Lust machen zum Weiterforschen. Kinder-Unis zur deutschen Teilungs- und Einheitsgeschichte

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Lucia Demuth ist studentische Mitarbeiterin im Bereich Schulische Bildungsarbeit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Sie hat Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Migration und Integration studiert und absolviert derzeit ihren Master in European Studies an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

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Lucie Kiehlmann arbeitet im Bereich Schulische Bildungsarbeit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und koordiniert das Online-Portal www.zeitzeugenbuero.de. Zuvor war sie in verschiedenen Museen in der Vermittlung tätig. Sie hat Kultur- und Medienpädagogik sowie Soziale Arbeit studiert.

Lucie Kiehlmann und Lucia Demuth

 

Einführung

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur führte in den vergangenen Jahren Kinder-Uni-Veranstaltungen in Kooperation mit der Georg-August-Universität Göttingen und der Humboldt-Universität zu Berlin durch. Im Fokus standen zentrale Ereignisse der deutschen Teilungs- und Einheitsgeschichte, etwa der Volksaufstand vom 17. Juni 1953, die Friedliche Revolution und die deutsche Einheit. Die Erfahrungen aus diesen Veranstaltungen bilden die Basis für einen Überblick über die Konzeption und Durchführung sowie die Chancen und Herausforderungen dieses Bildungsformats für Grundschulkinder.

Lucia Demuth bei der Kinder-Uni in Göttingen, 05.06.2024 © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Während weiterführende Schulen die deutsche Teilung und Einheit lehrplangemäß behandeln, kommen Grundschulkinder allenfalls punktuell mit DDR-Geschichte in Berührung. Kinder-Unis sind deshalb für die Bundesstiftung Aufarbeitung ein ideales Format, um die jüngere Zielgruppe für historische Themen zu begeistern.

Vielfalt der Formate

An deutschen Hochschulen haben sich verschiedene Kinder-Uni-Formate etabliert, um jungen Menschen Forschung und Universitätsleben näherzubringen. In Göttingen können Eltern ihre Kinder etwa für Vorlesungen anmelden. Die Teilnehmenden sind innerhalb einer vorgegebenen Altersspanne gemischt, tendenziell aus bildungsnahen Familien und bringen oft Vorwissen mit. Ein anderes Format, das unter anderem von der Berliner Humboldt-Universität angeboten wird, richtet sich an ganze Schulklassen. Hier sind die Kinder gleich alt, doch Vorwissen und Leistungsvermögen können innerhalb der Klasse stark variieren. Eine weitere Variante des Schulklassen-Formats sind mobile Kinder-Uni-Workshops, die direkt in Schulen stattfinden. Gemeinsam ist allen diesen Formaten, dass Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler den Kindern ihr Wissen und ihr Arbeitsfeld altersgerecht näherbringen. Die je nach Format unterschiedlich zusammengesetzten Lerngruppen erfordern Differenzierung sowohl hinsichtlich des Themenzuschnitts als auch der eingesetzten Methoden.

Themenzuschnitt

Die DDR-Geschichte als Teil der jüngsten deutschen Zeitgeschichte bietet durch eine gute und vielfältige Quellenlage ideale Voraussetzungen, Kinder an historische Themen und Methoden heranzuführen. Ziel der Kinder-Uni ist es, eine Wissensbasis zu schaffen, die Kinder fortan in der Schule und Freizeit weiter ausbauen können. Konkret gehört dazu etwa die Frage „Was war die DDR?“. Sie impliziert die deutsche Teilung, die Herrschaftsverhältnisse und das Leben der Menschen in der DDR. Weitere DDR-Themen, die jüngere Zielgruppen aufgrund ihrer aktuellen Bezüge interessieren, sind die Bedeutung von Mauern und Grenzen im Allgemeinen, Schule oder Flucht.

Die Eingrenzung der Inhalte durch die Wahl von Themenschwerpunkten und die Entwicklung von Leitfragen verhindert Überforderung. Dabei legt etwa die Auseinandersetzung mit dem 9. November in höheren Klassen den Verweis auf die mehrfache Bedeutung des Datums in der deutschen Geschichte nahe; für jüngere Schülerinnen und Schüler können Zeitsprünge innerhalb der Vergangenheit hingegen verwirrend sein. Gegenwartsbezüge helfen den Kindern, den Stoff in ihrer Lebenswelt zu verankern. Dafür bieten sich aktuelle Themen wie Flucht oder Jahrestage wie der 3. Oktober an. Auch historische Orte im Lebensumfeld der Lernenden können eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart bilden.

Lucie Kiehlmann mit Grundschülern bei der Humboldt-Kinder-Uni am 04.11.2025, Berlin © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Methodenwahl

Grundschulkinder sind – fast immer – neugierig und interaktionsfreudig. Methoden sollten spielerisch an diese Eigenschaften anknüpfen. Fragerunden im Plenum, bei denen die Kinder mit Handzeichen antworten können, bieten einen niedrigschwelligen Einstieg und aktivieren die Gruppe. Die sprachliche Vermittlung von Inhalten kann mit einer bilderreichen Präsentation einhergehen, sodass Lernen auf auditiver und visueller Ebene stattfindet.

Besonders in der Beschäftigung mit Quellen liegt großes Potenzial. Sie liefern authentische Informationen und sind Erprobungsmaterial für historisches Arbeiten. Unerlässlich ist dabei, die fachwissenschaftlichen Standards an das Verständnis der Kinder anzupassen. Altersgerechte Video- und Tondokumente sorgen für Abwechslung und orientieren sich an den Alltagserfahrungen der Kinder. Historische Aufnahmen, etwa, wenn bei einer Montagsdemonstration Rufe erschallen oder die Menschen den Mauerfall feiern, transportieren zudem Stimmungen. Kleine Aufgaben, wie das Beschreiben eines Fotos oder das Formulieren von Fragen an DDR-Zeitzeuginnen oder -Zeitzeugen, binden alle Kinder ein und fördern die Aufmerksamkeit.

Eine Alternative zu Gesprächsgästen in Präsenz sind Zeitzeugen-Personas. Diese verdichten reale Lebenserfahrungen mehrerer Zeitzeugen zu einer konstruierten Biografie. Der Konstruktionsmoment ermöglicht, verschiedene Themen und Perspektiven zu berücksichtigen. Die Personas können in Form von Kommentaren als roter Faden durch die Veranstaltung führen. Ein abschließendes Quiz ist prädestiniert dafür, die Inhalte zusammenzufassen und das Gelernte zu festigen.Veranstaltungen, die länger als 45 bis 60 Minuten dauern, sollten eine Pause beinhalten.

Quiz bei der Humboldt-Kinder-Uni am 04.11.2025 in Berlin © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Fazit

Kinder-Uni-Veranstaltungen haben sich als wertvolles Format erwiesen, um historisch-politische Bildung für ein jüngeres Publikum zugänglich zu machen. Das ist wichtig, da die Zielgruppe der Grundschulkinder häufig vernachlässigt wird, auch Lehrmaterialien zu historischen Themen werden seltener für sie entwickelt.

Die Begeisterungsfähigkeit von Kindern ist ein Schlüssel, um sie für die DDR-Geschichte zu interessieren und zum Weiterforschen zu motivieren. Dabei steht ein umfangreiches Repertoire an Formaten und Methoden zur Verfügung, das beispielsweise eine alters- und leistungsgerechte Differenzierung ermöglicht. Wünschenswert ist, Kinder-Uni-Veranstaltungen inklusiv auszurichten, damit Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten Voraussetzungen teilnehmen können.

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