Die Podcastreihe „Zeitreise DDR“
Juliane Gröber ist Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich Sachunterricht und seine Didaktik an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Juliane Gröber
Die deutsch-deutsche Teilungsgeschichte ist ein zentrales Thema der deutschen Zeitgeschichte. Für Grundschulkinder stehen bislang nur wenige altersgerechte und fachdidaktisch fundierte Materialien zur Verfügung. Die Podcastreihe „Zeitreise DDR“, veröffentlicht im November 2025 vom Forum für Kultur und Bildung, richtet sich explizit an Grundschulkinder und ermöglicht ihnen eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR. Die folgende Rezension nimmt den Podcast sowie das dazugehörige Begleitmaterial kritisch in den Blick und analysiert ihr Potenzial für den Einsatz im Unterricht.

Die Podcast-Reihe „Zeitreise DDR“, 2025 © Paul Glaser / Forum für Kultur und Bildung Leipzig
Die Reihe umfasst neun Folgen à 20 Minuten. Sie begleitet die Geschwister Mia und Ben, die bei ihren Großeltern ein Fotoalbum entdecken und damit familiäre DDR-Erfahrungen erkunden. Die Themen reichen von Schule, Stasi, Freizeit, Medien und Wohnen bis hin zu Flucht und Mauerfall. Zu jeder Folge gibt es Begleitmaterialien mit Bildquellen, Begriffserläuterungen, Hintergrundinformationen und einem „Mach-mit“-Teil mit Rätseln und weiteren Impulsen zum Download.
Folge 1 der Podcastreihe fungiert als narrative Rahmung und fördert historische Sach- und Fragekompetenz, indem Mia und Ben anhand der Fotos aus dem Album Fragen an die Großeltern stellen. Die Fragen der Geschwister führen in der ersten Folge zu einem Besuch des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig. Dort erläutert eine Historikerin die Teilung Deutschlands, den Mauerbau und die DDR als Diktatur. In den Folgen 2 und 3 berichten kontrastierend zwei Zeitzeug*innen von ihren persönlichen Erfahrungen in der DDR. Eine Lehrerin schildert in Folge 2 den DDR-Alltag aus einer systemkonformen Perspektive – geprägt von Anpassung, Pflichterfüllung und institutioneller Einbindung. In Folge 3 berichtet Geralf, der als Jugendlicher der Punkbewegung angehörte, aus einer nicht systemkonformen Perspektive von Ausgrenzung, Repression und staatlicher Kontrolle. Folge 8 erweitert die Perspektive auf das Land und die Ereignisse um den 9.11.1989: Ein Fotograf, der aus dem Libanon zum Studieren in die DDR kam, berichtet über die Entstehung seiner Aufnahmen vom Mauerfall.
Diese drei und fünf weitere Berichte (inklusive Bonusfolge) eröffnen unterschiedliche Deutungen, worin ein zentrales Potenzial der Podcastreihe besteht: Durch den Einsatz von Zeitzeug*innenberichten als historische Quellen erfahren Kinder, dass Geschichte erzählt wird – und das aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Zugleich wird implizit angebahnt, zwischen dem Erleben von Personen und der historischen Rekonstruktion durch Historiker*innen zu unterscheiden. Für den Einsatz im Unterricht sollte diese Unterscheidung jedoch expliziert werden. Das kann durch eine weiterführende Bearbeitung der bereitgestellten Informationen zu den einzelnen Personen – etwa durch die Erstellung von Steckbriefen oder visuellen Darstellungen – erfolgen. Eine systematische Kategorisierung nach Perspektiven (Zeitzeug*in versus Historiker*in) kann zudem eine kritische Distanz ermöglichen. Die Unterscheidung zwischen lebensgeschichtlichen, erinnerungskulturellen und wissenschaftlichen Zugängen als erste Formen von Quellenkritik (Peuke 2023: 31) könnte durch reflexive Fragen angebahnt werden: Warum fällt es dem Opa schwer, die Frage zu beantworten, wie die DDR verschwand, obwohl er diese Zeit erlebt hat? Warum kann die Historikerin im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig dies erklären, obwohl sie die DDR nicht selbst erlebt hat? Zur Untersuchung der Berichte als Quellen können ergänzend die Materialien „Geschichtsforscher-Lupen“ und „Historische Fragehand“ (siehe dazu Becher/Gläser 2015) herangezogen werden. Beides eignet sich auch für die Arbeit mit den Bildquellen im Begleitmaterial.

Die Podcast-Reihe „Zeitreise DDR“ 2025 © Paul Glaser/Forum für Kultur und Bildung Leipzig
Kritisch anzumerken ist, dass die Bildquellen nicht als solche gekennzeichnet sind. Quellenverweise finden sich zwar jeweils auf der letzten Seite des Materials, jedoch nicht direkt unter den Bildern. Um die Fotos als historische Quellen und nicht lediglich als Illustrationen zu erfassen, sollten Schüler*innen sich damit thematisch auseinandersetzen, etwa indem sie im Unterricht Bildunterschriften mit Titel und Quellenangaben erarbeiten. Fragen an die Bilder könnten zudem Ausgangspunkt weiterer Recherchen sein.
Das Begleitmaterial der Folgen 2, 4, 5 und 8 regt an, Interviews mit Zeitzeug*innen zu führen. Für den Unterricht bieten sich dafür sogenannte „Hilfekarten“ an, die Kinder bei der Vorbereitung von Interviews mit Zeitzeug*innen unterstützen (Peuke/Pech 2024).
Bei entsprechender didaktischer Einbettung und ergänzendem Materialeinsatz eröffnet die Podcastreihe „Zeitreise DDR“ vielfältige Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Teilungsgeschichte in der Grundschule und eignet sich darüber hinaus auch für den außerschulischen Einsatz.
Literatur
Becher, Andrea/Gläser, Eva: „Historische Fragehand“ und „Geschichtsforscher-Lupen“. Arbeitsmaterial zum Beitrag „Mit historischen Quellen Geschichte begreifen lernen: historische Methodenkompetenz vermitteln“, in: Grundschule Sachunterricht, 67 (2015), S. 12–13.
Peuke, Julia: Was bleibt − die DDR aus der Perspektive von Kindern, Wiesbaden 2024.
Peuke, Julia/Pech, Detlef: „Wie war das bei den Jungpionieren?“. Kinder befragen Zeitzeug:innen. Materialpaket: Hilfekarten für die Vorbereitung eines Interviews, in: Grundschule Sachunterricht, 103 (2024), S. 24–30.