Retterinnen und Retter von Juden im „Dritten Reich“

Beate Kosmala: Retterinnen und Retter von Juden im "Dritten Reich" (1941-45) S. 106-115. In: Meyer, Dovermann, Frech, Gugel (Hg.): Zivilcourage lernen. Analysen, Modelle, Arbeitshilfen Bundeszentrale für politische Bildung, 2004.

Ausgehend von den Befunden des Forschungsprojektes "Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland" (1997-2002) des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung beschäftigt sich Beate Kosmala zuerst mit der Frage welche konkreten Risiken Helferinnen und Helfer eingingen, wenn sie Verfolgte beherbergten, ihnen Lebensmittelkarten oder falsche Papiere besorgten.

Da keine eindeutige rechtliche Grundlage für ein strafrechtliches Vorgehen gegen Helferinnen und Helfer verfolgter Juden existierte, konnte das Strafmaß von Verwarnungen und Geldbußen bis hin zu einer Einweisung ins Konzentrationslager reichen. Die Beherbergung von Juden und andere Hilfsleistungen dieser Art wurden unter dem Schlagwort der "Judenbegünstigung" subsumiert und meist ohne Gerichtsverfahren von der Gestapo verfolgt. Das Risiko für die Helferinnen und Helfer war von daher nicht kalkulierbar.

Anhand einzelner Geschichten von Helferinnen und Helfern zeigt Beate Kosmala deren Handlungsalternativen auf, die es "zwischen den Extremen des völligen Gehorsams und des todesbereiten Widerstands2 gegeben habe. Sie versucht im Folgenden der Motivation der Helferinnen und Helfer näher auf die Spur zu kommen und gibt gleichzeitig einen Abriss bisheriger Forschungsansätze, die von der These einer "altruistischen Persönlichkeit" (Samuel und Pearl Oliner, 1988) ausgingen bzw. davon, dass die Retter ihr Handeln an positiven Vorbildern orientierten und sie eine nichtautoritäre Erziehung genossen hatten (Wolfson 1975) – eine These, die einer späteren Überprüfung nicht standhielt.

Kosmala rät darum zu Skepsis gegenüber Theorien, die eine "Retterpersönlichkeit" konstruieren möchten. Kosmala versucht stattdessen anhand einiger ausgewählter Helfergeschichten verschiedene situations- und persönlichkeitsabhängige Handlungsmuster aufzuzeigen, die sich etwa in aktiven Hilfsangeboten oder eher reaktivem Verhalten von HelferInnen, die zuvor von Verfolgten um Hilfe gebeten worden waren, widerspiegelten. Abschließend diskutiert Kosmala eine mögliche Vorbildfunktion dieser mutigen Helfer, deren Nutzen für den Unterricht nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Hilfreich für eine weitergehende Beschäftigung ist das beigefügte Literaturverzeichnis.

Der Link zum Text: http://www.bpb.de/files/VU4I4T.pdf

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