Hans Filbinger
Eine deutsche Karriere
Wolfram Wette (Hg.): Filbinger – eine deutsche Karriere. (2006) Verlag zu Klampen Springe, 191 S., 18,- €
"Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein", so rechtfertigte Hans Filbinger noch im Jahre 1978 seine verhängnisvolle Tätigkeit als NS-Marinerichter und löste damit einen der größten politischen Skandale der Bundesrepublik Deutschland aus.
Die kontroverse öffentliche Debatte um Hans Filbinger, den ehemaligen NS-Marinerichter und späteren Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, liegt nun schon ein Generationenalter zurück. Seinerzeit waren alleine die historischen Fakten, die exemplarisch die Karriere eines Juristen offenbarten, der es vom Kriegsrichter im NS-Staat und bis zum Ministerpräsidenten eines Bundeslandes gebracht hatte, empörend genug.
Filbingers halsstarriger Versuch einer Selbstrechtfertigung geriet ihm unversehens zu einer Gleichsetzung von nationalsozialistischem Unrechtsstaat und demokratischem Rechtsstaat: Das aber führte zu einem nachhaltigen Vertrauensverlust selbst in seiner eigenen, christdemokratischen Partei. Sie war es, die den Ministerpräsidenten schließlich zu Fall brachte.
Obwohl der Fall Filbinger schon 1978 von Journalisten gut recherchiert wurde, gibt es bis heute in Buchform nur parteipolitisch motivierte Apologien, aber keine umfassende, sachliche und kritische Darstellung insbesondere der rechtsgeschichtlichen Problematik dieses Skandals sowie der Auseinandersetzungen um das geplante Atomkraftwerk Wyhl am Oberrhein und von Filbingers späterem Engagement im rechtslastigen Studienzentrum Weikersheim.
Ein Buch mit Beiträgen von Ricarda Berthold, Helmut Kramer, Joachim Perels, Anton Maegerle, Manfred Messerschmidt, Walter Mossmann und Wolfram Wette.