung verschiedener Ämter. Aber wer liest ihre Bücher mit all den Fußnoten?
Christine Glauning: Bei der Erarbeitung unserer ersten Dauerausstellung „Alltag Zwangsarbeit 1938-1945“ haben wir uns gefragt: Wie gehen wir mit der Täter-Opfer-Dichotomie um? Es hat zu viele unterschiedliche Gruppen von Beteiligten gegeben und wir entschieden uns, von Akteur:innen zu sprechen, die unterschiedliche Verantwortungen und Handlungsspielräume hatten: ein Lagerleiter oder der Personalchef von Siemens; die Nachbarin, die Kontakt zu einem Zwangsarbeiter hatte; der Vorarbeiter aus einem kleineren Betrieb oder ein Musikethnologe, der in Lagern Tonaufnahmen von singenden Zwangsarbeiter:innen gemacht hat.

LaG: Frau Makhotina, Sie haben von einer deutschen „Politik des Vergessens“ gesprochen. Wie ist das lange Schweigen zu erklären? Wie wurde die Aufarbeitung von NS-Zwangsarbeit angestoßen, welcher Initiativen bedurfte die Erinnerungsarbeit?
Katja Makhotina: „Politik des Vergessens“ ist natürlich ein Begriff, den es aufzuschlüsseln gilt. Ich sehe hierfür zwei Gründe: Zum einen der Kalte Krieg und der antikommunistische Diskurs in Westdeutschland − der Feind war immer noch im Osten und wurde nicht unbedingt als Opfer der eigenen Gewalt angesehen. Zweitens war der Grad der eigenen Mitbeteiligung und Mitverantwortlichkeit so ungemein hoch. Bei den Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung hat die Bundesregierung NS-Zwangsarbeit als normalen Kriegsschaden abgetan und wollte nicht dafür aufkommen. Sie argumentierte, die Sowjetunion habe ja 1953 auf Reparationen verzichtet. Zeitgleich zu diesen Verhandlungen schrieben tausende Menschen Briefe an die deutschen diplomatischen Vertretungen in ihren Ländern, in denen sie ihr Leid beschrieben, zugleich aber ihren Wunsch nach Versöhnung und Anerkennung ihres Leids äußerten. Viele Betroffene litten an Armut, waren alt und krank, sie schrieben in der Hoffnung, Unterstützung zu bekommen. Memorial sammelte die Briefe, aber diesem Anliegen wurde nicht stattgegeben. Es erfolgte 1992 lediglich eine Härtefallregelung, für die eine Milliarde DM zur Verfügung gestellt wurde.
Die KZ-Gedenkstätten wie Sachsenhausen, Neuengamme, Buchenwald ergriffen Erinnerungsinitiativen. Abseits davon gab es wenig Lust und Laune, sich des Themas anzunehmen, ausgenommen die neue Gedenkstättenbewegung „Grabe, wo du stehst“, die Ende der 1970er und in den 1980er Jahren entstand. LehrerInnen und PfarrerInnen setzten durch ihre Initiative ein machtkritisches Zeichen und distanzierten sich von der deutschen Politik. Sie suchten nach Überlebenden und schrieben ihnen Briefe. In den 1990er Jahren kamen die Betroffenen zum ersten Mal auf Einladung nach Deutschland.
Christine Glauning: Das Thema Zwangsarbeit war nach 1945 in den Nürnberger Prozessen ein Anklagepunkt und es gab Verurteilungen. Fritz Sauckel als Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz ist zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Aber danach verschwand das Thema komplett aus der deutschen Nachkriegsgeschichte und zwar auf allen Ebenen. Es erfolgte keine justizielle Ahndung vor deutschen Gerichten, Zwangsarbeit war kein Straftatbestand. Es sind nur ganz wenige Urteile wegen Kriegsendphasenverbrechen ergangen, also wegen Mordes, aber nicht wegen des Einsatzes von Zwangsarbeiter:innen. Nach dem Bundesentschädigungsgesetz von 1953 waren Zwangsarbeit und damit individuelle Entschädigung ausgeschlossen. Das Thema war vergessen und ausgeblendet. Die Überlebenden sind wieder in ihre Länder zurückgegangen oder wanderten aus, nur wenige blieben in Deutschland. Manche versuchten, Entschädigungsanträge zu stellen, aber die deutschen Behörden lehnten mit der Begründung ab, Zwangsarbeit sei kein NS-Unrecht, sondern „eine Maßnahme zur Beseitigung des kriegsbedingten Arbeitskräftemangels“ gewesen. Erst mit der Debatte um die Entschädigung in den 1990er Jahren gab es zum ersten Mal eine breitere Diskussion über Zwangsarbeit (siehe den Beitrag Bock in diesem Magazin). Die Berliner Geschichtswerkstatt begann Ende der 1980er Jahre, Zwangsarbeit in Berlin aufzuarbeiten und suchte den Kontakt zu ehemaligen Zwangsarbeiter:innen in Polen, Tschechien und in der Ukraine. Fotos, Dokumente, Briefe wurden gesammelt, auch Interviews geführt. Da wurde hochprofessionelle Arbeit geleistet, unter schwierigen, weil ehrenamtlichen Bedingungen. Aber wie die Firmen mit ihrer Geschichte umgegangen sind und die spätere Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft und des Bundes, das sind Prozesse, die durch Druck von außen angestoßen worden sind.

Katja Makhotina: Die AgentInnen der Erinnerung der ersten Stunde beklagen oft, dass sie in ihren Orten als Nestbeschmutzer galten, ihnen wurden Hindernisse in den Weg gelegt. Die Pläne für eine Gedenkstätte wurden in den städtischen Parlamenten nicht selten in den Wind geschlagen. Und bis heute protestieren die Nachfahren von Verantwortlichen, wenn diese auf Gedenksteinen namentlich genannt werden. Da kommt der Enkel des damaligen Bürgermeisters, der in der Nazizeit einen Hinrichtungsbefehl gegen polnische oder ukrainische Zwangsarbeiter gegeben hat, und sagt: „Streicht das, ich möchte nicht, dass hier der Name meines Großvaters steht.“ Auch im Jahr 2026 gibt es noch Widerstand gegen diese Initiativen.
Christine Glauning: Es passiert auch heute noch, dass einzelnen Forscher:innen Steine in den Weg gelegt werden: Kommunale Archive werden nicht geöffnet oder nur Teile der Bestände zugänglich gemacht, mit der Behauptung, das sei sowieso alles im Krieg vernichtet worden.
LaG: Frau Glauning, ist das Wissen über NS-Zwangsarbeit mittlerweile öffentlich hinreichend präsent und in der Breite angekommen?
Christine Glauning: Eine wiederkehrende Beobachtung aus dem Alltag hier im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit ist: Die Vorkenntnisse von Besucher:innen sind begrenzt, sie staunen immer noch über die qualitative und quantitative Dimension von Zwangsarbeit, dass alle Betriebe davon profitiert haben, auch über die Zahl der Lager und die der betroffenen Menschen. Es kommen auch viele Schulklassen zu uns, aber in den Lehrplänen ist das Thema Zwangsarbeit nur ungenügend verankert. Es steht und fällt mit dem Engagement von Lehrer:innen, welchen außerschulischen Lernort sie besuchen, ob sie wie seit zwanzig Jahren in eine KZ-Gedenkstätte fahren oder vielleicht mal einen Ort der NS-Zwangsarbeit besuchen. Zwangsarbeit wird oft noch als Randthema wahrgenommen und in seiner Bedeutung für die NS-Gesellschaft nicht erfasst.
LaG: Frau Makhotina, wie wird das Thema in Osteuropa erinnert?
Katja Makhotina: Ich würde damit beginnen, dass der Krieg für Osteuropa heute durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine keine Vergangenheit, sondern Gegenwart ist. Wie kann man bewahren, was jetzt durch die Raketenangriffe von Zerstörung bedroht ist? Es sind viele Initiativen entstanden, um Archivdokumente zu Zwangsarbeit, aber auch zum Kriegsgeschehen und zur deutschen Besatzungspolitik, zu digitalisieren und zu retten. Das Gedächtnis an den Zweiten Weltkrieg wird heute in der Ukraine, aber auch in Russland und Belarus tagespolitisch genutzt, um bestimmte Opfer- oder Feindbilder zu zeichnen. In Russland und Belarus wird jetzt im neuen Diskurs der Selbstviktimisierung alles unter dem Begriff Genozid subsumiert. Das ist aber nicht völkerrechtlich gemeint, sondern ein emotionaler Kampfbegriff. Die Erinnerung an Zwangsarbeit steht unter dem Motto: „Wir wurden damals als Sklaven von Europa ausgebeutet. Der Westen ist unser ewiger Feind.“ Die Kluft zwischen der individuellen und der öffentlichen, politisch überformten Erinnerung ist nicht einmal in der sowjetischen Zeit so groß gewesen wie jetzt (siehe den Beitrag Reznyk in diesem Magazin).
LaG: Welche Herausforderungen ergeben sich für die Bildungsarbeit zum Thema NS-Zwangsarbeit?
Christine Glauning: Unsere Besucher:innen stellen zunehmend Fragen zu aktuellen Kriegen und Konflikten. Auch Bezüge zu den Themen Zwangsarbeit und Arbeitsausbeutung heute, Kontinuitäten von Rassismen und von Antisemitismus werden hergestellt. Die Herausforderung ist es, auf diese Fragen angemessene Antworten zu finden, ohne NS-Verbrechen zu relativieren oder zu verharmlosen. Die Auseinandersetzung mit solchen Themen gelingt nicht im Rahmen einer Frontalführung, sondern braucht Zeit, Raum und geschultes Personal, zumal angesichts einer sehr heterogenen Besucherschaft.
Katja Makhotina: Auf der lokalen Ebene kommt es wiederholt vor, dass die Gräber der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus dem östlichen Europa als „Russengräber“ bezeichnet werden. Aber die Sowjetunion ist nicht gleich Russland und für die Menschen aus der Ukraine, die seit 2022 vor dem Krieg nach Deutschland geflüchtet sind, ist es sehr wichtig zu vermitteln − das sind auch Gräber von Menschen aus der Ukraine. Was bei den deutschen Großeltern noch „Russlandfeldzug“ hieß, war ein Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion − ein Vielvölkerstaat mit vielen Ethnien. Daher besteht die kollektive Verantwortung nicht nur gegenüber Russland, sondern auch gegenüber allen anderen fünfzehn ehemaligen Sowjetrepubliken. Man denke nur an 300.000 kasachische Kriegsgefangene. Eine solche Differenzierung entzieht sich der politischen Instrumentalisierung, indem man ganz konkret einzelne Biografien präsentiert. Es könnte sehr gut gelingen im Rahmen einer Wanderausstellung, die das Thema nicht nur in Berlin, Nürnberg oder Weimar, sondern an vielen Orten vermittelt.