Autobiographische Zeugnisliteratur 1940-1969
Veranstaltungsort:
Akademie der Künste Hanseatenweg 10 10557 Berlinin Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen
Die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" setzt 2010 mit einer weiteren Veranstaltung die Reihe "Entdecken und Verstehen. Bildungsarbeit mit Zeugnissen von Opfern des Nationalsozialismus" fort. . Das Seminar in Berlin wirft einen historischen Blick auf den Entstehungszeitraum autobiographischer Zeugnisliteratur und ihre Rezeptionsgeschichte seit Beginn der 40er bis Ende der 60er Jahre. In dieser Zeit sind wir mit Texten konfrontiert, die auf keine Sprache, kein Gattungswissen zurück greifen können, um das Unfassbare, die präzedenzlose Erfahrung auszudrücken.
Die Werke von Primo Levi, Paul Celan
[1], Aaron Appelfeldt, Jean Amery, Louis Begley und vielen anderen Überlebenden der Lager und Ghettos haben die Erinnerung an die nationalsozialistischen Massenverbrechen, an Zwangsarbeit
[2] und Angriffskrieg geprägt. Mit der literarischen Verarbeitungen der persönlichen Erfahrung widersetzten sich diese Autoren dem nationalsozialistischen Ziel, jede Form der Erinnerung an die totale Vernichtung, auszulöschen.
In den Ghettos der Jahre 1940 bis 1945 wurden im Moment des Erlebens Chroniken angelegt, Tagebücher geführt, Gedichte verfasst, die aus unterschiedlichen Perspektiven und Motiven Facetten des Alltagslebens im Ghetto festhalten. Dies sind Dokumente der Fassungslosigkeit (Saul Friedländer), des kulturellen Widerstands oder des zielstrebigen Festhaltens der Ereignisse im Sinne dokumentarischer Zeugenschaft. Und es sind letzte, persönliche Relikte der Schreibenden, die zumeist nicht überlebt haben.
In den direkten Nachkriegsjahren erschien eine Vielzahl, ja eine Flut autobiographischer Berichte zumeist von Überlebenden, die als politisch Verfolgte in den Konzentrations- und Vernichtungslagern waren. Insbesondere in diesen Texten, die in erster Linie aufzuklären suchten, wird das Ringen um die Sprache und eine adäquate, literarische
Form besonders deutlich. Die Mehrheit dieser Publikationen wurde jedoch kaum rezipiert.
Erst im Kontext der großen NS-Prozesse wie dem Eichmann-Prozess in Jerusalem (1961) und dem Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main (1963-1965), die von der öffentlichen Zeugenschaft geprägt waren, rückt auch die Memoirenliteratur von Überlebenden in Blick der Öffentlichkeit. Zudem beschäftigen sich Schriftsteller und Dichter, die nicht von der nationalsozialistischen Verfolgung betroffen waren oder emigrieren konnten, wie Peter Weiss in ihren Werken mit dem Prozessgeschehen.
Im Seminar werden zu allen drei Phasen exemplarische Texte vorgestellt sowie Methoden zu einer literaturdidaktischen Auseinandersetzung, die sich ebenso mit der Frage beschäftigt, wie sich Erinnerung ästhetisch konstituiert.
Die Reihe geht auf die vielfältigen Zeugnisformen der Opfer des Holocaust und der NS-Zwangsarbeit ein, die ihre Erfahrungen in Wort, Schrift, Bild, Theater und Musik dokumentierten. Ziel ist, diese Zeugnisse als Quellen der Erfahrungsgeschichte zu würdigen und didaktisch-methodische Wege aufzuzeigen, wie sie in die schulische und
außerschulische Bildungsarbeit einbezogen werden können.
Die Veranstaltung richtet sich bundesweit an Lehrkräfte und Lehramtsstudierende, insbesondere der Fächer Deutsch und Geschichte sowie an Gedenkstättenmitarbeiter/innen und andere außerschulische Bildungsreferenten/innen.
Weitere Informationen sowie das ausführliche Programm finden sich auf der Webseite Bildungsarbeit mit Zeugnissen [3], über diese Seite läuft auch die Anmeldung.
Der Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro, mit Hotelübernachtung 30 Euro. Die Teilnehmerzahl ist auf 60 Plätze begrenzt.
Anmeldeschluss ist der 1. April 2010.
Konzeption, Organisation und Kontakt:
Dagi Knellessen
Freie Mitarbeiterin der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"
Tel: 030-69598247
E-Mail: knellessen [at] stiftung-evz [dot] de